In Mülltonne Totes Baby: 18-Jährige unter Verdacht

Der Schock in Heinersreuth sitzt tief, vor allem bei den Bewohnern des Wohnhauses, in dem am Montagnachmittag im Müllcontainer die Leiche eines Säuglings gefunden wurde. In Verdacht steht eine 18-jährige Frau aus Bamberg. Kind war etwa drei Tage alt. Ob Totgeburt oder Tötung, steht noch nicht fest.

Heinersreuth - Die junge Frau war zu Besuch bei einem Freund. Nicht ihr Freund, „ein Freund“, sagt ein Bewohner des Mietshauses in Heinersreuth. Von ihrer Schwangerschaft wusste niemand. „Man wusste es nicht so genau.“ Die junge Frau sei nicht korpulent gewesen, sie nahm nur immer mehr zu.

Irgendwann am Ende vergangener Woche, Freitag oder Samstag, muss sie unbemerkt entbunden haben. Am Montag soll ihr Freund, bei dem sie seit etwa einem Jahr nicht mehr zu Besuch war, einen grauen Müllsack die Treppe runter an den Unterstand mit den Mülleimern bringen. Ihm fiel auf, dass der graue Sack ungewöhnlich schwer war. Eine andere Bewohnerin wollte daraufhin in diesen Sack schauen. Und sie kippten den Deckel des großen Containers nach vorne und entleerten den Sack. Vor ihnen das frisch geborene Kind, etwa drei Tage alt, noch mit Blut bedeckt, in Embryonalstellung. Noch am Abend standen die Bewohner unter Schock, es flossen Tränen. Sie nahmen es aus dem Müllcontainer und legten es vorsichtig auf den Boden.

Gegen 12.30 Uhr, so die Polizeimeldung am Montagabend, fand eine Zeugin vor dem Mehrfamilienhaus den Leichnam eines Neugeborenen in einem Abfallbehältnis und wählte den Notruf. „Weggeworfen“, sagt eine Angehörige.

Die Kriminalpolizei Bayreuth hat zusammen mit der Staatsanwaltschaft Bayreuth die Ermittlungen übernommen. Noch am Nachmittag waren die Beamten bei der Tankstelle des Ortes und im Supermarkt, sie suchten nach Aufnahmen der Überwachsungskameras, die sie nach Spuren durchsehen wollten. Zur Klärung der genauen Todesursache ordnete die Staatsanwaltschaft die Durchführung einer rechtsmedizinischen Untersuchung an. Zudem führten Spezialisten der Kriminalpolizei Bayreuth Spurensicherungsmaßnahmen am Einsatzort durch. Auch die Wohnung des Freundes, bei der die junge Mutter war, ist noch versiegelt. Ebenso ist es der Unterstand für die Mülltonnen. „Das Müllhaus wurde von der Polizei versiegelt“, steht dort auf einem Pappschild, „öffnen und betreten ist verboten.“

Das Fachkommissariat bei der Bayreuther Kriminalpolizei nahm in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Bayreuth die Ermittlungen auf. Nach Informationen dieser Zeitung ist die Mutter bereits ausfindig gemacht worden. Ob sie in Gewahrsam oder in Behandlung ist, dazu schweigt die Polizei. Ebensowenig stehen ihre Motive fest. Noch steht auch nicht fest, ob es eine Totgeburt war oder ob die junge Frau ihr Baby noch lebend in den Müllsack gelegt hat. Dies soll eine Obduktion klären.

Anwohner hatten im Gedenken an das Kind Kerzen aufgestellt. Der Pfarrer brachte Blumen. Er war am Abend auch vor Ort, um an der Fundstelle mit den Bewohnern des Hauses für das tote Baby zu beten.

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