Ernährung mit Protein Studie: So soll Intervallfasten noch effektiver sein

Bettina Hartmann
Intervallfasten kann beim Abnehmen helfen. Foto: imago/Westend61/Sandra Roesch

Was bringt das Intervallfasten? Dazu gibt es viele Meinungen – und es werden auch immer wieder Studien veröffentlicht. Nun wollen Forscher herausgefunden haben, dass die Fastenform in Kombination mit Eiweiß besonders effektiv ist.

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Abnehmen – und das Gewicht dann auch halten: Das soll durch das Intervallfasten besser funktionieren. Der Fastenform werden generell positive Effekte auf die Gesundheit nachgesagt. Es gibt viele Meinungen sowie persönliche Erfahrungen dazu. Immer wieder werden auch wissenschaftliche Studien zum Thema veröffentlicht.

Nun wollen Forscher herausgefunden haben, dass das Intervallfasten in Kombination mit dem so genannten Protein-Pacing, bei dem man in regelmäßigen Abständen kleinere Mengen an Eiweiß zu sich nimmt, Übergewichtigen noch besser beim Abnehmen helfen soll. Doch wie verlässlich ist die Studie samt ihren Ergebnissen?

Intervallfasten: Nur 41 Studienteilnehmer

Klar ist: An der Studie einer Forschungsgruppe um Paul J. Arciero von der Arizona State University in den USA, die nun im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen ist, nahmen 41 Übergewichtige teil. Während des Studienzeitraums von acht Wochen setzte die Hälfte auf Intervallfasten – und zwar mit so genanntem Protein-Pacing. Dabei wird die Eiweiß-Aufnahme über den ganzen Tag verteilt, um den Körper stetig mit kleinen Mengen Protein zu versorgen. Die andere Hälfte bekam mediterrane, kalorienreduzierte Kost.

Wer sich nach der Intervallfasten-Methode samt Protein-Pacing ernährte, nahm laut der Studie im Durchschnitt etwa drei Prozent des ursprünglichen Körpergewichts mehr ab als die Kontrollgruppe. Es sei zudem zu weniger gastrointestinale Problemen gekommen, so die Forscher. Darüber hinaus sei eine Zunahme von Darmbakterien festgestellt worden, die mit Gewichtsabnahme im Zusammenhang stehe.

Experten über Kritik an der Methode

Genaue Mechanismen und Kausalitäten zwischen den Diäten konnten die Forscher aber nicht zeigen. Unabhängige Experten kritisieren das Studiendesign und eine mangelnde Aussagekraft der Ergebnisse, vor allem hinsichtlich möglicher Ernährungsempfehlungen. „Die Zahl der Probanden ist relativ gering. Für sehr grundlegende medizinische Daten wie Körpergewicht oder Routineblutwerte ist das kaum aussagekräftig“, sagt Stefan Kabisch, Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité in Berlin.

Auch Christian Sina, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, bemängelt, dass es sich um ein kleines, ausgesuchtes Studienkollektiv gehandelt habe. „Zum Beispiel haben die Probanden trotz ihres Übergewichts anscheinend keinen Bluthochdruck, was sehr untypisch ist.“ Auch der Zeitraum von acht Wochen sei „ungewöhnlich kurz“. Welche Komponente welche Wirkung hervorgerufen habe, sei unklar. Die Gewichtsreduktion könne Folge, Ursache oder gleichgültiger Begleiter verschiedenster Faktoren sein. Klinisch relevante Verbesserungen des Stoffwechsels seien kaum messbar, mögliche Verschlechterungen innerhalb von acht Wochen aber auch kaum zu erwarten.

Forscher: Intervallfasten nicht überlegen

„Intervallfasten zeigte in den meisten bisherigen Studien eine mit anderen Diäten vergleichbare, aber nicht überlegene Gewichtsreduktion. In mehreren Studien resultierte die Gewichtsreduktion zudem auf einem starken Verlust an Muskelmasse statt Fettmasse“, schlussfolgert Kabisch. Das sei in dieser neuen Studie allerdings anders: „Die Probanden nahmen stärker ab, vor allem Fettmasse.“

Der Mechanismus dahinter sei unklar, aber definitiv von Interesse. „Am wahrscheinlichsten ist der hohe Proteinanteil ursächlich, nicht das Intervallfasten.“Denn: Das proteinreiche Intervallfasten „scheint bei gleicher Kalorienzufuhr satter zu machen als die Vergleichsdiät“, so Kabisch weiter, der an der Charité zu Ernährungsthemen forscht. Christian Sina ist der Ansicht, dass die Schlussfolgerung, „dass Intervallfasten mit vielen Proteinprodukten gesünder ist als eine kalorienreduzierte mediterrane Diät“ wissenschaftlich unzulässig ist.

Was ist Intervallfasten?

Doch um was handelt es sich beim Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, eigentlich? Es ist eine Fastenform, der verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen auf den Stoffwechsel zugeschrieben werden. Bei der Methode fastet man zu bestimmten Zeitintervallen, in anderen isst man normal. Dadurch könne der Körper auf natürliche Weise regenerieren, so die Ansicht vieler.

Wie geht das?

Beim Intervallfasten verzichten die Fastenden tage- oder stundenweise auf Nahrung. Es gibt verschiedenste Formen. So kann man zum Beispiel das Frühstück oder das Abendessen ausfallen lassen, damit man auf die benötigten Stunden ohne Essen kommt. Im Gegensatz zum Heilfasten darf man aber Nahrung zu sich nehmen bzw. soll das sogar. Währen Heilfasten über einen gewissen, kurzen Zeitraum praktiziert wird, geht es beim Intervallfasten um eine dauerhafte Umstellung.

Welche Formen gibt es?

Die bekanntesten Formen sind die so genannte 5:2-Diät, die 16:8-Methode sowie das so genannte alternierende Fasten. Bei 5:2 ist an fünf Tagen in der Woche erlaubt, normal zu essen. An den beiden anderen Tagen isst man deutlich weniger. Bei 16:8 ist nach der Nahrungsaufnahme eine Pause von 16 Stunden bis zum nächsten Essen einzuhalten. Am besten lässt man eine Mahlzeit ganz ausfallen – das Frühstück oder das Abendessen.

Beim alternierenden Fasten isst man einen Tag normal, am nächsten Tag nimmt man nur etwa 25 Prozent der sonst üblichen Energiemenge zu sich. Man wechselt bei dieser Variante also zwischen normalen und Fastentagen. Zudem sollte man an den Fastentagen mindestens 14 Stunden Essenspause einhalten.

Bilder