Festwochen in Hof Die Blüten jüdischer Kultur entdecken

Auch in Deutschland hat das Judentum eine eigene Kultur gezeitigt. Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Kahnert

Um das reiche jüdische Erbe in Deutschland zu feiern, veranstaltet die Stadt Hof Festwochen. Viele kulturelle Angebote laden ein zur Auseinandersetzung.

Hof - In ganz Deutschland wird gefeiert – auch in Hof: Juden haben über die Jahrhunderte die Kultur des europäischen Raums entscheidend mitgestaltet. Um dieses reiche kulturelle Erbe und das lebendige jüdische Leben in Deutschland bekannter zu machen, präsentieren Hofer Akteure ein vielfältiges Programm mit zahlreichen Bildungs- und Kulturangeboten: die Hofer Festwochen vom 20. Juni bis zum 11. Juli 2021. Mehrere hochinteressante Vorträge mit namhaften Referenten, ein Besuch des jüdischen Friedhofs und der Synagoge in Hof, Ausstellungen, Theatervorstellungen, Lesungen und musikalische Reisen durch das Judentum geben Einblicke in die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland.

Bei der Vorstellung des Festprogramms sagte Oberbürgermeisterin Eva Döhla: „Die ausnehmend gute Zusammenarbeit zwischen den Hofer Organisatoren und dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, Jakob Gonczarowksi, hat ein beeindruckendes Programm zustande gebracht. Wie schon beim Schülerwettbewerb zum Schicksal der Juden in Hof vor zwei Jahren wird damit auch das gute Miteinander dokumentiert.“

Die offizielle Eröffnung wird vom Streichquartett der Hofer Symphoniker am Montag in der Freiheitshalle mitgestaltet. Gisela Strunz, als Vorsitzende der Hermann-und-Bertl-Müller-Stiftung eine der Hauptverantwortlichen für das Programm, freut sich auf den Vortrag zu Bayerns fünftem Stamm: „Wir starten mit dem international renommierten Professor Michael Brenner von der Uni München, der uns aus New York zugeschaltet sein wird.“

Bereits am Vortag, 20. Juni, lädt das Theater zu jüdischen Liedern und Geschichten unter dem Titel „Bei mir bist du schejn“ ein. Das musikalisch-literarische Programm wird es noch an weiteren Abenden geben.

„Weil doch noch immer viel Unwissen über jüdische Gebräuche und jüdisches Leben besteht, haben wir ein großes Augenmerk auf Information und Wissensvermittlung gelegt“, betont Kulturamtsleiter Peter Nürmberger. Deshalb zeige man in einer Serie von Großflächenplakaten, die auf die Festwochen aufmerksam machen sollen, auch ganz einfach symbolische Dinge wie Menora, Kippa oder Gebetsschal.

Gleich am Mittwoch, 23. Juni, informieren Susanne Talabardon und Rebekka Denz von der Universität Bamberg über „Jüdische Gewöhnlichkeit und Besonderheiten gestern und heute“ sowie „Ländliches Judentum in Franken“. Diese Vorträge finden im Museum Bayerisches Vogtland statt. Zeitgleich startet die begleitende Fotoausstellung „Zusammenhalt in Vielfalt – jüdischer Alltag in Deutschland“. Die Wanderausstellung ist Ergebnis des gleichnamigen Fotowettbewerbes.

Ebenfalls im Museum wird am 6. Juli die in Hof geborene Nicole Henneberg aus Gabriele Tergits Jahrhundertroman „Effingers“ lesen und über die von ihre herausgegebene Autorin informieren, die erst jetzt wieder entdeckt wird.

Der Kulturkreis Hof lädt zu Veranstaltungen über die Familie Mendelssohn ein. Am 24. Juni geht es dabei um Moses, den Ahnherrn und Joseph Mendelsohn, den Bankier, während am 2. Juli der Musiker Felix Mendelssohn Bartholdy im Mittelpunkt steht. Beide Termine finden im LU 7, dem Bildungszentrum der Volkshochschule Hofer Land statt und werden von der Musikschule des Landkreises Hof umrahmt.

Am 25. Juni laden Sängerin Esther Lorenz und Gitarrist Peter Kuhz zu einer musikalischen Reise durch das Judentum unter dem Titel „Donna, Donna“ ein; ebenfalls im LU 7.

In der Sankt-Michaelis-Kirche steht am Sonntag, 27. Juni, Heinrich Heine unter dem Titel „Was soll es bedeuten“ im Mittelpunkt. Pfarrer Jürgen Albert wird in seinem Vortrag begleitet von Rudolf von Waldenfels, der die Textstellen liest. Kirchenmusikdirektor Georg Stanek gibt Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Die Stellung der Frau im Judentum von den Erzmüttern bis heute steht am 29. Juni im LU 7 im Fokus: im Vortrag „Kinder, Küche und Bet Knesset“ von Antje Yael Deusel, Rabbinerin der liberalen Gemeinde Mischkan ha-Tfila aus Bamberg.

Brigitte Imme ist am 30. Juni in der Münch-Färber-Villa zu Gast. Sie spricht und rezitiert unter dem Titel „Dein Gedicht ist so ein Leuchten wie ich es jetzt in mir fühle“ über die Freundschaft der beiden Lyrikerinnen Hilde Domin und Nelly Sachs.

Am 1. Juli lädt Rabbiner David Goldberg im Namen der jüdischen Gemeinde in Hof zu einem Synagogenbesuch und zur Exkursion zum jüdischen Friedhof ein.

Der Illustrator Alexander Mages liest am 4. Juli im Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach an der Saale aus seinem historischen Comic „Jesuran“. Der Comic erinnert an das Leben der jüdischen Familie Jesuran, die 1933 aus Nürnberg nach Brüssel flüchtete. Die gleichnamige Ausstellung „Jesuran“, die ab 12. Juni geöffnet ist, zeigt die Entstehungsgeschichte des historischen Comics.

Ebenfalls am 4. Juli sprechen der Kulturjournalist und Autor Michael Thumser und der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Hof, Jakob Gonczarowski, im Pfarrzentrum Bernhard Lichtenberg über das jüdische Gebet „Kol Nidrei“, das am Vorabend des Jom Kippur gebetet wird. Michael Thumser stellt Max Bruch unter dem Titel „Das Land der Juden ist ein Traum – Der Komponist Max Bruch und sein ‚Kol Nidrei’“ in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Gonczarowski spricht über das Gebet „Kol Nidrei“ und seinen Missbrauch im Nationalsozialismus. Tamara Melikian, Violoncello, und Vladimir Plakidin, Flügel, umrahmen den Abend mit Werken von Max Bruch und Fanny Hensel.

Der Autor und Entertainer Rolf-Bernhard Essig erklärt im LU 7 in seinem Erzählprogramm „Die dufte Mischpoke hat Chuzpe!“ den Hintergrund vieler Wörter und Wendungen aus dem Jüdischen, Jiddischen und Hebräischen.

Am 9. Juli findet der Festakt zur Straßenumbenennung der Hohen Straße in „Wolf-Weil-Straße“ statt.

Um Anmeldung zu den Veranstaltungen – mit Ausnahme der Termine im Theater Hof – wird bis eine Woche vor Veranstaltungsbeginn gebeten: VHS Hofer Land, Sonja Tenschert (s.tenschert@vhshoferland.de, Telefon: 09281/71450) gebeten. red

 

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