French Open Krawietz/Tecau scheitern

Kevin Krawietz (links) und Horia Tecau Lieferten den favorisierten Kolumbianern Cabal/Farah erbitterten Widerstand, doch nach dem Viertelfinale der French Open ist für den Deutschen und seinen rumänischen Partner das Turnier zu Ende. Foto: imago images/Jürgen Hasenkopf

Für den Titelverteidiger und seinen rumänischen Partner ist das Viertelfinale in Paris die Endstation. Die kolumbianischen Favoriten Cabal/Farah gewinnen den Tennis-Krimi.

Paris/Witzmannsberg - Das Viertelfinale in Paris ist die Endstation für Titelverteidiger Kevin Krawietz (29 Jahre, Doppel-Weltranglisten-16.) aus Ahorn-Witzmannsberg und Horia Tecau (26/23.). Wie bereits im April im Endspiel des ATP-Turniers in Barcelona erwies sich das an Position 2 gesetzte kolumbianische Weltklasse-Doppel Juan Sebastian Cabal (35/4.) und Robert Farah (34/3.) auch bei den French Open als zu stark für das an 9 gelistete deutsch-rumänische Duo. Mit 6:2, 6:7 (3:7) und 7:5 setzten sich die südamerikanischen Routiniers am Dienstag in einem zweieinhalbstündigen Tennis-Krimi auf dem Court Suzanne Lenglen erneut durch. Für den Wahl-Münchner Krawietz, der bis zum Spätsommer auf seinen Kölner Stamm-Partner Andreas Mies verzichten muss, ist damit der Traum einer zweiten Titelverteidigung im Stade Roland Garros in Folge geplatzt.

Schnelles Break

Vom Start weg machten Cabal/Farah enormen Druck. Horia Tecau hatte große Mühe mit seinem Aufschlagspiel. Nach neun Minuten nutzten die Kolumbianer den vierten Breakball zur 1:0-Führung. Krawietz/Tecau versuchten sich zu wehren, hatten bei 40:0-Führung und Aufschlag von Farah ihrerseits Breakbälle, doch die Routiniers zogen den Kopf aus der Schlinge, führten nach umkämpften 16 Minuten 2:0. Die Verunsicherung war ihren Kontrahenten anzumerken. Der Witzmannsberger leistete sich einen Doppelfehler, anschließend punktete Cabal longline direkt und nachdem ein langer Ball von Krawietz knapp im Aus gelandet war, stand es 15:40 und gleich darauf nach 19 Minuten 3:0 für die Südamerikaner.

Mit präzisen Aufschlägen und starken Aktionen von Cabal am Netz bauten jene ihre Führung auf 4:0 aus und ließen dem Titelverteidiger und seinem Partner kaum Luft zum Atmen. Dennoch wehrten sich Krawietz/Tecau und verkürzten mit einem guten Aufschlagspiel des Rumänen und tollen Aktionen am Netz auf 1:4. Ein langer Ball von Krawietz ins Aus, ein Return von Tecau ins Netz und es stand wieder 30:0 bei Auschlag Farah. Dank zweier gefühlvoller Aktionen von Krawietz schafften er und sein Partner den 40:40-Ausgleich, doch mit einem präzisen Schlag der Linie entlang sorgte Farah nach 35 Minuten für das 5:1.

Schöne Überkopf-Returns von Tecau sorgten dafür, dass der Deutsche und der Rumäne noch einmal auf 2:5 verkürzen konnten. Mit einem geschickt von Cabal in die Mitte zwischen beide Kontrahenten gesetzten Stopp zwang er jene zum Fehler, der die 40:30-Führung brachte, wonach Farah nach 43 Minuten den ersten Satzball zum 6:2 verwandelte.

Enger zweiter Satz

In den zweiten Durchgang starteten Krawietz/Tecau hochmotiviert, mit einem Ass von Tecau und einer klasse Netzaktion des Witzmannsbergers. Farahs gefühlvollen Passierschlag an Krawietz vorbei zum 30:30-Ausgleich beantworteten die beiden mit einem weiteren Ass des Rumänen und der anschließenden 1:0-Führung. Doch nach Farahs ebenfalls druckvollem und variablem Aufschlagspiel stand es schnell 1:1. Auch Krawietz servierte anschließend präzise und hart, leistete sich aber nach 30:0-Führung zwei leichte Fehler, die Cabal/Farah wieder ins Spiel brachten. Das deutsch-rumänische Duo musste einen Breakball abwehren, konnte aber mit 2:1 in Führung gehen. Im darauffolgenden Spiel hatte Krawietz Pech, dass sein Diagonalball knapp im Aus landete. Die Kolumbianer glichen nach 16 Minuten zum 2:2 aus.

Trotz eines Doppelfehlers brachte Tecau sein Aufschlagsspiel durch, Krawietz schloss eine Netzaktion souverän zum 3:2 ab. Das deutsch-rumänische Duo wollte unbedingt die Führung vorentscheidend ausbauen, musste aber dennoch den 3:3-Ausgleich hinnehmen, nachdem Tecau bei der Breakchance den Ball ins Netz gesetzt hatte. Nach erneut sicheren Aufschlägen von Krawietz führten der Titelverteidiger und sein Interimspartner schnell mit 4:3. Die südamerikanischen Routiniers zeigten kleine Schwächen und Nerven, als Farah mehrfach lautstark mit sich haderte, schafften jedoch nach 40:0-Führung und 40:40-Ausgleich das 4:4.

Ein Krawietz-Treffer am Netz auf den Körper von Cabal ergab im nächsten Spiel die 40:15-Führung für Krawietz/Tecau, danach schloss der Wahl-Münchner eine schöne Netzaktion zum 5:4 ab. Doch die kolumbianischen Routiniers zeigten, warum sie weit oben in der Weltrangliste stehen. Nervenstark glichen sie zum 5:5 aus. Mit einem souveränen Aufschlagspiel von Krawietz zum 6:5 wuchs der Druck auf Cabal/Farah. Ein super Passierball von Krawietz zum 15:30 weckte Hoffnungen, die durch Tecaus Fehler am Netz gleich wieder gedämpft wurden. Cabal brachte sein Service zum 6:6 durch, sodass der Satztiebreak nötig wurde. In diesem gelang es Krawietz/Tecau vier Mal, ihren Gegnern den Aufschlag abzunehmen, über 6:3 machten sie nach einer Stunde Spielzeit in diesem Durchgang den 7:6-Satzgewinn perfekt.

Angezählte Kolumbianer

Die Südamerikaner waren sichtlich verunsichert, Cabal startete mit einem Aufschlagverlust in den entscheidenden dritten Durchgang. Krawietz legte seinerseits ein souveränes Zu-Null-Aufschlagspiel zum 2:0 nach. Die Kolumbianer schienen angezählt, doch das deutsch-rumänische Gespann ließ sie mit einer Energieleistung von Farah ein zweites Break verhindern. Tecau erhöhte den Druck mit einem weiteren Aufschlagspiel ohne Gegenpunkt. Im hart umkämpften fünften Spiel konnten Krawietz und Tecau ihre Chance auf ein zweites Break nicht nutzen, ihre Gegner verkürzten auf 2:3. Beim anschließenden Aufschlagspiel von Krawietz zeigte Farah in zwei Szenen erneut Nerven, wieder zu Null erhöhten Krawietz und Tecau auf 4:2. Doch mit einem souveränen Aufschlagspiel von Farah zum 3:4 zogen sich der Weltranglisten-3. und -4. wieder aus dem Sumpf. Nach 0:40 und einem Doppelfehler von Tecau stand es plötzlich 4:4. Cabal ließ ein Zu-Null-Spiel zum 5:4 und zur erstmaligen Führung in diesem dritten Satz folgen.

Krawietz ließ sich auf dem Weg zum 5:5 weder von Zwischenrufen aus dem Publikum noch vom Gegner ablenken, doch mit guten Aktionen und emotionalen Gesten von Cabal pushten sich die Kolumbianer zu einem weiteren Spielgewinn ohne gegnerischen Zähler.

Die Entscheidung

Nun musste Tecau bei 5:6 nach zwei Stunden und 28 Minuten Gesamtspielzeit gegen den Satz- und Matchverlust aufschlagen. Eine sensationeller Cross am Netz von Farah führte zum 15:30, nach einem Ball von Tecau ins Netz stand es 15:40 und ein klasse Lob von Cabal über Krawietz hinweg brachte die Entscheidung zugunsten der Favoriten mit dem 7:5 nach 2:29 Stunden harter Arbeit.

Im Halbfinale treffen Cabal/Farah auf das an 6 gesetzte französische Team Pierre-Hugues Herbert (30, 20.)/Nicolas Mahut (39/6.), das die bosnisch-serbische Kombination Tomislav Brkic (31/66.)/Nikola Cacic (30/53.) mit 7:6, 6:1 bezwang.

Für das Erreichen des Viertelfinales haben Krawietz/Tecau ein Teampreisgeld von 65 062 Euro kassiert. Den Halbfinalisten sind 110 606 Euro sicher, für den Finaleinzug gibt es 188 030 Euro und für den Sieg 319 652 Euro und 2000 Weltranglistenpunkte.

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