Forschungsprojekt in Münchberg Aus Sonnenlicht wird Eis

Die Hochschule Hof leistet am Campus Münchberg Pionierarbeit. Hier prüfen Forscher, wie sich Energie umweltfreundlich speichern lässt. Profitieren könnten vor allem Firmen, die Kunststoff herstellen.

Wer ihr zu nahe kommt, spürt ihre Kälte. Wer die Finger ins Becken hält, zieht sie schnell zurück. Die große Wanne mit Wasser ist die neue Eisbatterie im Energielabor am Campus Münchberg der Hochschule Hof. Sie ist Teil eines Aufbaus, der kompliziert aussieht: Vereiste Rohre verbinden das Becken mit einer Kältemaschine und einem Pufferspeicher, dazwischen viele Kabel, mittendrin ein Computer. Das Ganze nennt sich Prüfstand. Ihn hat die Hochschule heute offiziell eingeweiht. Seit einem Jahr läuft die Vorbereitung.

Kernstück ist das Wasserbecken, bestückt mit einem blauen Kunststoffgitter, das sich Kapillar-Matte nennt. Das Becken ist die Eisbatterie, die nun im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Prüfstand steht. Sie soll die Speicherung von überschüssiger Energie revolutionieren und zum Klimaschutz beitragen.

Wie funktioniert das?

Wie? Das erklärt beim Pressetermin Thomas Schlosser, der als Professor für Kältetechnik an der Hochschule arbeitet. Scheint den ganzen Tag die Sonne, produziert eine Photovoltaik-Anlage mehr Energie als gebraucht wird. Wohin damit? Beim Versuchsaufbau am Campus Münchberg gelangt sie nun in den Eisspeicher. Mit der überschüssigen Energie wird das Wasser im Becken gekühlt, Eis bildet sich an der Kapillar-Matte. Mit dem kalten Wasser lassen sich nun Kühlanlagen betreiben oder Räume herunter temperieren. Es ist eine Möglichkeit, um überschüssigen Strom sinnvoll zu nutzen. Und zwar nicht nur aus Sonnenlicht, sondern zum Beispiel auch aus Windparks.

Partner der Hochschule bei diesem Projekt ist die Firma Genes Kältetechnik aus Hof. Firmenchef Richard Genes glaubt, dass dieses System besonders in unserer Region gebraucht wird, weil hier viele Unternehmen angesiedelt sind, die Kunststoffe produzieren. Sie brauchen kaltes Wasser zur Spritzguss-Kühlung. Mit der Eisbatterie lassen sich aber zum Beispiel auch Klimakammern nachts mit Solarstrom betreiben, obwohl schon lange keine Sonne mehr scheint.

Eigene Software

Doch wie groß muss die Eisbatterie im Verhältnis zur Photovoltaik-Anlage sein? Wie viel Energie kann sie speichern? Welchen Bedarf decken? Um diese und noch viel mehr Fragen geht es künftig. Denn der Prüfstand liefert Daten, die das Forscherteam nun auswerten wird. Michael Dölz hat als technischer Leiter des Instituts für Wasser- und Energiemanagement der Hochschule die Anlage nun offiziell in Betrieb genommen, nachdem er lange daran getüftelt hat. Mit Planung und Realisierung war er ein Jahr beschäftigt, beim Aufbau halfen die Kältetechniker der Hofer Firma.

Bis die Eisbatterie aus Münchberg jedoch „im echten Leben“ zum Einsatz kommt, kann es nach Meinung von Professor Schlosser noch zirka drei Jahre dauern. Schließlich will man sämtliche Fragen vorher klären. Im Prüfstand lassen sich dafür die einzelnen Parameter mit einer selbst entwickelten Software einstellen. Die Daten werden gespeichert und ausgewertet.

Zunächst aber musste Michael Dölz herausfinden, welches Material sich für die Eisbatterie am Besten eignet. Nach verschiedenen Modellen, erwies sich die engmaschige Kapillar-Matte als vorteilhaft für den Eisaufbau aus der überschüssigen Sonnenergie.

Umweltfreundlicher als Batterien

Sie zu speichern, ist grundsätzlich nicht neu. Doch die Batterien mit ihrem Lithium, die man dafür nimmt, hält der Professor aktuell für wenig nachhaltig. „Wasser als Energieträger, das ich in Eis umwandeln kann, ist umweltfreundlicher und kostengünstiger.“ Für ihn ist die Eisbatterie ein Weg, um Energie sinnvoll zu speichern, damit man sie später wieder nutzen kann. Damit will die Hochschule vor allem auch den mittelständischen Betrieben in der Region helfen, ihren Energieverbrauch zu reduzieren.

Die Hochschule steckt rund 50 000 Euro in das Projekt. Der Großteil kommt von der Hans-Viessmann-Technologie Stiftung. Werner Mergner von der Geschäftsleitung der Stiftung hält das Geld für gut investiert. Er bewundere die Anlage. „Die Innovationskraft der Hochschule ist beeindruckend, wir sind gerne bereit, sie weiter zu unterstützen“, so Mergner.

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