Energiewende Treibstoff aus Gülle und Mist

red

Ein Hochschulprojekt identifiziert ungenutztes Potenzial in landwirtschaftlichen Abfällen. Es zielt auf die Einspeisung ins Gasnetz ab.

Andy Gradel Foto: pr.

Gülle und Mist können helfen, die Energiewende zu beschleunigen. Die landwirtschaftlichen Abfälle haben ein enormes Energiepotenzial und verringern bei entsprechender Nutzung den Ausstoß von Treibhausgasen – weil es so zu keinerlei Methanemissionen auf dem Feld mehr kommt. Ein Nebennutzen ist die deutlich geringere Geruchsemission in den Ausbringungszeiten. Wasserstoff aus Gülle und Mist ist wie Biomethan CO2-negativ und schnell wirtschaftlich herstellbar – zwei Drittel der Reststoffvorkommen aus der Tierhaltung werden in Deutschland aber noch nicht genutzt.

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2022 beschloss das Hofer Unternehmen BtX energy GmbH laut einer Pressemitteilung mit dem consulting.hoch.franken, einer engagierten Studenteninitiative der Hochschule Hof, die ungenutzten Reststoffe aus der Tierhaltung in Hochfranken in einer Potenzialstudie zu erheben. Dabei wurden fast 100 Gigawattstunden nachhaltige Energie aus der regionalen Tierhaltung – meist aus Familienbetrieben – ermittelt, die heute noch als Methan in die Atmosphäre verpuffen. Energie, die für den Betrieb von über 300 durchschnittlichen Linienbussen ausreichen würde. „Wir haben uns hier einem ganz neuen Themenbereich gewidmet und sind verblüfft, wie viel regionales Potenzial in Zeiten der Energiekrise noch ungenutzt bleibt“, erklärt Emma Oertel von consultig.hoch.franken.

Aufwendige Datenerhebung

Fast zwei Jahre hat die Erhebung gedauert – weil man nicht damit gerechnet hatte, dass die zeitaufwendige postalische Abfrage der Vorkommen nicht zielführend war und man sich eine neue Datenerhebung überlegen musste. Die Arbeitsgruppe rief wirklich jeden Betreiber einer Biogasanlage in der Region an. Zunächst musste man sie ausfindig machen. Bei der Auswertung hat Thomas Seibert, nun abgeschlossener Techniker der Fachschule für Technik in Hof, im Rahmen einer Projektarbeit mit angepackt.

Tierbestand sinkt

Über den Bearbeitungszeitraum zeigte sich, dass die regionale Tierhaltung offenbar stärker bedroht ist, als die Akteure dachten: Hatte man in älteren Tierbestandsdaten über etwa 150 Gigawattstunden Potenzial gesprochen, sind durch die aktualisierten Daten die Werte drastisch gesunken. Zwischen den Datenerhebungen liegen nur sechs Jahre. „Es gilt jetzt zu handeln, um die regionale Tierhaltung durch Kombination mit nachhaltiger Energieversorgung zu halten“, sagt BtX-Geschäftsführer Andy Gradel, der als stellvertretender Leiter des Instituts für Wasserstoff- und Energietechnik der Hochschule Hof für den 4. März eine Veranstaltung für die regionalen Landwirte plant. Die Anmeldung dafür läuft über die Webseite der Hochschule.

Die Konvertierung von Gülle und Mist in Wasserstoff erfolgt durch Dampfreformierung. So könnten rund 1700 Tonnen Wasserstoff gewonnen werden. Das entspricht fast zweimal der heutigen Kapazität der Elektrolyseanlage in Wunsiedel. Im Wasserstoff bleiben von der Energie im Biogas rund 60 Prozent bestehen, jedoch sind die Fahrzeuge deutlich effizienter. Man könnte Biomethanfahrzeuge auf den Landstraßen bewegen und in den Städten lokal emissionsfreie Wasserstoffbusse, die beim Bremsen Energie zurückgewinnen. Die Effizienz ist identisch.

Das Hochschulprojekt zielt auf die Einspeisung ins Gasnetz ein, um die regionale Industrie nachhaltig zu versorgen. Klar ist, dass man nicht jedes Gramm auch für die Nutzung erreichbar machen kann. Die Studie soll jedoch die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für diese Potenziale erhöhen und zumindest zu einer höheren Ausschöpfung führen. Die Studie ist abrufbar unter: https://btx-energy.de/projekte/potenzialstudie-hochfranken/