Ende Januar Apotheken impfen bald gegen Corona

Nicole Wrodarczyk
Dr. Hans-Peter Hubmann kann bald selbst zur Spritze greifen. Foto: Archiv

Die letzten gesetzlichen Hürden sind beseitigt. Apothekern impfen künftig gegen Corona. Ärzten Konkurrenz machen wollen sie aber nicht.

Kulmbach - Ende Januar können die ersten Apotheken selbst den Schutz gegen Covid-19 anbieten. „Aufseiten der Bundesapothekerkammer haben wir die notwendigen Voraussetzungen geschaffen“, sagt Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes. Die Impfverordnung ist am Montag dahingehend geändert worden.

In mehreren Seminaren werden Apotheker für das Impfen gegen Corona geschult. In praktischen Übungen sollen sie die wichtigsten Handgriffe für die Arbeit mit den Spritzen erlernen. Die Seminare können in der Bayerischen Landesapothekerkammer in München absolviert werden oder durch einen Arzt oder im Impfzentrum erfolgen.

Auch Impfstoffe zur eigenen Verwendung in der Apotheke dürfen Apotheker laut der Verordnung bestellen. Dafür müssen räumliche Voraussetzungen geschaffen werden: ein Beratungsraum für den vertraulichen Umgang mit dem Patienten muss vorhanden sein. „In der Apotheke am Tresen wird natürlich nicht geimpft“, erklärt Hubman. Zudem müssen die impfenden Apotheker als Ersthelfer ausgebildet sein, um auch im Notfall korrekt handeln zu können. Hubmann schätzt, dass die ersten Apotheken Anfang Februar loslegen können. Hubmann berichtet, dass seine Kollegen großes Interesse an dem Angebot zeigen.

Am 12. Dezember 2021 trat der neue Paragraf im Infektionsschutzgesetz in Kraft, der es Apothekern ermöglicht, Personen, die das zwölfte Lebensjahr vollendet haben, gegen das Corona-Virus zu impfen. Das betrifft Erst-, Zweit- und Auffrischimpfungen. Die Regel ist befristet bis 31. Dezember 2022. Außerdem werden Anforderungen an die räumliche Ausstattung gestellt. Zudem muss eine ärztliche Schulung durchgeführt werden. Entsprechend geschulte Apothekerinnen und Apotheker dürfen auch in andere geeignete Einrichtungen, insbesondere ein mobiles Impfteam, eingebunden werden.

Hubmann betont aber, es gebe keinen Wettbewerb um Impfstoffe: „Wir begeben uns nicht in einen Verteilungskampf mit den Ärzten.“ Voraussetzung für das Impfen – sowohl in den Apotheken als auch beim Arzt – sei es, genügend Impfstoff zur Verfügung zu haben. Das war laut Hubmann im Dezember und Anfang Januar nicht der Fall.

„Vom beliebten Impfstoff Biontech gab es zu wenig. Es gibt auch jetzt immer noch relativ wenig“, erklärt der Apotheker. Einen Konflikt mit der Ärzteschaft will Hubmann vermeiden, daher halte er sich zurück, sollte es zu Lieferengpässen kommen. Solange die Ärzte die Nachfrage gut abdecken können, sollten sie das Impfen übernehmen. „Und wir stehen bereit, wenn die Kapazitäten nicht ausreichen“, sagt er. Er halte wenig von einem wirtschaftlichen Wettbewerb, da dieser nur Unfrieden bringen würde, den „wir derzeit nicht gebrauchen können.“

Sowohl Moderna als auch Biontech würden in den Spritzen der Apotheker landen. Welches Vakzin verimpft wird, dass hänge davon ab, welche Ressourcen das Gesundheitsministerium zur Verfügung stelle. „Dahingehend sind wir aber auf einem guten Weg“, sagt Hubmann. Er betont, der Impfstoff Moderna müsse in der Bevölkerung mehr Zustimmung finden: „Fachlich spricht nichts, aber auch wirklich gar nichts gegen Moderna.“ Der Wirkstoff immunisiere stark gegen das Coronavirus. Es brauche zur Auffrischung auch nur die halbe Dosis. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfahl im November vergangenen Jahres Moderna nur an Personen über 30 Jahre zu verabreichen. Laut Hubmann sei das einer öffentlichen Brandmarkung gleich gekommen: was eigentlich als reine Vorsichtsmaßnahme gedacht war, hinterließ einen bleibenden Imageschaden.

 

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