Filmwerk Helmbrechts Rockabilly macht die Hütte voll

Sie kamen, sahen und siegten. In Helmbrechts sorgte eine Rockabilly-Band aus den USA für eine Stimmung, die man nur als überbordend bezeichnen kann.

„Sorry, nicht so kurz nach Silvester.“ – „Nein. Wir machen im Januar gar nix.“ Oder gleich eisiges Schweigen. Es ist nicht so einfach, zum Jahresbeginn und dazu noch in der Woche bei einem Veranstalter für ein Rockkonzert einen Fuß in die Tür zu bekommen. Doch Pascal Bächer und seine Mitstreiter vom Verein „Gunga“ hatten da so ein Bauchgefühl, als ihnen die Number 9 Blacktops aus dem US-Bundesstaat Illinois angeboten wurden. Die Videos der Band ließen auf herausragende Live-Qualitäten schließen. Und dass die Jungs an Silvester den legendären Punk’n’Roll-Club „Wild At Heart“ in Berlin bespielen durften, klang durchaus nach Referenz. Gedacht, getan. Am Dienstagabend stand das Trio auf der improvisierten Bühne des Filmwerks in Helmbrechts.

Tja – und dann war es wiederum gar nicht so einfach, einen Fuß in die Tür zu bekommen – diesmal jedoch von Seiten des Publikums: Sämtliche Sitzplätze waren bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn besetzt, doch der Ansturm nahm kein Ende. Die Gänge füllten sich, hinterm Tresen wurde es auch immer enger. Zusätzliche Stühle, leere Bierkästen als Sitzgelegenheiten, Menschen, die faktisch im Band-Equipment stehen blieben. Irgendwann mussten die Außentür geschlossen und der Vorhang zugezogen werden. Keiner weiß, wer dann noch so alles vor verschlossener Tür stand.

Die drinnen weilten, sollten einen Abend der Extraklasse erleben. Cody Beckman, Jim Rotramel und Kasey Lee Rogers – drei Typen aus dem Hillbilly-Städtchen Carbondale, zündeten ein Feuerwerk, das sich sofort raumgreifend ausbreitete. Die ersten Jubelschreie erschallten bereits vor Ende des Opener-Songs. Was soll man sagen? Zum Schluss standen alle auf den Stühlen, wenn sie denn einen ergattert hatten – oder sie tanzten faktisch in den Monitorboxen. Daran konnte nicht einmal eine viertelstündige Pause etwas ändern, die notwendig wurde, um den letzten verbliebenen Sauerstoffatomen Verstärkung zu senden. Sofort fingen Band und Publikum wieder Feuer.

Mastermind Jim Rotramel, ein handwerklich perfekter Gitarrist und einer der beiden Sänger der Combo, erklärte den Zuhörenden die geografische Herkunft seines Trios und die daraus resultierenden musikalischen Einflüsse. Im äußersten Süden von Illinois gelegen – und damit fünf Stunden Fahrzeit von Chicago entfernt – nehme die Truppe auch Populärmusik aus den nahe liegenden Bundesstaaten Missouri und Kentucky auf. Aber selbst Tennessee mit Nashville, der Welthauptstadt des Country, liegt davon gar nicht so weit entfernt.

In ihrem Rockabilly-Sound hört man eine winzige Prise Chicago-Blues heraus. Die Band spielt dazwischen aber auch mal einen Country-Song oder ein Hillbilly-Stück – das lockert das Set ungemein auf. Doch immer wieder gibt’s fast punkigen, schnellen Rockabilly, wird Vollgas gegeben. Apropos Vollgas: Die meisten Songs der Gruppe handeln dann auch von Autos, seltener von Bourbon und anderen Getränken und noch seltener von Frauen. Rotramel erzählte zwischendurch auch mal von den Opener-Shows, die seine Band mit der Rock’n’Roll-Ikone Chuck Berry spielen durfte – und wie ihnen der Meister höchstselbst in ihr Auto krachte. Und er bedankte sich, schweißtriefend wie die gesamte Band, für einen schönen Abend. Der Jahresauftakt der „Gunga“ – vollauf gelungen. Mut lohnt sich offenbar doch.

Transparenzhinweis: Der Autor hat diese Band unentgeltlich auf Bitte eines befreundeten Bookers diversen Veranstaltern in der Region empfohlen.

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