Franken Eine Hochburg der Rechten?

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg feierten Rechtsextreme in Franken Erfolge. Noch heute läuft besonders die Landbevölkerung Gefahr, von ihnen vereinnahmt zu werden. Das war jüngst Thema eines Vortrags in Hof.

Ein Teilnehmer eines Rudolf-Heß-Gedenkmarsches in Wunsiedel. Foto: picture alliance / dpa/Nicolas Armer

Franken hat für den Aufstieg Hitlers eine wichtige Rolle gespielt. Die Region war Anfang der Dreißigerjahre eine Hochburg der Nazis. Und auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbuchten rechtsextreme Parteien wie die NPD und die Republikaner bei Wahlen in den strukturschwachen Gebieten hohe Zustimmung. Der Nürnberger Historiker Eckart Dietzfelbinger beleuchtete in seinem Vortrag beim Freundeskreis Hof der Evangelischen Akademie Tutzing die Hintergründe.

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Beispiel NPD: Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands, gegründet 1964, gewann bei den Landtagswahlen 1966 bayernweit 7,4 Prozent der Stimmen, in Mittelfranken waren es 12,2 Prozent mit dem Spitzenreiter Leutershausen im Kreis Ansbach mit 20,3 Prozent. „Verblüffend dabei war der Zusammenhang mit den früheren Hochburgen der Nazis in Westmittelfranken. Wo die NPD viele Stimmen gewann, hatte die NSDAP nach 1930 bereits hohe Zustimmung erhalten“, sagte der Historiker, der bis 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg war.

Ein Schwerpunkt seines Vortrages waren die Themen Antisemitismus und Rechtsterrorismus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs suchten in Nordbayern zahlreiche Juden Schutz, vor allem aus Polen. Sie galten als Displaced Persons (DP) und waren in eigenen DP-Lagern untergebracht. In Oberfranken gab es 19 DP-Lager mit 7000 Frauen, Männern und Kindern jüdischer Herkunft. Eines der größten befand sich in den Baracken der ehemaligen Wehrmacht in der Kulmbacher Straße in Hof, heute Gelände der Bundeswehr, mit zeitweise 1500 Bewohnern. Es hatte eine eigene Volksschule, eine Berufsschule, eine Religionsschule und sogar eine eigene Zeitung. Verwaltungssitz und kulturelles Zentrum der jüdischen Gemeinde Hof war die Gaststätte Trompeter in der Bismarkstraße 10, wo ebenfalls zahlreiche jüdische Flüchtlinge lebten. Diese DP-Gemeinde existierte bis 1950, sie ging in der Israelitischen Kultusgemeinde Hof auf.

„Zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und den jüdischen Flüchtlingen kam es nur deshalb nicht, weil die US-Besatzungsmacht deren Schutz garantierte“, sagte Dietzfelbinger. „Die Amerikaner fühlten sich den Verfolgten des Nazi-Regimes besonders verpflichtet.“

Dass dies notwendig war, hätten Vorfälle im damaligen Landkreis Münchberg gezeigt. Es habe Versuche gegeben, jüdische Jugendliche aus dem Unterricht auszuschließen. 1947 habe sich ein Friseur in Münchberg wiederholt geweigert, Juden die Haare zu schneiden. In Helmbrechts hätten Deutsche drei Juden aus dem Zug geworfen. Bis heute zeige sich der Antisemitismus in judenfeindlichen Schmierereien und hasserfüllten Briefen und Mails an jüdische Gemeinden. Zentrum des Rechtsterrorismus war zeitweise Mittelfranken. Der Historiker nannte die Wehrsportgruppe Hoffmann, die in Spitzenzeiten bis zu 250 Mitglieder hatte. Aus ihrem Umfeld stammte einer der Täter des Bombenattentats auf das Oktoberfest 1980 mit 13 Toten, der schwerste terroristische Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

Heute sei zu sehen, dass sich die politischen Achsen der meisten Industrieländer nach rechts verschoben hätten. „Die Gründe liegen in den ökonomischen Veränderungen der vergangenen 30 Jahre, die verkürzt mit dem Begriff Globalisierung umschrieben werden“, sagte Dietzfelbinger zur jetzigen Situation. Es sei eine massive Zunahme sozialer und ökonomischer Ungleichheit zu sehen, dazu enorme Krisen mit Kontroll- und Vertrauensverlust, zuletzt die Corona-Krise, die bis heute nachwirke. „Es frisst sich Angst in die Gesellschaft ein, Angst vor dem sozialen Abstieg und generell vor der Zukunft“, erklärte der Historiker. Weite Teile der rechtsextremisitischen Szene versuchten die Verunsicherung zu nutzen. Rechtsextremismus speise sich bis heute aus den Fehlern von Politik und Gesellschaft, sagte der Referent weiter und ging damit auf die aktuelle Situation ein.

Judenhasse zeige sich als israelbezogener Antisemitismus und habe seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 extrem zugenommen. Der Kampf gegen die braunen Umtriebe sei zur Daueraufgabe geworden. Dem Zündeln am rechten Rand müsse Paroli geboten werden. Alarmzeichen seien vielerorts zu sehen, doch es könne noch gelingen, die Demokratie zu bewahren. Dietzfelbinger: „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir in eine braune Sackgasse rollen. Noch sind die Möglichkeiten da.“