"Der Druck auf dem Fest ist sehr hoch"
Wichtig sei zudem die Gesamtgestaltung des Gottesdienstes. Er werde als besonders berührend empfunden, wenn es einen roten Faden gebe. In der Ausbildung werde deshalb genau angeschaut: "Wie schaffe ich einen Raum, dass Menschen ankommen können? Und gerade an Weihnachten ist das besonders wichtig, weil gesamtgesellschaftlich der Druck sehr hoch ist, der auf diesem Fest liegt. Und dann geht es darum, in einem Gottesdienst eine Atmosphäre zu schaffen, wo Raum ist, diesen Druck loszuwerden. Ein Raum, wo man einfach ankommen kann, so wie man ist."
Dazu zählten der Kirchenraum, die Musik und die Atmosphäre. "Dass es nicht bitterkalt ist, dass man gut sitzen kann, dass man gut verstehen kann, was vor allem für ältere Menschen wichtig ist. All das zusammen kann dazu führen, dass die Menschen sagen: Das tut mir gut an diesem Festtag." Das liege nicht nur an der Predigt, sondern an der Gesamtgestaltung, sagt Englert.
Rituale auch wichtig
Für viele Menschen seien auch Rituale wie die Austeilung des Friedenslichts von Bethlehem wichtig. Oft hätten sie Tränen in den Augen, wenn sie es entgegennehmen, hat Englert beobachtet: "Weil sie sich eben so sehr Frieden wünschen in ihrem Leben und in der Welt." Solche Symbolhandlungen könnten helfen, dass Menschen mit ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten ankommen können.
Was gepredigt wird, hängt laut Englert auch davon ab, um welchen Rahmen es geht: Beim Krippenspiel am Heiligabend etwa herrsche gar keine Erwartung, sich zu aktuellen Themen zu äußern. "Da geht es einfach darum: Wir feiern zusammen diese alte Tradition, die aber trotzdem für unser Leben etwas aussagt. Das muss ich aber nicht in einer langen Predigt machen, sondern vielleicht in einem kurzen Impuls."
Keine "zweite Nachrichtensendung"
Anders sei es bei der Christvesper, bei der eine längere Predigt vorgesehen sei. "Und da finde ich, ist es schon auch Aufgabe der Kirche, aktuelle Themen anzusprechen, wenn sie sich vom Evangelium, also von der Botschaft von Weihnachten her anbieten", sagt Englert. Beispiele seien Frieden und Armut.
Zugleich mahnt die Expertin auch zur Vorsicht: "Was eine Gefahr ist, dass wir wie eine zweite Nachrichtensendung irgendetwas einspielen und wiedergeben. Das ist, glaube ich, etwas, das sich die Menschen nicht wünschen an Weihnachten: die Probleme einfach noch mal zu hören, ohne dass Weihnachten eine neue Perspektive darauf eröffnet."