Fischotter bedroht die Existenz der Teichwirte „Das ist die reinste Provokation“

Der Fischotter ist das „Tier des Jahres“. Für den Vorsitzenden der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Thiersheim, ist die Wahl eine einzige Provokation. Fischotter bedrohen die Existenz der Teichwirte auch im Landkreis Wunsiedel.

Der Fischotter ist das „Tier des Jahres 2021“. Foto: picture alliance/dpa/Silas Stein

Thiersheim - Nur wenige Menschen bekommen einen Fischotter je zu Gesicht. Die marderartigen Tiere sind nachtaktiv – und wie: Zuweilen räumen sie ganze Karpfenteiche aus. Der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma, aus Thiersheim befürchtet, dass dem Otter nicht nur Fische zum Opfer fallen, sondern sogar die Karpfen-Wirtschaft auf dem Spiel steht.

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Herr Thoma, die Deutsche Wildtier-Stiftung hat den Fischotter zum Tier des Jahres 2021 gewählt. Was halten Sie davon?

Ich bin es langsam leid. Was der Naturschutzverband damit bezweckt, ist hinreichend bekannt. Es ist die reinste Provokation.

Warum ist der Fischotter so schlimm?

Er richtet extreme Schäden an. Wir haben in der Teichgenossenschaft Mitglieder, die im Herbst keine Karpfen mehr im Teich hatten, bei anderen waren noch ein paar einzelne vorhanden. Das ist für die Teichwirte eine Katastrophe.

Ist die Karpfenzucht aufwendig?

Der Karpfen benötigt unheimlich viel Zeit, bis er schlachtreif ist. Als sogenannter K1 im ersten Jahr setzt er ein Gewicht von etwa 50 Gramm an, als K2 um die 500 Gramm und erst im dritten Jahr, als K3, wird er mit 1500 bis 1900 Gramm zum Speisefisch. Zum Vergleich: Ein Schwein ist in einem knappen halben Jahr schlachtreif, ein Hähnchen sogar in einem Vierteljahr.

Sie könnten sich an die Fischotter-Beratung für Teichwirte wenden.

Toll, die Beratung bringt nichts. Da weiß ich höchstens, dass ich einen Fischotter an meinem Teich habe.

Ganz konkret, hatten Sie schon einen in ihrer Teichanlage?

Einen? Auf den Bildern der Wildkamera sind ganze Familien zu sehen. Eine Kot-Analyse hat ergeben, dass ich sieben Fischotter in der viereinhalb Hektar großen Anlage mit mehreren kleinen Teichen habe. Einige meiner Teiche sind daher leer, da schwimmt kein Fisch mehr. Die Otter haben sie zentnerweise getötet.

Man sollte meinen, selbst sieben Otter können keinen ganzen Teich leerfressen.

Das meiste vom Fisch überlassen sie dem Fuchs. Ein Fischotter ist ein äußerst effizienter Jäger. Dass er nur kranke und schwache Fische tötet, ist eine Mär. Er tötet alles, was er erwischen kann. Dabei bedient er sich nur vom fetten Bauchfleisch. Das sind maximal 200 Gramm bei einem großen Karpfen. Den Rest lässt er liegen und greift sich den nächsten und den nächsten und wieder den nächsten. Das Muskelfleisch vertilgt der Fuchs. Der Fischotter gehört zu den marderartigen Tieren, er tötet immer, wenn er die Gelegenheit hat. Daher sind die Schäden unermesslich.

Wie können Teichwirte ihre Fische vor dem Otter schützen?

Da der Otter nicht bejagt werden darf, nur mit einem Zaun. Dieser muss mindestens eineinhalb Meter hoch sein und fest in der Erde verankert. Wir haben hier im Landkreis Wunsiedel Karpfenteiche mit ein, zwei Hektar, einige wenige sind sogar zehn Hektar groß. Versuchen Sie die mal einzuzäunen. Da sind Sie locker 50 000 bis 100 000 Euro los. Dafür gibt es zwar einen 50-prozentigen Zuschuss. Doch dann bleibt immer noch ein Batzen Geld übrig. Die Forellenzüchter mit im Schnitt kleineren Teichen haben es da etwas einfacher.

Gibt es wenigstens Entschädigungszahlungen für leergeräumte Teiche?

Die gibt es, für gewerbliche oder nebenberufliche Fischzüchter. Sie bekommen 80 Prozent des anmeldbaren Schadens. Hobby-Teichwirte und Angelvereine gehen leer aus. Allerdings kann das keine Lösung sein: Teichwirte wollen Fische verkaufen und keine staatlichen Zahlungen.

Was fasziniert Sie am Karpfen?

Es ist ein rein ökologisch gezüchteter Fisch. Wir füttern lediglich Getreide zu, das für die Nahrungsmittel-Herstellung nicht mehr verwendet werden kann. Seinen Eiweißbedarf besorgt er sich selbst – mit Würmern und Kleingetier.

Wie sehen Sie die Zukunft der Teichwirtschaft im Fichtelgebirge?

Düster. Wenn der Otter die Teiche plündert, werden die Teichwirte irgendwann aufgeben. Die Teiche sind dann als Trittsteine für die Natur verloren. Wollen wir das wirklich?           Die Fragen stellte

                                                                  Matthias Bäumler