Energiekosten Kunden sind verunsichert

red

Die Energiekrise stellt Versorger und Verbraucher vor große Herausforderungen. Gesetzesänderungen, Entlastungspaket und Preiserhöhungen erfordern einen erhöhten Gesprächsbedarf.

Der Beratungsbedarf im ESM-Kundencenter ist stark gestiegen.Foto: Foto: Florian Miedl

Wenn die Jahresrechnung der Energieversorgung Selb-Marktredwitz (ESM) im Briefkasten liegt, klingelt das Telefon im Kundenservice im Normalfall öfter. In diesem Jahr ist der Gesprächsbedarf besonders hoch: „Die Verunsicherung bei den Verbrauchern ist gewachsen, für Aufklärung und Beratung nehmen wir uns in den Kundenzentren in Selb und Marktredwitz jetzt viel Zeit“, sagt ESM-Geschäftsführer Klaus Burkhardt Um die aktuelle Energiekrise zu bewältigen, brauche es enorme Anstrengungen seitens der Politik und der Gesellschaft. Aber auch die Energieversorgungsunternehmen seien extrem gefordert. „Wir leisten unseren regionalen Beitrag, damit die Versorgung möglichst sicher bleibt.“

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Preiskapriolen

Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den Lieferstopp von Erdgas kommt es auf den Beschaffungsmärkten für Energie zu Preiskapriolen von nie gekanntem Ausmaß. Um die Auswirkungen für Verbraucher und Wirtschaft abzumildern, schnürt die Bundesregierung das derzeit dritte Entlastungspaket. „Wir begrüßen grundsätzlich alle Maßnahmen, mit denen die Haushalte entlastet werden können“, betont der ESM-Chef laut einer Mitteilung. Dazu zählt etwa die Reduzierung der Umsatzsteuer auf sieben Prozent für Erdgas und Wärme und letztlich auch das Kippen der angekündigten Gasbeschaffungsumlage kurz vor der Erhebung. „Das alles kann allerdings nicht darüber hinweghelfen, dass für uns Versorger die Kosten an den Beschaffungsmärkten für Strom und Gas extrem gestiegen sind. Für die Kunden hätten wir gerne bessere Nachrichten gehabt, allerdings kommen wir nicht um Preiserhöhungen herum.“

Damit auch die Stromtarife neu kalkuliert werden können, wartet das Unternehmen noch auf die finale Höhe der Abgaben und Umlagen. Weil jedoch beim Strom neben den Beschaffungskosten auch die Netznutzungsentgelte gestiegen sind, finden Stromkunden in ihrer Jahresrechnung bereits jetzt einen um etwa 50 Prozent höheren Abschlag als bisher. Aus Sicht der ESM ist es enorm wichtig, dass seitens der Politik schnellstmöglich Klarheit darüber geschaffen wird, wie die Entlastungspakete für Gas und Strom konkret umgesetzt werden sollen. Erst dann kann die individuelle Kosteneinsparung für jeden einzelnen Haushalt ermittelt werden.

Rückrufservice

„Wir wissen, dass die steigenden Energiekosten nur ein Teil dessen sind, was Verbraucher derzeit tragen müssen“, sagt Marc Schmidt, Leiter der Kundenzentren bei der ESM. Er und seine Kollegen rechnen deshalb damit, dass mehr Menschen als gewöhnlich das Gespräch mit der ESM suchen werden – telefonisch und im Kundenzentrum. „Wir sind weiterhin da und suchen gemeinsam Lösungen. Wir nehmen uns die Zeit, jedes einzelne Anliegen zu beantworten. Daher kann es zu längeren Wartezeiten kommen“, erläutert er. Wer nicht warten möchte, könne auch den Rückrufservice nutzen, den man über die Internetseite des Versorgers buchen könne, rät er. „Bis es zum Rückruf kommt, kann es vielleicht etwas dauern, aber wir rufen in jedem Fall an“, so der Kundenzentrumsleiter.

Laut Marc Schmidt finden sich auf der Homepage des Versorgers bereits Antworten auf häufige Fragen (FAQ). In dieser außergewöhnlichen Zeit seien Transparenz und Fairness besonders wichtig“, betont auch Klaus Burkhardt.

Netze stabil halten

Trotz aller Entlastungen führt allerdings kein Weg am Energiesparen vorbei. In dieser herausfordernden Situation sei jeder aufgerufen, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, fordert Klaus Burkhardt auf. Das sei ein wichtiger Schritt, aber notwendig, „damit wir alle warm durch den nächsten Winter kommen“. Immerhin werde ein Teil des Stroms für die Versorgung in Deutschland weiterhin aus Erdgas erzeugt; dieser Anteil sei kurzfristig nicht ganz ersetzbar, jedoch schon weit reduziert. „Jeder kann durch ein sparsames Verhalten dazu beitragen, dass Energie für das Wichtigste bei allen reicht und die Netze stabil bleiben“, meint er und verbindet diese Bitte mit dem dringenden Appell, keine elektrischen Heizlüfter als Ersatz für Gasheizungen zu verwenden. Dies spare keine Kosten, da die Gaspreise immer noch deutlich günstiger seien als die Strompreise, und die gleichzeitige Nutzung solcher Geräte könnte das Stromnetz so belasten, dass es zu Ausfällen kommen könne. Die ESM unterstütze beim Energiesparen. So könne man in den Kundenzentren in Selb und Marktredwitz Strommessgeräte ausleihen, um beispielsweise stillen Verbrauchern oder Energiefressern auf die Spur zu kommen.