Erste Niederlage Selb verzweifelt an „Hexer“ Hane

In dieser Szene jubelten die Wölfe schon über den vermeintlichen Ausgleich, doch der überragende Krefelder Keeper Hendrik Hane kratzte die Scheibe gerade noch von der Linie. Foto: Mario Wiedel/Mario Wiedel

Die Wölfe verpassen die nächste Überraschung in der DEL2 nur ganz knapp. Sie spielen den DEL-Absteiger aus Krefeld förmlich an die Wand, bringen die Scheibe aber nicht hinter die Linie – und verlieren mit 0:1.

„Ich habe selten ein Spiel gesehen, in der eine Mannschaft so unterlegen war wie wir heute, und die doch gewonnen hat.“ Das, was am Freitagabend ein schon etwas betagter Krefelder Fan nach dem Spiel der Wölfe gegen den DEL-Absteiger gesagt hat, dachte sich wohl jeder der knapp 1600 Zuschauer in der Netzsch-Arena. Über die gesamten 60 Minuten kontrollierten die Waßmiller-Schützlinge die Partie, sie spielten die Pinguine über weite Strecken förmlich an die Wand – und standen am Ende doch mit leeren Händen da. Mit 0:1 (0:1, 0:0, 0:0) kassierten die Wölfe die erste Niederlagen dieser noch jungen DEL2-Saison, sie wurden nach einer starken Vorstellung von den Anhängern aber mit viel Beifall und aufmunternden Sprechchören in die Kabinen verabschiedet. Auch Trainer Sergej Waßmiller war – abgesehen vom Ergebnis – mit der Vorstellung seiner Mannschaft sehr zufrieden. „Die Laufbereitschaft, die Einstellung und der Teamgeist waren heute wieder enorm. Leider haben wir keinen Weg gefunden, um den Krefelder Torwart zu überwinden.“

Nur einmal Unachtsam

Ob die lange Busfahrt eine Ausrede für die überraschend harmlose und schwache Vorstellung der Gäste war? Früher – also in der DEL – ging es jedenfalls aus dem Bus erst ins Hotel und am anderen Tag aufs Eis. Das ist nun anders. „Es ist für mich völlig neu, erst am Spieltag anzureisen“, sagte Torjäger und Ex-Nationalspieler Marcel Müller vor dem Spiel im etwa 550 Kilometer entfernten Selb der Rheinischen Post. Auch etwa 25 Anhänger aus dem Rheinland hatten sich auf den weiten Weg ins Fichtelgebirge gemacht – und durften sich in der ersten Drittelpause über eine sehr schmeichelhafte 1:0-Führung ihrer Mannschaft freuen. Die Wölfe hatten wenig Respekt gezeigt vom DEL-Gründungsmitglied und starteten – lautstark unterstützt von rund 1600 Fans – gut in die Partie. Mit ihrer ersten Möglichkeit gingen aber die Gäste nach acht Minuten in Führung. Sie nutzten einen Moment der Unachtsamkeit in der Wölfe-Defensive gnadenlos aus. Ein Pass von hinter dem Tor erreichte den freistehenden Magwood, der eiskalt zum 0:1 abschloss.

Die Wölfe steckten den ersten Rückstand in der noch jungen Saison schnell und gut weg und erspielten sich bis zur ersten Pause noch zahlreiche Möglichkeiten, scheiterten aber wiederholt am überragenden 22-jährigen Hendrik Hane, der eigentlich für die Düsseldorfer EG (DEL) lizenziert ist und in Selb mit einer Förderlizenz erstmals im Krefelder Tor stand. Auch das zweite Drittel gehörte den Wölfen, die ihre Gäste phasenweise regelrecht einschnürten in deren eigenem Drittel. Einzig die Scheibe wollte einfach nicht rein ins Tor.

Beifall auf offener Szene

Bei den ganz seltenen Krefelder Kontern arbeiteten die Waßmiller-Schützlinge gut nach hinten, ließen kaum Torschüsse zu. Die Zuschauer waren hochzufrieden mit ihrer Mannschaft, spendeten Beifall auf offener Szene. Nur die Tore fehlten eben. Auch im ersten Powerplay (34. Minute) blieb das Pinguine-Gehäuse wie vernagelt. Nach 36 Minuten entluden sich erstmals die Emotionen auf beiden Seiten. Zunächst geriet Miglio mit einigen Krefeldern aneinander, dann schickte der dazwischengehende Deeg im Faustkampf den Krefelder Krrymskiy unter dem Jubel der Selber Fans auf die Bretter. Insgesamt drei Krefelder und vier Wölfe fanden sich in der Kühlbox wieder – Überzahl also für die Gäste, die aber von den Hausherren gut verteidigt wurde. In der Schlussphase des zweiten Drittels hatten die Wölfe noch zwei Hochkaräter auf dem Schläger, aber weiter kein Glück.

Im Schlussabschnitt spielten die Wölfe zunächst satte sechs Minuten in Überzahl, kurze Zeit sogar mit fünf Feldspielen gegen drei Krefelder. Und da brannte endlich auch Torjubel auf in der Netzsch-Arena, doch die Schiedsrichter entschieden sofort auf kein Tor – und blieben auch nach dem Videobeweis bei ihrer Entscheidung. Die Scheibe hatte die Torlinie noch nicht überschritten. Selb rannte weiter an, spielte teilweise Katz und Maus mit dem DEL-Absteiger, verzweifelte aber bis zur Schlusssirene an Hexer Hane oder der eigenen Abschlussschwäche. „Dieses Spiel hätten wir niemals verlieren dürfen nach so einer brutal starken Leistung“, sagte Wölfe-Fan Dominik Tennert. Nicht nur er hofft darauf, dass wenigstens das zweite Spiel an diesem Wochenende wieder den ein oder anderen Punkt bringt: Am Sonntag, 17 Uhr, müssen die Wölfe bei den Bayreuth Tigers antreten. Ein Sieg wäre Balsam für die Seele.

Selber Wölfe: Bitzer (Weidekamp) – Trska, Deeg; Martinovic, Flade; Silbermann, Schaaf, Gimmel – Miglio, Thompson, McNeill; Gelke, Vantuch, Schwamberger; Hammerbauer, Kruminsch, Hlozek; Kuqi, Noack, Naumann.

Krefeld Pinguine: Hane (Bittner) – Zerressen, Tiffels; Mayr, Riefers; Bappert, Söll; Dobryskin – Magwood, Mouillierat, Müller; Weiß, Koch, Krymskiy; Niederberger, Lewandowaski, van der Ven; Shatsky; Fischer, Miller.

Schiedsrichter: Schütz, Six. – Zuschauer: 1554. – Tore: 8. Min. Magwood (Mouillierat, Müller) 0:1. – Strafminuten: Selb 6 + 5 für Deeg, Krefeld 12 + 5 für Krymskiy.

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