Er deckte Skandal auf Der Whistleblower von Emtmannsberg

Stefan Joachim vor der Raiffeisenbank, in der er die Ungereimtheiten seines Vorstands erkannte und öffentlich machte. Foto: Archiv/Otto Lapp

Ein Angestellter, ein Untergebener, brachte den Fall ins Rollen. Stefan Joachim entdeckte, dass die Kasse der Raiffeisenbank Emtmannsberg nicht stimmt und prüfte sie. Seine Anzeige brachte Bankvorstand Stefan L. zu Fall. 36 Untreue-Handlungen legt die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Hof dem Ex-Bankvorstand zur Last.

Emtmannsberg - Stefan Joachim wollte seine Rolle nicht an die große Glocke hängen, Kurier-Chefreporter Otto Lapp brachte ihn zum Reden: 2017 kam der junge Mann als Anlagespezialist zur Emtmannsberger Bank, merkte schnell, dass der uneingeschränkte Herrscher hier ein Mann war: Stefan L. Sein Untergebener Stefan Joachim bekam mit, dass der Chef die Kasse „glättete“, dass Belege entweder fehlten oder dann wie von Zauberhand auftauchten, dass Geld aus den Automaten der Bank entnommen worden war, dass dubiose Einzahlungen auf das Konto einer Angehörigen des Vorstands eingingen.

Der Angestellte fragte sich lange: „Was tun, liege ich mit meinem Verdacht richtig?“ Heimlich machte er sich an eine Buchprüfung, fand gefälschte Belege und offenbarte seine Beweise anonym in einem Schreiben an die Bankenaufsicht Bafin.

Stefan Joachim sagt, er sei infolgedessen rausgeschmissen worden. Er erstritt sich eine Abfindung, jedoch: Sein Anwalt veruntreute das Geld. Haftbar  gemacht werden kann der Jurist nicht. Er starb plötzlich.

Die Prüfer

Aufgrund der anonymen Anzeige von Bankmitarbeiter Stefan Joachim kamen unangemeldet Wirtschaftsprüfer des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) in die Bank. Sie fanden zunächst keine Belege für den Verdacht gegen Stefan L., ließen aber nicht locker. Die nächste Prüfung erhärtete den Verdacht. L. kam kurzzeitig in Untersuchungshaft, unterschrieb sein Schuldanerkenntnis.

Schon in den Jahren zuvor hatten Prüfer oder auch externe Geschäftspartner, etwa bei der Bundesbank, ein „Gefühl“, dass Ungereimtheiten vorliegen könnten – doch Stefan L. konnte sich stets herausreden. Wie sich im Lauf der Ermittlungen zeigte, konnte der Vorstand vermutlich auch deshalb so lange agieren, weil er über mehrere Kameras in der Bank stets wusste, wer sich wo aufhielt. So soll er in der Lage gewesen sein, unentdeckt Geld aus dem Tresor zu entnehmen oder gefälschte Belege in die Bücher zu schmuggeln.

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