EM 2021 am Sonntag Österreich-Kenner ist skeptisch

Für Eintracht Frankfurt reist Marc Schweinshaupt am Sonntag nach China. Der Münchberger war zuvor Trainer in Österreich. Foto: /privat

Marc Schweinshaupt war Trainer in der österreichischen Bundesliga. Vor dem Auftaktspiel der Österreicher hegt er Zweifel an einem fulminanten Start des Teams von Franco Foda.

Münchberg - Der Schock des Samstag mit dem Zusammenbruch von Christian Eriksen auf dem Rasen während des laufenden Spiels steckt allen Spielern und Fußballfans sicherlich noch in den Knochen. Aber - auch auf Wunsch Eriksens - geht die Fußball-EM weiter. Am Sonntag mit drei Spielen, wobei auch das deutsche Nachbarland Österreich in den Wettbewerb eingreifen wird. Einer, der sich in Österreich sehr gut auskennt, ist Marc Schweinshaupt. Beim österreichischen Bundesligisten St. Pölten war er Co-Trainer und Coach der zweiten Mannschaft - und sammelte in dieser Zeit einen tieferen Einblick in die Stärken und in die Mentalität der Alpen-Republik. „In Österreich ist die Erwartungshaltung groß“, sagt der Münchberger, „aber auch die Skepsis.“ Wohl kaum ein Satz könnte besser zusammenfassen, was die Österreicher von ihrem Team erwarten.

Allerdings kann Schweinshaupt die Partie gar nicht live verfolgen, weil er sich während des Spiel im Flugzeug nach China sitzt, wo er seinen neuen Trainer-Job antreten wird. Das erste Spiel des Tages kann er noch am Flughafen mitverfolgen: Dann trifft England auf Kroatien (15 Uhr, in London, ARD). Ein erstes Top-Spiel der EM. Mit Prognosen hält sich Schweinshaupt aber zurück: „Generell ist der erste Spieltag bei dieser Euro für jede Mannschaft schwer: Die Vorbereitung war kurz, hinzu kamen noch die Besonderheiten aufgrund des Corona-Virus.“ Daher sei es extrem schwer, den ersten Spieltag zu tippen. In London ist dies nicht anders: „Mein Bauchgefühl sagt mir ein Unentschieden“, so der Profi-Trainer. „Ich habe aber eine leichte Tendenz zugunsten Kroatiens, weil sie weniger zu verlieren haben als England.“ Und so können die Kroaten auch etwas freier aufspielen als die Engländer, auf denen hohe Erwartungen lasten.

Schweinshaupts Kernkompetenz ist bei der EM natürlich aufgrund seiner Trainer-Laufbahn das österreichische Team. Auch er ist vor dem Spiel zwischen Österreich und Nordmazedonien (18 Uhr, in Bukarest, ARD) skeptisch. „In den Testspielen war Österreich nicht der Hit“, sagt er. „Sie können mit dieser eigentlich gut besetzten Mannschaft gegen Nordmazedonien nur hinfallen.“ Deshalb sei die Chance auf ein Unentschieden in dieser Partie gar nicht so gering, sagt der Münchberger. „Selbst wenn Österreich ein Erfolg gelingen sollte, wird es nur ein 2:1 oder 1:0. Dann wäre schon viel erreicht.“

Das dritte Spiel des Sonntags ist die Begegnung zwischen den Niederlanden und der Ukraine (21 Uhr, in Amsterdam, ARD). Auch dieses Spiel werde - wie die vorangegangenen beiden - ein sehr enges, prognostiziert der Experte. „Die Ukraine ist ein sehr unangenehmer Gegner. Ich würde deshalb nicht gleich auf den größeren Namen setzen.“ Vielleicht gelingt der Ukraine die erste faustdicke Überraschung des Turniers? Die Chancen darauf stehen am Sonntagabend gar nicht so schlecht.

Schweinshaupt wird das Resultat erst bei seiner Landung in China erfahren, bevor er dort in eine vierwöchige Quarantäne muss. Währenddessen bleibt ihm viel Zeit für Fußball - und auch die EM. Bis zum Ende dabei sein und den Titel holen, wird aus seiner Sicht Italien. „Ich habe immer schon Italien für seinen Fußball gemocht. Ich bin ein Fan des Teams - also so ein richtiger, der auch die sachlichen Fakten dann mal ignoriert, wenn es um die Italiener geht.“ Einen Wunsch hat er aber trotzdem noch: „Deutschland muss ins Halbfinale kommen.“ Dann würden nicht nur viele Fans zwischen Kiel und Garmisch jubeln, sondern auch Schweinshaupt im Fernen Osten: „Eine Halbfinal-Teilnahme erleichtert meine Arbeit enorm. Nur wenn du ins Halbfinale kommst, wirst du wahrgenommen.“ Und ein bisschen gilt das wohl auch für die DFB-Elf in Deutschland selbst.

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