Festspielstadt Wunsiedel Endlich wieder Brunnenfest

Die Brunnengemeinschaften, wie beim Brunnen in der Feldstraße arbeiten, derzeit an der Ausgestaltung ihrer Wasserspender. Foto: /Archiv Christian Schilling

Am Wochenende feiern die Wunsiedler einen ihrer traditionsreichsten Tage. Nach zwei Jahren der Entbehrungen steht einem ausgelassenen Fest ohne Beschränkungen nichts im Wege.

Vor drei Jahren ist es das letzte Mal gewesen, dass die Wunsiedler „ihr“ Brunnenfest ausgelassen feiern durften. Nach Einschränkungen in den vergangenen zwei Jahren steht heuer einer ausgelassenen Feier nichts mehr im Wege. Das vielfältige Programm reicht vom Flohmarkt über Schlemmermeilen bis hin zum Tag der offenen Kirche und dem Tag der Partnerstädte.

Im Mittelpunkt stehen dabei freilich die 36 Brunnen, die die Brunnengemeinschaften auch heuer wieder in liebevoller Arbeit herausputzen werden. Um die Entstehung des Brunnenfests ranken sich zahlreiche Erzählungen. Der älteste schriftliche Beleg des Wunsiedler Brunnenfestes geht auf den Juni 1833 zurück. Eine Legende besagt allerdings, dass die Tradition noch älter sein könnte und auf einen germanischen Wasserkult zurückzuführen ist. Das Schreiben in der Stadtgeschichte erzählt aber, dass einst die Brunnen in Wunsiedel versiegten. Als nach dieser Dürre das Wasser wieder floss, schmückten die Bewohner vor Freude und Dankbarkeit die Brunnen erstmals mit Blumen und Gräsern. Dieser Brauch hat sich fortgesetzt und nun findet das Brunnenfest jedes Jahr am Samstag und Sonntag vor dem Johannistag (24. Juni) statt.

Fakt ist, dass das Fest Ende des 19. Jahrhunderts vor dem Aus stand. Denn als 1899 die Hochdruckwasserleitung installiert wurde, sollten die Brunnen aus dem Stadtbild verschwinden. Die Bürger traten für ihre Brunnen ein, die auch als Treffpunkte dienten, und rebellierten gegen die Obrigkeit. Schließlich gab der Magistrat klein bei und beschloss, dass neben der neuen Hochdruckwasserleitung auch weiterhin die Röhrwasserleitung, die die Brunnen mit Wasser versorgte, bestehen bleiben sollte. Bereits am 24. Juni 1879 erschien ein Bericht in der lokalen Zeitung Bote aus den sechs Ämtern, in dem es hieß: „Am gestrigen Johannisabend wetteiferten verschiedene Personen an der herkömmlichen Beleuchtung und Dekoration sämtlicher hiesiger öffentlicher Brunnen.(. . .) Da der Abend ein sehr schöner war, bewegte sich auch eine sehr große Menschenmenge auf den Straßen, von einem Brunnen zum anderen ziehend“.

Alljährlicher Brauch

Der sich alljährlich wiederholende Brauch zog schließlich die Bildung von Brunnengemeinschaften nach sich, die die Tradition des Schmückens jeweils an die nachfolgenden Generationen vermittelten und so schon früh das ehrenamtliche Engagement in der Stadt hochhielten. Zudem standen die Brunnengemeinschaften in einer gewissen Konkurrenz untereinander, sodass die Wasserspender zum Fest immer aufgefallener und aufwendiger gestaltet wurden. Die Brunnen galten seit je her als Treffpunkt der Bevölkerung und als Börse zum Austausch von Neuigkeiten. Zudem bieten sie in heißen Sommern einen gewissen Kühleffekt durch die Verdunstung und tragen damit zur Verbesserung des Kleinklimas bei.

So viel Engagement wird letztlich belohnt und so ist das Brunnenfest 2019 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Das Expertenkomitee würdigte das Fest als identitätsstiftend und als „interessante Form gesellschaftlicher Selbstorganisation“. Aber nicht nur Anwohner in den Gemeinschaften, auch Kindergärten, Schulen, Vereine und Firmen betätigen sich im Juni als „Brunnenputzer“. Heuer gibt es zudem ein quasi grenzüberschreitendes Team von Brunnenputzern. Jugendliche aus der tschechischen Partnerstadt Ostrov und aus Wunsiedel gestalten gemeinsam den Brunnen am Gabelmannsplatz unter dem derzeit sehr aktuellen Motto „Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern“.

Sträuße, Kränze und Girlanden

Traditionell werden die Wasserspender mit Sträußen, Kränzen und Girlanden aus Blumen, Gräsern und Kräutern sowie mit kleinen Bäumchen, Moos und Rinde verziert. Mit einbrechender Dämmerung werden die Brunnen mit Kerzen, Fackeln und Lampions illuminiert. Dies verleiht dem gesamten Stadtgebiet einen ganz speziellen Zauber in einer der kürzesten Nächte des Jahres.

Kein richtiges Fest kommt bekanntlich ohne Musik und Gesang aus. Und so gibt auf dem Marktplatz ab 18 Uhr die Stadtkapelle der Festspielstadt Wunsiedel unter der Leitung von Georg Obermaier mit einem Standkonzert ein Stelldichein. Um 19 Uhr eröffnet Bürgermeister Nicolas Lahovnik, begleitet vom Posaunenchor Wunsiedel, dann offiziell das Brunnenfest. Danach werden dann 18 der 35 Brunnen von den Posaunenchören Wunsiedel und Schönbrunn, dem Kinder- und Jugendchor der Kantorei St. Veit Wunsiedel sowie dem Saxofon-Quartett „Beau Saxo“ aus der Partnerstadt Mende besungen und bespielt. Auch gibt es im Gegensatz zu den Vorjahren wieder Live-Musik, unter anderem am Gabelmannsplatz vor der Wunsiedelei mit der Band Farmers Five und im Garten der Stadt Voltera. Dort steht das Motto 30 Jahre Wunstock Festival an.

Gute Wetterprognose

Da auch die Wetterprognose für das Wochenende mehr als erfreulich ist, steht einem ausgelassenen, aber dennoch auch besinnlichen Brunnenfest 2022 nichts mehr im Wege. Dafür gerüstet sind auch die heimische Gastronomie sowie die Vereine und Organisationen mit ihren kulinarischen Angeboten im gesamten Stadtbereich.

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