Festgottesdienst Gemeinde Lorenzreuth feiert 40 Jahre Kirchenweihe St. Marien

Von Alfons Prechtl
Schon von Weitem erkennbar: die Zeltform der St. Marienkirche in Lorenzreuth. Foto: Alfons Prechtl

Seit 1982 hat der Marktredwitzer Ortsteil ein eigenes richtiges Gotteshaus. Es ersetzte damals einen Betsaal, der einst als Werkhalle gebaut worden war.

Vor 40 Jahren ist die katholische Sankt Marienkirche in Marktredwitz-Lorenzreuth geweiht worden. Am 31. Mai 1982 war dazu der damalige Regensburger Weihbischof Vinzenz Guggenberger in die Filialkirche gekommen. Nun, am Sonntag, 24. Juli, wird dieser Jahrestag um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst vor der Kirche gefeiert.

Räume für die Jugendarbeit

Die Urkunde zur Grundsteinlegung am 30. November 1980 enthält alle wichtigen Informationen zur Entstehung und Bedeutung dieses Gotteshauses. Dort heißt es: „Die Zahl der katholischen Einwohner von Lorenzreuth, die zur Pfarrgemeinde Herz Jesu gehören, war in den letzten 35 Jahren von etwa 100 auf 317 im Jahre 1980 angewachsen; seit 1927 wurde in Lorenzreuth Gottesdienst gehalten in einem Gebäude, das 1885 als Werkhalle erbaut und dann als Betsaal eingerichtet wurde. Der Zustand des Betsaals ließ keine Renovierung mehr zu. Deshalb entschloss man sich, ein neues Gotteshaus mit Räumen für die Jugendarbeit zu errichten.“

Zunächst ging es darum, einen passenden Namen für das neue Gotteshaus zu finden. Man entschloss sich in der Pfarrei Herz Jesu, mehrere Volksabstimmungen durchzuführen. Zur Auswahl standen St. Wolfgang, St. Raphael und St. Marien. Wolfgang hatte man wegen der Nähe zur damaligen Tschechoslowakei gewählt. Das Bistum Prag war von dem Bistum Regensburg durch den Bistumsheiligen Wolfgang abgetrennt worden. St. Raphael zog man in Betracht, weil dieser Heilige als Patron der Reisenden gilt; es war schon damals die Rede davon, dass die B 15 zur Autobahn ausgebaut werden sollte. Schließlich entschied man sich jedoch für St. Marien. Das älteste Andachtsbild im Marktredwitzer Raum zeigt die Heilige Familie mit Josef, Maria und dem Jesuskind. Die Mutterpfarrei trägt den Namen des Heiligen Josef, die Herz Jesu Kirche weist auf das Jesuskind hin und zur Vollständigkeit fehlte noch Maria.

Selbstverständnis der christlichen Gemeinde

„Von der architektonischen Idee her wollten wir ein Gebäude abseits vom Rummelplatz der eitlen Architekturszene errichten, frei vom modischen Strömungen, ein Gebäude für das Selbstverständnis der christlichen Gemeinde“, schreibt Architekt Hans Nickl, ein gebürtiger Lorenzreuther. Im Auftrag der Kirchenverwaltung Herz Jesu führte die Baufirma G.+H. Rupprecht aus Lorenzreuth unter der Leitung von Architekt Ludwig Fröhlich und Polier Siegfried Schubert das Bauwerk aus. Die Last der Verantwortung trugen Pfarrer Norbert Demleitner, Kirchenpfleger Oswald Karban, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Helmut Siebeneichler und Josef Lindner, Pfarrgemeinderatsmitglied aus Lorenzreuth.

Die Kirche ist ein Zentralbau, der sich nach oben öffnet, der Menschen zur einer Gemeinschaft zusammenführt und zugleich den Blick weitet und frei macht. In Altar, Ambo und Tabernakel hat die Kirche feste, unumstößliche Blick- und Mittelpunkte. Das Licht fällt von oben über das mittige Lichthaus in den Raum hinein, wodurch die Konzentration bei der Feier nicht vom äußeren Geschehen beeinflusst wird. Der Architekt spricht von einem „Kirchenzelt, das so geplant ist, dass es nach oben in den Wolken entschwindet“.

Von ortsansässigen Handwerkern

Die Kirche wurde größtenteils von ortsansässigen Handwerkern gebaut. Die Schlichtheit lässt sich in der Wahl der verwendeten Materialien ablesen, die durchweg aus der Region stammen. So wurde für den Fußboden ungeschliffener Sandstein verwendet. Die Wände zeigen grob verriebenes Putzmauerwerk, die Deckenuntersichten überlukte Fichtenbrettschalung; die unterspannte Konstruktion besteht aus einfachen Stahlstäben, das Kirchengestühl und die Einbauten aus Fichtenholz.

Von übergeordneter Wichtigkeit, so der Architekt weiter, war der Name der Schutzpatronin der Kirche St Marien. Eine Säule aus Fichtenholz, durch vergoldetes Blech veredelt, trägt die Marienfigur, die aus dem alten Betsaal stammt.

Glasbilder aus dem Marienleben

Blickfang in der Kirche sind die Glasmalereien aus dem Marienleben, die eine Bildergeschichte erzählen. Sie stammen von der Künstlerin Maria Barth aus Marktredwitz, die den Zyklus auf Bitten von Pfarrer Norbert Demleitner anfertigte. Die Scheiben wurden bei der Schleifmittel-Fabrik Sebald aus Marktredwitz gebrannt. Verwendet wurden die transparenten Glasfarben der Firma He-reus aus Hanau. Die Malerei wurde im Sommer 1989 vollendet. Das Thema des Zyklus ist die Rolle Marias im Erlösungswerk Gottes, gegliedert in vier Kapitel. Höhepunkt ist im Süden die Kreuzigung Jesu mit Maria, die unter dem Kreuz steht. Die Kreuzabnahme und die Grablegung leiten über zum Morgen der Auferstehung, eingetaucht in strahlende Gelb- und Rottöne des Ostergeschehens.

In einem Beitrag zum zehnjährigen Bestehen der Kirche listet der damalige Rektor Alfons Koller eine Reihe von Tagesgeschehen auf. Er schreibt unter anderem: „In wenigen Wochen jährt sich der Einmarsch der Sowjets in Afghanistan. Die vom Wester erhobenen Proteste und beschlossenen Boykottmaßnahmen lassen die Herrn im Kreml unbeeindruckt.“

 

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