Rechte Politiker hatten nach eigenen Angaben früh deutlich gemacht, dass es für ihre Unterstützung Bedingungen gibt. Die rechtspopulistische Abgeordnete Marieke Ehlers sagte der dpa, sie habe wissen lassen, dass sie nur mitmache, wenn sie sich aktiv in den Prozess einbringen könne. "Ich werde nicht einfach auf der gepunkteten Linie unterzeichnen", sagte die Politikerin der vom radikal-rechten Populisten Geert Wilders gegründeten niederländischen Freiheitspartei (Partij voor de Vrijheid).
Zu vertraulichen Chats wolle sie sich nicht äußern, sagte Ehlers. Auch die AfD-Politikerin Khan sowie der EKR-Politiker Charlie Weimers teilten auf dpa-Anfrage mit, interne Kommunikation nicht kommentieren zu wollen.
EVP-Politiker treffen rechte Fraktionen
Kurze Zeit nach der Gründung der WhatsApp-Gruppe fand dann am 4. März ein persönliches Treffen der vier Abgeordneten von ESN, EKR, PfE und EVP statt, die über das Gesetz verhandelten. Dies sind der französische EVP-Politiker François-Xavier Bellamy, die AfD-Europaabgeordnete Khan sowie Ehlers von den PfE und Weimers von der EKR. Gemeinsam erarbeiteten sie einen Gesetzesvorschlag für die kommende Abstimmung.
Nach der Einigung heißt es in der WhatsApp-Gruppe: "Vielen Dank für diese hervorragende Zusammenarbeit." Mitarbeiter der EVP reagieren mit dem Emoji für Klatschen.
Ein EVP-Sprecher sagte auf Anfrage der dpa, an dem von der EVP eingebrachten Text habe es keine wesentlichen Änderungen gegeben. Er basiere auf dem Vorschlag der Europäischen Kommission und sei um wichtige Aspekte der Position der Regierungen der Mitgliedstaaten erweitert worden. "AfD-Abgeordnete spielen weder für die Mehrheit noch für die Positionierung irgendeine Rolle. Sie sind irrelevant", fügte er hinzu.
Dobrindt warb für Gesetzesvorschlag
Dass im Ausschuss eine Mehrheit gefunden werden konnte, gilt als Durchbruch bei der Frage, ob die EU-Staaten bald "Return Hubs" in Drittstaaten einrichten könnten. Die Abstimmung im gesamten EU-Parlament voraussichtlich in wenigen Wochen gilt nun als Formsache - ebenso wie die noch notwendigen Gespräche mit dem Rat der Mitgliedstaaten. Die vorgeschlagene Rückführungsverordnung sieht vor, dass ausreisepflichtige Asylbewerber, die nicht direkt in ihre Heimat- oder Herkunftsländer abgeschoben werden können, stattdessen in Auffangzentren außerhalb der EU gebracht werden sollen.
Besonders Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wirbt für das Konzept. Es soll das europäische Asylsystem entlasten. Die Bundesregierung hat für die Einrichtung von "Return Hubs" nach eigenen Angaben mit vier weiteren EU-Ländern einen groben Fahrplan erarbeitet. Kritiker sehen durch das Vorhaben die Grundrechte von Flüchtlingen gefährdet.
Deutsche Brandmauer-Debatte
Das Bekanntwerden der Zusammenarbeit mit den Rechten könnte das Projekt nun belasten. CSU-Chef Markus Söder und CDU-Chef Friedrich Merz hatten sich in der Vergangenheit wiederholt gegen jegliche Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen. Zuvor hatte es mehrfach heftige Debatten gegeben, unter anderem, nachdem die Union im Bundestag Anfang 2025 versucht hatte, eine Verschärfung der Migrationspolitik durchzudrücken. Ein Antrag erlangte dabei nur eine Mehrheit, weil auch die AfD zustimmte.
Die SPD verlangte nach der Enthüllung über die Kontakte zwischen EVP-Fraktion und rechten Parteien im Europaparlament Aufklärung. Das Vorgehen der EVP wäre ein skandalöser Vorgang, teilte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf mit. Weber müsse sich erklären.
EU-Abgeordnete aus Deutschland kritisieren scharf
Auch EU-Abgeordnete reagierten empört. Der Delegationsleiter der deutschen Grünen im Europaparlament, Erik Marquardt, sagte der dpa: "Rechtsextreme in demokratische Prozesse einzubinden, wird der Anfang vom Ende der liberalen Demokratien in Europa sein." Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann sprach von einem schweren politischen Fehler.
Unklar ist, ob die EVP bereits in der Vergangenheit so eng mit den rechten Fraktionen kooperierte. In der Migrationspolitik gab es Ende des vergangenen Jahres eine Abstimmung zur Auslagerung von Asylverfahren - auch hier stimmte eine rechte Mehrheit dafür. Mit der Unterstützung rechter und rechtsextremer Parteien ebnete die EVP zudem den Weg für eine Abschwächung des Lieferkettengesetzes.