Neujahrsempfang Politik buhlt um Landjugend Hof-Wunsiedel

Uwe Faerber

800 Mitglieder hat die Landjugend allein in der Region Hof-Wunsiedel. Beim Neujahrsempfang zeigt sich, welchen Stellenwert die politisch unabhängige Organisation hat, die sich für die jungen Leute auf dem Land einsetzt.

Während der „Tatort“ aus Dortmund über die Bildschirme flimmert, erweisen zwei Landtagsabgeordnete der Landjugend ihre Ehre. Auch zwei Landräte und elf Bürgermeister kommen am Sonntagabend im Zedtwitzer „Bürgerhaus zur Post“ ins Gespräch, mit den Abgesandten der Ortsgruppen des Kreisverbandes, mit den Vertretern der „Jungen Landwirte“ und der „Jungen Landfrauen“ sowie etlichen Ehrenzeichen-Trägern. „Hier treffen sich Mitglieder der Landjugend mit denen, die Mitglied waren – und noch gern wären“, bringt es der Wunsiedler Landtagsabgeordnete Martin Schöffel (CSU) auf den Punkt.

Nach der Werbung weiterlesen

Die Stimmung an den Stehtischen im Saal bei Flaschenbier, Saft und Häppchen verrät: Die Landjugend kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben. Jeder zwischen 14 und 35 kann Mitglied werden – und profitiert: Ausgleich zum Alltag, Gemeinschaftsgefühl und Kontakte, Erweiterung von Wissen und Können. Diese Vorteile nennen Chiara Hartmann und Ferdinand Bauer. Die beiden Bezirksvorstände bitten die „große Politik“ um häufigere Schankerlaubnis und finanzielle Hilfe. Und: „Ein Jugendbeauftragter in jeder Gemeinde würde vieles unkomplizierter machen.“

Der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU) erhält Beifall, als er wie aus der Pistole geschossen die zehn Ortsvereine des Kreisverbandes aufzählt: Zedtwitz, Weidesgrün, Marxgrün, Neudorf, Schwarzenbach an der Saale, Regnitzlosau, Reuthlas, Reichholdsgrün, Großlosnitz und Plösen. Die Anwesenheit der Bürgermeister sei kein Wunder: Laut Bär buhlen sie um die nächste 72-Stunden-Aktion der Landjugend – eine Möglichkeit, mit geringen Kosten etwas Gutes für ihre Gemeinden zu tun.

Oliver Bär schätzt nach eigenen Worten die Landjugend und die aktivsten Vertreter besonders. Sie seien potenzieller Nachwuchs für die Rathäuser, Ämter und Verwaltungen. Nebenbei: Die einzige anwesende Trägerin des Ehrenzeichens in Gold, Nina Meister von der Landjugend Weidesgrün, hat Bär zur stellvertretenden Fachbereichsleiterin im Landratsamt gemacht.

„Ihr seid wichtig“, ruft Bär den jungen Leuten zu. „Wenn es euch gut geht, geht es der Jugend gut – und dem Landkreis“, sagt er und freut sich, dass die Region Hof-Wunsiedel mit 800 Mitgliedern die stärkste Region der Landjugend in Bayern ist.

Der Kreisverband ist nach Angaben des Vorsitzenden Lukas Schmidt gut aus der Corona-Krise gekommen. Das sei bei den Veranstaltungen des vergangenen Jahres zu sehen gewesen – bei Jubiläen, Arbeitseinsätzen, Volkstanzabenden. „Wenn wir dranbleiben, müssen wir uns keine Sorgen machen“, sagte der 20-Jährige, der in Rehau Industriekaufmann lernt und parallel BWL an der FH Hof studiert.

Martin Schöffel bescheinigt der Landjugend eine herausragende Bedeutung für den ländlichen Raum; sie helfe, „dass es hier manche städtischen Probleme nicht gibt“. Schöffel kritisiert den „Green Deal“ der EU – bestimmte Pläne seien nicht akzeptabel, etwa Flächenstilllegungen und Düngeverbote. Nach seinen Worten ist eine umweltfreundliche Energieproduktion ohne die Flächen der Bauern nicht denkbar. Aber dazu müssten die Landwirte unterstützt werden.

Schöffels Landtagskollege Klaus Adelt (SPD) lobt den Schulterschluss der Landjugend in den Kreisen Wunsiedel und Hof. „Verzetteln wäre nicht gut. Eine starke Landjugend ist ein Garant für ein lebendiges gesellschaftliches Leben.“ Der Wunsiedler Landrat Peter Berek (CSU) fordert die Landjugend auf, sich politisch einzubringen. Er bricht eine Lanze für die Leistungsbereitschaft. Nur so lasse sich der Wohlstand in Deutschland halten. Nachdenklich stimme ihn beispielsweise, dass (zu) viele Lehrer in Teilzeit arbeiten.

Für die Musik des Abends sorgt Annalena Saalfrank auf der Steirischen Harmonika.