Eisteich-Areal in Hof Die Ruhe vor dem Skater-Ansturm

Die ersten Gebrauchsspuren sind schon zu sehen: Einzelne Skater konnten es nicht abwarten und sind schon über den Bauzaun gestiegen – die Anlage wird heiß ersehnt Foto: /cp

Am Samstag werden die Außenanlagen am Eisteich eröffnet – Startschuss für einen lebendigen Sport-Ort. Der Schwimmverein will zwei neue Abteilungen gründen, die Stadt feilt an der Beschilderung. Das Wichtigste sei das Miteinander, sagen die Beteiligten. Alle bis auf einen.

Das wird Hof in den deutschen Skater-Himmel heben, auch die BMX-Szene weit über die Region hinaus blickt in diesen Tagen in die Saalestadt. Ein Skatepark, ein Pumptrack für Biker, eine BMX-Bowl, eine Inlinerstrecke, ein kleiner Kinderrundkurs und eine Multifunktionsfläche komplettieren von Samstag an das neue Freizeitsportzentrum am Eisteich. Die Anlage wird bereits jetzt bejubelt in den Szenen: Gestalterisch, baulich und fahrerisch gilt sie als Leuchtturmprojekt, das die ohnehin bekannte Skaterszene im Hofer Land noch eine Stufe höher katapultieren könnte.

Sechs Jahre hatten Planung und Bau gedauert, zwischenzeitlich war es immer wieder um Treffen mit den Skatern, Bedenken der Anwohner wegen Lärm und vieles andere gegangen, die Frankenpost berichtete ausführlich. Grundanliegen: Hier soll für alle etwas entstehen – inklusive viel Grün, Stufen- und Aufenthaltsbereich hinunter zur Saale, nächstes Jahr auch Parkplätze. So ist die Freizeitanlage auch städtebaulich ein großer Wurf – und kann sich schnell zum innerstädtischen Freizeit-Ort für viele Hofer entwickeln. Was die Beteiligten eint: die Sorge und das Bemühen, dass es hier nicht zu Unfällen und unschönen Begegnungen kommt. Wie man das erreichen könnte, da gibt es allerdings ganz unterschiedliche Ansätze.

Die Regeln: „Die Anlage ist grundsätzlich für Jedermann gedacht, ob Anfänger oder Profi, Alt oder Jung, Skateboarder, Biker oder Rollerfahrer“, betont Michael Strobel von der Stadt Hof. Das heißt, dass zunächst jeder mit seinem Sportgerät jeden Teil der Anlage befahren darf – auch wenn sich der Skate-Bereich freilich am besten für Skater eigne, der BMX-Bowl am besten für BMX-Fahrer und so fort. Dass alle alles nutzen dürfen, sei der Grundgedanke der gesamten Anlage, betont die Stadt Hof genauso wie das Kölner Planungsbüro Landskate GmbH. Schilder zeigen, welche Anlagenteile für wen gebaut wurden. Um Konflikten möglichst vorzubeugen, hatte man alle Nutzergruppen eingeladen, über die Jahre hat sich so ein stetiger Austausch entwickelt: Man kennt sich, und in die Anlage seien viele Wünsche, Anregungen und Vorschläge von allen Nutzern mit eingeflossen, sagen Beteiligte und Beobachter. Ein Wunsch aber blieb ungehört.

Der Profi: „Diese Woche habe ich Gäste aus Los Angeles da, die zum Skaten zu uns in die Region kommen – das ist der Stellenwert der Gegend in der Szene“, erzählt Martin Ehrenberger. Der Schwarzenbacher steht seit 40 Jahren selbst auf dem Brett, hat schon Olympiateilnehmer betreut und baut derartige Anlagen beruflich nicht nur in Deutschland – er ist die unangefochtene Koryphäe in der Region in Bezug auf Skateanlagen. Am Bau des Eisteich-Zentrums war er geschäftlich nicht beteiligt, doch war er von Beginn an einbezogen in die Überlegungen. Ehrenberger sagt: „Wenn man die Nutzergruppen nicht trennt, wird die Anlage nicht funktionieren.“

Helmbrechts und Selb seien für ihn Positiv-Beispiele, wo die Skater zu ihrem Recht kommen – weil die Anlagen mit nichts als dem Brett unter den Füßen befahren werden dürfen. „In Naila, Schwarzenbach, Marktredwitz oder Bayreuth ist das anders, da sind die Skater abgewandert.“ Weil schon das kleinste Steinchen aus einem Mountainbike-Profil einen Skater böse stürzen lassen könne, weil sich ein Kind auf einem Scooter aus Skater-Sicht völlig unvorhersehbar verhalte, was zu schweren Unfällen führen könne, und weil die Nutzung mit anderem Sportgerät auch den Anlagen selbst schnell zusetze. Vor allem die große Unfallgefahr treibe ihn um – gerade die BMX-Bowl beispielsweise sei nur für richtig gute Sportler gebaut: „Und Eltern, die mit ihren Kindern mit dem Scooter dort hingehen, haben das Bewusstsein dafür einfach nicht.“ Er habe die Forderung der Sportarten-Trennung oft vorgetragen, gehört worden sei sie nicht. Für ihn schade: „Ein Fußballplatz ist doch auch für alle da – aber eben dafür, dass alle darauf Fußball spielen und nicht Radfahren.“ Seine Bedenken sieht selbst die Skater-Szene unterschiedlich.

Schwarz-Weiß-Grau: Martin Ehrenbergers Einschätzung hat Gewicht in der Welt der Skater, er gilt als die graue Eminenz. Aber auch als jemand, der den Sport in Reinform sieht, als die Olympia-Disziplin, die er ist – und nicht nur als das Hobby und den Lifestyle, der damit einhergehen kann auf einer Anlage wie der in Hof. Ja, die Nutzung für alle sei in vielen Städten im Land ein Thema, sagen die Skater aus der Region. „Münster regelt es zum Beispiel mit Flaggen, andere haben feste Laufzeiten“, sagt ein langjähriger Aktiver. In Hof sei das Wichtigste ein gegenseitiges Miteinander und Rücksichtnahme, betont ein anderer. Und der Dritte sagt, dass es in der Praxis sowohl in Sachen Nutzungszeiten als auch räumlich viele Möglichkeiten geben wird, dass jeder zu seinem Recht kommt: Das Areal ist riesig, allein der Skate-Bereich nimmt die komplette Fläche des früheren Eisteichs ein.

So gibt es in diesen Tagen und Wochen viele Gespräche und Treffen, um die Anlage mit möglichst viel Gemeinschaft zu füllen – angedacht ist künftig eine Art Nutzerrat mit Vertretern verschiedener Sparten. Der Schwimmverein hat einen weiteren Ansatz.

Zwei Abteilungen: „Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, eine BMX- und eine Skater-Abteilung zu gründen“, sagt Vorsitzender Volker Dietz. Was noch fehle, seien die Übungsleiter/Instruktoren, doch wolle man gern ein Angebot machen auf dem Gelände. Zur Debatte war auch mal eine halbe städtische Betreuer-Stelle gestanden, das haben Stadt und Verein aber abgelehnt: aus Kostengründen, und, weil sich auf der Anlage im besten Fall ehrenamtlich und eigeninitiativ ein Miteinander entwickeln soll. „Wir haben vor, Trainingszeiten anzubieten, und dafür auch mal Bereiche der Anlage zu sperren, damit wir auch den richtigen Umgang miteinander und mit der Anlage weitergeben können“, sagt Volker Dietz. Die Stadt begrüße den Ansatz: Gegensteuern, wenn es gar nicht laufen sollte, könne man immer noch. Doch nun überwiege zunächst die Vorfreude auf den Startschuss.

Eröffnung und Co.

Samstag
Am Samstag um 11 Uhr wird der Park offiziell eröffnet. Zur Freigabe sind viele Profifahrer eingeladen, die zeigen, was die Anlage hergibt – alle Interessierten sind eingeladen zum zuschauen und ausprobieren. Die Nutzung der Sportflächen ist dann täglich zwischen 9 und 21 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 13 und von 15 bis 21 Uhr möglich.

Überwachung
Die SPD hatte einen Antrag gestellt, eine Webcam zu installieren, Skater und Sportamt hätten gern Videoüberwachung gegen Vandalismus, doch noch hängen keine Kameras: Datenschutz im öffentlichen Raum ist ein schwieriges Thema. Zumindest die Vor-Installationen aber sind getätigt.

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