Facebook Dubiose Veranstalter werben mit Open Air

Das erste Untreusee-Open-Air der Frankenpost im Sommer 2019. Im Moment kann man nur in Erinnerungen schwelgen, denn die Frankenpost hat aktuell keine solche Veranstaltung geplant. Facebook-Events, die damit werben, haben mit der Frankenpost nichts zu tun. Foto: F/rank Wunderatsch

Auch wenn sich viele danach sehnen: Die Frankenpost veranstaltet heuer kein Open Air am Untreusee. Trotzdem laden auf Facebook ­ ­diverse Seiten mit einem geklauten Foto zu einem solchen Event ein. Die Zeitung hat damit nichts zu tun. Internet-Experten ­raten zur Vorsicht.

Hof - Zwei Jahre ist es her, dass Tausende an einem warmen Sommerabend am Hofer Untreusee mit der Frankenpost gefeiert haben. Aus der Open-Air-Premiere sollte eine neue Veranstaltungsreihe werden – doch wegen Corona wurde im vergangenen Jahr die zweite Auflage abgesagt. Und auch dieses Jahr findet kein Open Air am See statt – die Frankenpost hatte zwar darüber nachgedacht, die Idee aber wegen der unsicheren Lage längst verworfen.

Doch nun gibt es Verwirrung. Auf Facebook kursieren mehrere Veranstaltungen zu einem Open Air am Untreusee, die mit einem Bild des Konzerts vor zwei Jahren werben und auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, die Frankenpost würde Anfang Juli wieder dazu einladen. Tausende Facebook-Nutzer haben ihr Interesse angemeldet.

Doch: Die Frankenpost hat mit diesen Veranstaltungen nichts zu tun. Die aktuell vier Open-Air-Veranstaltungen auf Facebook wurden nicht von der Frankenpost erstellt, sondern wohl von Trittbrettfahrern, und sind offensichtlich ein Fake.

„Die Frankenpost veranstaltet dieses Jahr kein Open Air“, stellt Michael Göppel, Marketingleiter der Verlagsgruppe Hof-Coburg-Suhl-Bayreuth, klar. „Es war ja überhaupt nicht absehbar, wie sich Corona entwickelt.“ Auch eine Online-Ausgabe, wie in einem der falschen Events suggeriert wird, sei nicht im Gespräch: Die Frankenpost habe zwar einiges digital angeboten, etwa den Firmenlauf im vergangenen Jahr oder Online-Vorträge. Ein Open Air aber lasse sich nicht ins Digitale übertragen: „Die Atmosphäre am See, ein lauer Sommerabend und ein Cocktail in der Hand – das ist nicht durch das Internet zu ersetzen.“

Gefahr von Datensammelei

Woher kommen dann falsche Events? Tatsächlich sind Fake-Veranstaltungen auf Facebook schon länger verbreitet. Auch dass echte Events von falschen Veranstaltern kopiert werden, kommt häufiger vor. So war Medienberichten zufolge vor einigen Jahren zum Beispiel das Ice­Cream-Festival in München betroffen. Auf Facebook kursierten so viele Fake-Ankündigungen zu einem Eis-Festival, dass den echten Veranstaltern fast keiner mehr geglaubt hat.

Was zunächst nur nach reichlich Verwirrung aussieht, kann aber auch böse Folgen haben. Der Fachmann Hermann Hohenberger, früher beim Digitalen Gründerzentrum und jetzt Programmleiter für Smart Cities beim Landkreis, kennt das Problem. Er warnt, dass auch Betrüger dahinter stecken könnten.

Angebliche Veranstalter orientieren sich laut Hohenberger dann oft an bekannten Events und schaffen es so, großes Interesse zu wecken. Im Falle des angeblichen Untreusee-Open-Airs haben Tausende Facebook-Nutzer auf „Interessiert“ oder „Zusagen“ geklickt. Das Problem: Derjenige, der die Veranstaltung erstellt hat, weiß dann, wer aus der Region sich für Musik und Konzerte interessiert. „Diese Daten lassen sich teuer verkaufen und für gezielte Werbung nutzen“, sagt Hohenberger. Oder schlimmer: Kriminelle könnten den Datensatz verwenden, um Facebook-Nutzer gezielt anzuschreiben oder ihnen Freundschaftsanfragen zu stellen – so etwas ist laut Hohenberger auch manchmal versehen mit Links, hinter denen sich Schadsoftware versteckt. Nach aktueller Kenntnis ist das bei den falschen Untreusee-Events wohl nicht passiert, aber die Gefahr besteht aus Sicht des Experten.

Falsche Veranstalter mit merkwürdigen Telefonnummern

Noch eine weitere Falle lauert: Telefonabzocke. Die dubiosen Veranstalter, die sich „Live music event“ und „Classic music zone“ oder „Worldwide Musical Festival“ und „Live virtual concert online“ nennen, haben auf ihren eigenen Profilen teilweise fragwürdige E-Mail-Adressen und Telefonnummern angegeben, etwa mit Vorwahl aus Belgien oder Bangladesch. Auch Satellitennetze, davor warnen Verbraucherzentralen, könnten hinter solchen Nummern stecken. Auf gar keinen Fall sollte man solche Nummern anrufen – das könnte teuer werden.

Solche Dinge sollten Facebook-Nutzer auch stutzig machen. Hermann Hohenberger weiß aber, dass die Übeltäter die Menschen ganz geschickt ködern: „Sie nutzen zum Beispiel jetzt das Bedürfnis der Menschen aus, endlich mal wieder etwas erleben zu wollen. Open Air, tolles Wetter, endlich wieder unter die Leute, der Reflex, bei so etwas zuzusagen, ist natürlich groß.“

Auf Plattformen wie Facebook hinterlässt man ohnehin bei jeder Nutzung Spuren. Wie Heiko Mettke, Sprecher der Hofer Polizeiinspektion erklärt, sollten User das im Hinterkopf haben. „Manchen Menschen macht das zwar nichts aus, aber bewusst sein sollte man sich der Sache.“ Mettke: „Mit jedem Like oder Interesse an einer Veranstaltung werden Daten generiert, die auch zu Geld gemacht werden könnten. Das sollte man einfach wissen.“

Informationen im Internet prüfen

Sich im Internet mit offenen Augen zu bewegen, dazu rät auch Frankenpost-Chefredakteur Marcel Auermann: „Hier haben wir ein typisches Beispiel, das zeigt, wie wenig vertrauenswürdig einige Informationen auf sozialen Kanälen wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind. Wer sich auf manche Postings verlässt, ist verlassen.“ Der Chefredakteur betont: „Diese Fälle machen deutlich, wie wichtig unabhängige, gründlich recherchierte, wahrheitsgemäße, überprüfte Informationen von ausgebildeten Redakteuren sind.“ In Zeiten, in denen jeder nahezu alles und überall veröffentlichen kann, sei Journalismus wichtiger denn je.

Ein Hoffnungsschimmer aber blitzt auf in all dem Wirrwarr: Denn dass sich Tausende Menschen für ein Open Air am Untreusee interessiert hätten, zeigt auch, wie groß die Sehnsucht ist, wieder unbeschwert feiern zu können. Die Frankenpost will auf jeden Fall auch wieder Veranstaltungen anbieten, versichert Michael Göppel. Es gibt schon erste Ideen, doch im Moment ist noch nichts spruchreif.

Die dubiosen Open-Air-Events wurden inzwischen Facebook gemeldet. Die Frankenpost hat Kontakt aufgenommen zu einer Ansprechpartnerin des Unternehmens. Auch die Polizei befasst sich mit dem Fall.

Wie man gefälschte Veranstaltungen entlarvt

Das Problem an manchen Fake-Events auf Facebook: Auf den ersten Blick sehen sie aus, als wären sie echt. So werben die falschen Open-Airs mit einem geklauten Foto von der Veranstaltung vor zwei Jahren. Einmal wird sogar die Frankenpost als „Standort“ genannt.

Wie also Fakes erkennen? Nicht direkt auf „Teilnehmen“ oder „Interessiert“ klicken, sondern die Infos zur Veranstaltung öffnen. Dann sieht man den Event-Ersteller – in diesem Fall nicht die Frankenpost. Den gesunden Menschenverstand walten lassen: Klingt die Beschreibung zur Veranstaltung seriös oder wirft sie Fragen auf? Fehlen Infos? Sind Rufnummern oder E-Mail-Adressen seriös?

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