Energieversorgung Die Angst vorm Blackout bleibt

Sicher durch den Winter, das wollen immer noch viele. Kaminöfen sind weiterhin noch Mangelware, die Holzhändler bekommen täglich Aufträge für eine Woche. Ein Basisbericht.

Für viele in diesem Winter mehr als nur wohliger Luxus: ein Kaminofen mit lodernden Holzscheiten. Foto: Sabine_999//Pixabay

Hier und da zuckert schon Schnee die Landschaft – der Winter kommt mit großen Schritten. Und drinnen? Ist’s zapfig. Die Preise für Gas, Öl und Strom steigen sprunghaft. Und auch wenn Experten einen solchen Fall für unwahrscheinlich halten: Es grassiert die Angst vor einem Blackout, vor dem totalen Ausfall der öffentlichen Stromversorgung. „Ohne Strom läuft keine Pumpe und kein Brenner. Jede Zentralheizung ist auf Strom angewiesen“, sagt Kaminkehrer Marco Reichel, der in Hof die Stadtteile Moschendorf und Wartturmviertel sowie die Gemeinde Döhlau betreut. Unter anderem deshalb geht der Trend hin zum Kaminofen – und jeder Ofen, so will es das Gesetz, darf erst dann in Betrieb gehen, wenn ein Kaminkehrer ihn abgenommen hat.

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Rekord-Jahr für Kaminkehrer

Abgenommen hat Reichel in diesem Jahr schon viele: In der Hochzeit im September und Oktober sei es im Schnitt etwa einer am Tag gewesen. Auch jetzt im Dezember stehen noch einige Abnahmen aus, berichtet er. In dieser Hinsicht sei heuer „das heftigste Jahr“ in seiner nun zehnjährigen Laufbahn als selbstständiger Kaminkehrer gewesen. Über ihre Beweggründe zum Ofenkauf sprächen nur die wenigsten Kunden.

Etwa zehn Prozent von ihnen hätten ihm gegenüber Sorgen aufgrund der aktuellen Weltlage als entscheidenden Impuls geäußert. Sich einen Platz in der Wohnung zu schaffen, der sich auch dann beheizen lässt, wenn andere Energiequellen versagen – das kann Reichel durchaus empfehlen, auch wenn er die umgehende Angst für „ein bisschen überzogen“ hält. „Auch ich hatte einmal einen Ausfall der Heizung und war froh, die Zeit mit meinem Kaminofen überbrücken zu können“, sagt der Kaminkehrer.

Angesichts der horrenden Energiekosten könnte mancher auf die Idee kommen, sein ganzes Haus mit dem Kaminofen zu beheizen. Davon hält Reichel allerdings nicht viel: „So ein Kaminofen ist von der Leistung her darauf ausgelegt, ein einzelnes Zimmer zu beheizen. Über den Aufstellraum hinaus wird das nicht funktionieren. Dafür gibt es die Zentralheizung.“

Wer dennoch auf Holz als Energieträger setzen wolle, solle lieber gleich an einen zentralen Holzheizkessel im Keller nachdenken. „Das ist dann aber gleich mit ganz anderen Kosten verbunden.“

Vermutlich, glaubt der Schornsteinfeger, wäre er noch immer in ungebrochener Intensität damit beschäftigt, Kaminöfen abzunehmen, wären diese nicht zur Mangelware geworden. „Das große Problem: Es gab einfach keine Öfen mehr.“ Aus Gesprächen mit seiner Kundschaft wisse er, dass mancher Baumarkt Wartelisten für Kaminöfen eingeführt habe. „Wenn mal fünf Öfen in den freien Verkauf kamen, waren die innerhalb einer Stunde weg“, erinnert er sich.

Stahl für Öfen ist knapp

Eine Warteliste gibt es im Hagebaumarkt in Münchberg nicht – denn der bekommt schlicht und ergreifend keine Kaminöfen zu Gesicht. Eher sei das Angebot verknappt als die Nachfrage gestiegen, erklärt stellvertretender Marktleiter Michael Narr seinen Erfahrungen gemäß. Grund sei „die allgemeine Verknappung von Stahl“. Einige Hersteller seien zudem in jüngere Vergangenheit pleite gegangen. Waren im vergangenen Jahr noch etwa 300 Kaminöfen im Hagebau-Sortmiment lieferbar, seien es heuer nur noch zwei. Das sei bereits im August nicht anders gewesen. „Vor Mai oder Juni nächsten Jahres wird hier auch keine Ware kommen“, ist sich Narr sicher. „Und wenn es dann soweit ist, weiß ich natürlich nicht zu welchen Preisen.“ Die aktuelle Weltlage schlägt sich im Baumarkt in Münchberg aber auch noch anderweitig nieder: Die Angst vor Gasknappheit führt dazu, dass deutlich mehr Heizlüfter, Stromheizkörper und Gasflaschen den Besitzer wechseln.

Von der angespannten Lage auf dem Stahlmarkt kann auch René Schymura, Chef des Toom-Baumarkts in Hof und Hofer Einzelhandelssprecher, ein Lied singen. Im September und Oktober habe auch er es mit Engpässen in Sachen Kaminöfen zu tun gehabt. „Es gab Momente, da haben wir nichts rangekriegt.“ Auch teuerer seien die Öfen geworden – um wie viel, das sei ganz abhängig von den verwendeten Materialien. So könne man durchaus sagen: Viel Stahl, hoher Preis. Eine hohe Nachfrage nach Kaminöfen beobachtet er bereits seit April dieses Jahres. „Normalerweise ist es immer August oder September geworden, bis sich die Leute über dieses Thema Gedanken gemacht haben.“

Aktuell hat Schymura Glück: Es ist ihm gelungen, Kaminöfen zu besorgen. „Unser Markt gehört derzeit zu den wenigen, die welche im Angebot haben.“ Die Arbeit, die das für seinen markteigenen Handwerkerservice beim Einbauen bedeutet, ist allerdings kein Pappenstiel: „Es ist nicht mehr so, dass ein Handwerker dasitzt und wartet, dass der Kunde kommt. Die Nachfrage und damit die Wartezeit ist gestiegen.“

Holzhändler hat viel zu tun

„Schon gewaltig“, findet auch Helmut Meyer, Holzhändler aus dem Konradsreuther Ortsteil Wölberbach, die Nachfrage nach seinem maschinell getrockneten Brennholz. „Ab Sommer sind viele Leute auf uns zugekommen – auch Neukunden, die sich erst einen Ofen angeschafft haben.“ Zeitweise waren es so viele, dass Meyer – wie viele seiner Zunft – von Anfang August bis vor drei Wochen einen Aufnahmestopp für Neukunden verhängt hatte. „Wir haben quasi täglich Arbeit für eine Woche reinbekommen. Das hält man auf Dauer nicht durch“, weiß der Geschäftsmann.

Dabei wäre die Schwemme an Neukunden für ihn sogar noch zu bewältigen gewesen, hätten nicht auch die Stammkunden begonnen, auf Vorrat zu kaufen: Wer sonst eine Fuhre mit 4,5 Schüttraummetern bestellte, was einer handelsüblichen Menge für einen Haushalt entspricht, orderte heuer nicht selten zwei. Und das trotz des Holzpreises, der seit Frühjahr immer wieder sprunghaft angestiegen sei. Konnte Meyer da für einen Schüttraummeter Fichte noch um die 45 Euro verlangen, ist er nun bei um die 75 Euro angelangt. „Ich hoffe, dass damit nun die Spitze erreicht ist“, sagt der Holzhändler.

Dennoch könne er natürlich kaum voraussagen, wie sich der Preis im nächsten Jahr entwickelt. Denn der ist einer Vielzahl an Einflüssen unterworfen und hängt bei Weitem nicht nur am Faktor Nachfrage: „Die Dieselpreise sind gestiegen und die Speditionen verlangen mehr, der Strompreis ist durch die Decke gegangen, die Lohnkosten steigen, die Maschinen werden teurer, der Bauboom – da kommen viele Kleinigkeiten zusammen“, erklärt Meyer.

Dennoch seien die Kunden bereit, für Brennholz ordentlich Geld auszugeben. „Die Leute wollen autark sein. Das hören wir in vielen Kundengesprächen“, berichtet er. „Außerdem ist die Wärme eines Kaminofens eine ganz andere als die einer Heizung. Ein Kaminofen schaff Behaglichkeit. Das ist einfach Luxus.“