Ohne Wasser kein Leben. Auch in Oberfranken sind in den letzten Sommern Quellen versiegt und Bäche ausgetrocknet. Was ist zu tun? Eine Expertin gibt Antworten.
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Verena Bagehorn: Die Sorge ist berechtigt. Es ist damit zu rechnen, dass extreme Abflüsse in unseren Flüssen und Bächen zunehmen werden. Das heißt vermehrt Starkregen einerseits, aber auch längere und häufigere Trockenperioden andererseits. Wie sich das entwickeln wird, lässt sich aber natürlich nicht bis in jedes Detail voraussagen.
Geht der Trend weiter, der heißt: Es bildet sich zu wenig neues Grundwasser?
Die Entwicklung gibt es nun seit 20 Jahren. Das und die langen Trockenperioden führen uns deutlich vor Augen, dass wir künftig noch besser auf den sparsamen Umgang mit unserem Wasser achten müssen.
Gewässer sind nicht nur für den Menschen wichtig. Sie sind auch Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Wie sieht es mit den Lebensbedingungen in heimischen Gewässern aus? Wie ist deren Zustand?
Die Europäische Union hat im Dezember 2000 eine Richtlinie erlassen. Oberstes Ziel ist es, für die Gewässer den sogenannten guten Zustand zu erreichen. Zur Bewertung der Gewässer werden fünf Qualitätskomponenten überprüft und mit Schulnoten von 1 bis 5 bewertet. Die geben einen guten Überblick, wie die Nährstoffbelastung in einem Gewässer ist, ob sauerstoffzehrende Stoffe vorliegen oder ob es Defizite bei der Gewässerstruktur gibt.
Wo liegen die Defizite?
Das hängt zum Beispiel an der Gewässerstruktur. Dazu gehören unter anderem begradigte Gewässer, stark befestigte Abschnitte, fehlende Vernetzung mit der Aue oder Defizite bei der Durchgängigkeit, aber auch durch Nährstoff- und Sedimenteintrag.
Welches sind die größten Probleme?
Oft stören Hindernisse oder naturferne Uferbefestigungen die natürliche Flussdynamik. Fische und Kleintierlebewesen kommen dann oft nicht durch. An monotonen, begradigten Gewässerabschnitten fehlen Rückzugs- und Lebensräume. Das gilt zum Beispiel für die Bachforelle oder Libellenlarven.
Was bedeutet das für uns?
Man muss tatkräftig viele Maßnahmen umsetzen, insbesondere an den kleinen Gewässern. Davon gibt es viele. In Oberfranken machen sie über 80 Prozent aus. Diese kleinen Gewässer ökologisch zu entwickeln und dabei alle notwendigen Beteiligten, wie Grundstückseigentümer oder Naturschutzverbände einzubeziehen, stellt die Kommunen oftmals vor eine enorme Herausforderung. Es fehlt da an personellen Ressourcen und manchmal auch am Fachwissen. Viele befürchten auch hohe Kosten.
Was hilft dagegen?
Das Pilotprojekt „Auf zu lebenswerten Bächen“ existiert genau deshalb: Um Kommunen bei der naturnahen Gewässerentwicklung zu unterstützen.
Welches sind die dringendsten Maßnahmen für den Lebensraum Bach?
Vielerorts trifft man auf ähnliche Probleme: nicht durchgängige Durchlässe, die als Überfahrt genutzt werden oder begradigte Abschnitte, deren Ufer massiv befestigt sind und so jede Eigendynamik unterbinden. Genau hier können schon kleinere Eingriffe Verbesserungen bewirken. So kann man eine überflüssige Überfahrt abbauen oder Wurzelstöcke oder Störsteine einbringen. Solche Sachen werden zum Teil mit bis zu 90 Prozent gefördert. Darüber hinaus ist es wichtig, Einträge von Sedimenten zu reduzieren. Dies kann durch das Anlegen von Gewässerrandstreifen geschehen. Wenn dort typischer Uferbewuchs aufkommen kann, wird durch den Schatten der Pflanzen in heißen Sommern ein Aufheizen verhindert und die Verdunstung gemindert.
Was kann jeder Einzelne tun, um Gewässer zu schützen und sie als Lebensadern in der Landschaft zu erhalten?
Für jeden ist ein bewusster Umgang mit Wasser notwendig. Wir müssen Wasser als kostbarstes Gut schützen und dürfen es nicht verschwenden. Kläranlagen können unser Abwasser zwar weitestgehend reinigen, doch gibt es Stoffe, die ins Gewässer gelangen können, wie Medikamentenrückstände oder Mikroplastik. Deshalb gehören Medikamente oder Farbreste nicht in die Toilette.
Und im eigenen Garten?
Oft wird im Sommer, wo ohnehin alles knapp ist, noch Wasser zum Gießen von Rasen oder Pflanzen aus den Gewässern entnommen. Das setzt dem Ökosystem zusätzlich zu. Wassersparen fängt mit dem Sammeln von Regenwasser an. Es gibt dabei aber viele weitere Möglichkeiten, bewusst mit unserem Trinkwasser umzugehen. Da ist natürlich die gesamte Gesellschaft gefordert – also auch Industrie und Landwirtschaft.