München - Lang ersehnt: In Bayern geht es ab Montag mit den ersten Öffnungen von Geschäften einen kleinen Schritt in Richtung Normalität. „Friseure, Gärtner, Baumärkte, Fußpflege-Praxen, Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden werden ab dem 1. März landesweit unter den gleichen Bedingungen zugelassen, die für die bereits jetzt ausnahmsweise geöffneten Handels- und Dienstleistungsbetriebe gelten“, schreibt die Bayerische Staatsregierung. FFP2-Masken bleiben selbstverständlich Pflicht. Eine Mindestfläche von zehn Quadratmetern für jede Person in einem Raum darf nicht unterschritten werden, zumindest für die ersten 800 Quadratmeter Verkaufsfläche.
 
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte mit den Lockerungen für Kritik gesorgt - vor allem in den Nachbarländern. In Baden-Württemberg war man irritiert angesichts Söders Kehrtwende gewesen: „Bisher war er immer der harte Hund, jetzt fängt er an, eine Sache nach der anderen Sache zu öffnen“, sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet. „Ich weiß nicht, was das soll.“ Gerade im Grenzbereich sollten einheitliche Regeln gelten. „Das würde auch für mehr Akzeptanz sorgen“, sagte die Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm, Katrin Albsteiger (CSU).
 
Unterschiedliche Regeln in Bayern und Baden-Würrtemberg hätten schon im Frühjahr 2020 zu Einkaufstourismus und Unmut bei den Bürgern geführt. Die Betriebe freuen sich jedoch über die Lockerungen genau wie einige Kunden. Doch was ist zu beachten?
 
FRISEUR: Schere und Fön liegen wieder in Profi-Händen: Nach knapp elf Wochen Lockdown dürfen ab Montag Friseure den Wildwuchs im Freistaat bändigen - unter erhöhtem Arbeitsschutz- und Hygieneauflagen. In Bayern müssen Kunden FFP2-Masken tragen, das Personal mindestens medizinische Gesichtsmasken. In den Salons muss der Mindestabstand eingehalten werden, Trennwände sind empfohlen.
 
Friseuren sei es derzeit besonders wichtig, dass Kunden pünktlich kämen und nicht kurzfristig absagen, sagt eine Kreishandwerksmeisterin aus Unterfranken. Denn nur eine gewisse Anzahl an Menschen darf zeitgleich in den Salon und sonst könnte die  Planung durcheinander kommen. Viele Friseure arbeiten daher ausschließlich mit Terminreservierungen. Wenn jemand spontan etwas verlangt, das vorab nicht abgesprochen war, bringe das ebenso in die Bredouille.
 
Übrigens ist mit Preiserhöhungen zu rechnen: Denn viele Friseure kalkulieren durch die Schutz- und Hygieneauflage ihre Preise neu, sagte Landesinnungsmeister Christian Kaiser. Der Verband befürchtet, dass im Laufe des Jahres jeder vierte Friseursalon in Bayern schließen muss. Bei vielen Betrieben seien die Corona-Hilfen noch nicht angekommen.

 
FUßPFLEGE UND NAGELSTUDIO: Nicht nur die Haare sind bald wieder schön: Maniküre, Pediküre und andere „körpernahe Dienstleistungen“ dürfen wieder angeboten werden, die „zum Zweck der Körperhygiene und Körperpfege erforderlich sind“. Diese Forumlierung habe in der Branche laut dem Verband Cosmetic Professional (VCP), der Unternehmen der Dienstleistungskosmetik vertritt, für gewisse Unsicherheiten und Interpretationsspielraum gesorgt. Fachbetriebe müssten nun entscheiden, wann eine Behandlung hygienisch notwendig sei. Fußpflege- und Nagelstudios sowie andere Schönheitsalons waren seit dem 1. November geschlossen. Ausschließlich medizinisch notwendige Dienstleistungen durften mit Attest durchgeführt werden.
 
Auch Gesichtsbehandlungen - wie das Färben von Wimpern und Augenbrauen, Permanent-Make-up, Gesichtsmassagen und Anti-Aging-Behandlungen - dürfen wieder durchgeführt werden. „Die Maskenpflicht entfällt bei Kunden nur, soweit die Art der Dienstleistung sie nicht zulässt“, heißt es seitens des bayerischen Innenministeriums. Solarien und Betriebe, die zum Beispiel Wellness-Massagen anbieten, bleiben indessen weiterhin geschlossen, da sie laut Gesundheitsministerium „nicht hygienisch oder pflegerisch erforderlich sind“.

 
BAU- und GARTENMARKT: Petrus meint es gut mit dem sonnigen Wetter - weshalb viele Hobby-Gärtner am Montag und die kommende Woche vor Bayerns Baumärkten erwartet werden. Die Öffnung der Baumärkte wurde kontrovers diskutiert, aber die Regierung verteidigte das Vorgehen: Wenn die Gartenabteilungen geöffnet werden dürften, der Rest der Baumärkte aber nicht, werfe das Fragen auf.
Mit Hygiene- und Abstandskonzepten sei man für die Besucher gewappnet. „Jeder Einkaufswagen wird für Kunden einzeln desinfiziert, es gibt separate Ein- und Ausgänge und Sicherheits- sowie Ordnungspersonal ist vor Ort“, sagte Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern, der mit Baumarktleitern telefoniert habe. In vielen Baumärkten seien Zählapparaturen installiert, um die Besucherzahlen im Blick zu halten. Nicht auszuschließen seien sogenannte Einkaufstouristen aus den Nachbarbundesländern, in denen noch keine Öffnungen erlaubt sind.
 
„Aber es ist ja nicht so, dass die Leute in den Baumärkten Hamsterkäufe machen müssen. Am Montag wird garantiert nicht der Kampf um die letzte Schraube und um die letzte Holzplatte losgehen“, sagte Ohlmann. Gute Erfahrungen habe man schon nach dem großen Andrang nach dem ersten Lockdown gemacht. „Markus Söder wird sich sicherlich mit Argusaugen angucken, wie alles funktioniert.“

 
BLUMENLADEN: Stiefmütterchen, Primeln, Hornveilchen und andere Frühlingspflanzen stehen bereit - in manchen Gewächshäusern sogar bis zu Hundertausenden. Denn die sogenannten Frühlingsblüher spriesen Anfang März. Zahlreiche Blumen mussten mit dem Lockdown im vergangenen Jahr vernichtet werden. Da man sich nicht sicher war, wann wieder geöffnet werden darf, wurde in manchen Gewächshäusern das Wachstum der Pflanzen künstlich verzögert. 
 
Um auf die fehlenden Umsätze und unsichere Perspektive aufmerksam zu machen, zog eine Floristin aus Unterfranken auf Facebook blank. Die Aktion „#ihrmachtunsnackt“ ist eigentlich von Tätowierern initiiert worden - um auf die stockende Auszahlung der Corona-Hilfe aufmerksam zu machen. Durch die Schließungen bangten aber auch Floristen buchstäblich um das letzte Hemd.

 
BAUMSCHULEN: Baumschulen sind eine Untergruppierung des Gartenbaus - weshalb auch diese erwerbsmäßig bewirtschaftete Anbauflächen öffnen dürfen. Die Baumschulen in Bayern wollen ein deutlich höheren Vorsorge- und Hygienestandard erreichen als es beispielsweise im Lebensmitteleinzelhandel oder auf Wochenmärkten besteht. Der Verkauf und die Beratung soll ausschließlich im Freien stattfinden. Der Mindestabstand wurde auf zwei Meter erweitert.
 
Der Bund deutscher Baumschulen, Landesverband Bayern und der Erzeugerring für Hochbaumschulpflanzen Bayern e.V. arbeitete mit Mitgliedsbetrieben an einem optimierten Hygienekonzept, dass das Risiko, sich unter freiem Himmel mit Corona zu infizieren, auf ein Minimum reduzieren oder sogar ausschließen soll. Ziel sei es unter anderem, die Eigenversorgung der Bevölkerung mit Obstgehölzen, Gemüsepflanzen und Sämereien zu ermöglichen.