Einen? Auf den Bildern der Wildkamera sind ganze Familien zu sehen. Eine Kot-Analyse hat ergeben, dass ich sieben Fischotter in der viereinhalb Hektar großen Anlage mit mehreren kleinen Teichen habe. Einige meiner Teiche sind daher leer, da schwimmt kein Fisch mehr. Die Otter haben sie zentnerweise getötet.
Man sollte meinen, selbst sieben Otter können keinen ganzen Teich leerfressen.
Das meiste vom Fisch überlassen sie dem Fuchs. Ein Fischotter ist ein äußerst effizienter Jäger. Dass er nur kranke und schwache Fische tötet, ist eine Mär. Er tötet alles, was er erwischen kann. Dabei bedient er sich nur vom fetten Bauchfleisch. Das sind maximal 200 Gramm bei einem großen Karpfen. Den Rest lässt er liegen und greift sich den nächsten und den nächsten und wieder den nächsten. Das Muskelfleisch vertilgt der Fuchs. Der Fischotter gehört zu den marderartigen Tieren, er tötet immer, wenn er die Gelegenheit hat. Daher sind die Schäden unermesslich.
Wie können Teichwirte ihre Fische vor dem Otter schützen?
Da der Otter nicht bejagt werden darf, nur mit einem Zaun. Dieser muss mindestens eineinhalb Meter hoch sein und fest in der Erde verankert. Wir haben hier im Landkreis Wunsiedel Karpfenteiche mit ein, zwei Hektar, einige wenige sind sogar zehn Hektar groß. Versuchen Sie die mal einzuzäunen. Da sind Sie locker 50 000 bis 100 000 Euro los. Dafür gibt es zwar einen 50-prozentigen Zuschuss. Doch dann bleibt immer noch ein Batzen Geld übrig. Die Forellenzüchter mit im Schnitt kleineren Teichen haben es da etwas einfacher.
Gibt es wenigstens Entschädigungszahlungen für leergeräumte Teiche?
Die gibt es, für gewerbliche oder nebenberufliche Fischzüchter. Sie bekommen 80 Prozent des anmeldbaren Schadens. Hobby-Teichwirte und Angelvereine gehen leer aus. Allerdings kann das keine Lösung sein: Teichwirte wollen Fische verkaufen und keine staatlichen Zahlungen.
Was fasziniert Sie am Karpfen?
Es ist ein rein ökologisch gezüchteter Fisch. Wir füttern lediglich Getreide zu, das für die Nahrungsmittel-Herstellung nicht mehr verwendet werden kann. Seinen Eiweißbedarf besorgt er sich selbst – mit Würmern und Kleingetier.
Wie sehen Sie die Zukunft der Teichwirtschaft im Fichtelgebirge?
Düster. Wenn der Otter die Teiche plündert, werden die Teichwirte irgendwann aufgeben. Die Teiche sind dann als Trittsteine für die Natur verloren. Wollen wir das wirklich? Die Fragen stellte
Matthias Bäumler