Energiewende Kulmbacher Wärmepumpe kommt bundesweit groß raus

Seit dem Heizungsgesetz von Robert Habeck stehen Wärmepumpen zunehmend in der Kritik. Der Kulmbacher Heiko Röder kann die Vorbehalte nicht teilen– er ist zufrieden mit seiner neuen Heizung, die bundesweit als Musterbeispiel gilt.

Der Anblick, der sich Mitte Oktober den Vorbeifahrenden und Fußgängern vor dem Doppelhaus in der Thurnauer Straße bietet, ist alles andere als alltäglich: In der Einfahrt steht ein großes Stativ, ein Fotograf kauert – die Kamera im Anschlag – im Vorgarten hinter den Büschen, neben ihm spannt seine Assistentin einen silberglänzenden Faltreflektor auf. Im Visier haben die beiden aber keineswegs ein Model oder einen Promi, sondern vielmehr einen unscheinbaren grauen Kasten an der Vorderseite des Hauses. Das Agentur-Team aus Leipzig hat an diesem Tag nämlich den Auftrag, die Wärmepumpe der Röders in Szene zu setzen.

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Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat das Kulmbacher Sanierungsbeispiel ausgewählt, um damit im Rahmen ihrer deutschlandweiten Veranstaltung „Woche der Wärmepumpe“ bei einer Ausstellung an mehr als 75 Veranstaltungsorten zu informieren.

Hochburg der Wärmepumpen

Auch in Kulmbach wird es während der Aktionswoche einige Veranstaltungen geben, die die Energieagentur Nordbayern organisiert (siehe Beitrag unten). Der Landkreis gilt vielen als „Wärmepumpen-Hochburg“ – sind hier doch gleich mehrere Hersteller und Zuliefer-Firmen angesiedelt. Diesen hat die öffentliche Diskussion rund um das Heizungsgesetz zuletzt schwer zu schaffen gemacht, ist aus der Branche zu hören.

Durch die große Verunsicherung im Bezug auf Wärmepumpen sei die Auftragslage rapide eingebrochen, eine Erholung ist noch lange nicht in Sicht. Genau hier will die dena ansetzen und mit ihrer Aktionswoche Aufklärungsarbeit leisten. Denn um die Klimaziele zu erreichen und unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden, gelten Wärmepumpen als ein zentraler Bestandteil der Energiewende.

Dass viele Vorbehalte gegenüber Wärmepumpen unbegründet sind, soll das Beispiel von Familie Röder eindrücklich. Das Ehepaar Röder bewohnt eine 100 Quadratmeter große Doppelhaushälfte aus den 1930er Jahren, die – abgesehen von neuen Fenstern – noch weitgehend im Originalzustand ist. Als vor zwei Jahren die alte Gasheizung ersetzt werden musste, suchten die Röders nach einer Alternative. „Wir wollen in Zukunft nachhaltig und effizient heizen. Deshalb war schnell klar, dass wir eine Wärmepumpe einbauen“, erklärt Heiko Röder. Er setzt dabei auf ein Modell der Firma Dimplex, das – genau wie er – aus Kulmbach kommt und speziell für die Sanierung geeignet ist. Denn die Röders heizen weiterhin mit klassischen Heizkörpern, für die die Wärmepumpe eine entsprechend höhere Vorlauftemperatur bereitstellen muss.

Der Aufwand für die Installation des neuen Heizsystems hielt sich laut Röder in Grenzen. Es seien lediglich zwei Kernbohrungen durch die Hauswand nötig, um die Leitungen nach hinten ins Gebäude zu führen. Im Haus wurde die alte Gasheizung ab- und eine neue Umwälzpumpe eingebaut, die Verrohrung im Heizungsraum auf den neuesten Stand gebracht, ein neuer 200 Liter Pufferspeicher angeschlossen und für den elektrischen Anschluss ein separater Sicherungskasten installiert. „Die Inbetriebnahme inklusive Elektroarbeiten hat nur fünf Stunden gedauert, die ganze Anlage war innerhalb von drei Tagen ausgetauscht“, erinnert er sich. Die Vorbehalte, die manche Hausbesitzer gegenüber einer Wärmepumpe haben, kennt Röder nur zu gut: „Anfangs war ich selbst skeptisch, ob eine Wärmepumpe für mein Haus überhaupt infrage kommt – schließlich ist es von 1930 und hatte keine Isolierung und alte Fenster. Nachdem wir die Fenster erneuert haben, haben wir uns für die Wärmepumpe entschieden – eine Entscheidung, die sich als absolut positiv herausgestellt hat.“

Klimafreundlich und effizient

Röder hofft, dass er mit seinem Beispiel dazu beitragen kann, Hausbesitzer von dieser klimafreundlichen Heizmethode zu überzeugen. Sie habe sich auch in Sachen Kosten mehr als bezahlt gemacht.

Trotz der vermeintlich schwierigen Voraussetzungen arbeite Röders Wärmepumpe hocheffizient. Dadurch dass die Vorlauftemperatur schrittweise abgesenkt werden konnte, erreicht sie mittlerweile eine Jahresarbeitszahl von fast 4,5. Das bedeutet, aus einer eingesetzten Einheit Energie gewinnt die Heizung im Jahresschnitt 4,5 Einheiten Wärme. Das dena-Fotoshooting bei ihm zu Hause sei jedenfalls eine spannende Erfahrung gewesen, die ihm viel Spaß gemacht habe, sagt Röder. Aber letztlich geht es ihm mit der Aktion vor allem um eines: „Ich will den Leuten zeigen: Wenn eine Wärmepumpe bei mir funktioniert, dann kommt sie mit Sicherheit auch für viele andere in Frage.“