Friseure geben nicht auf Ein Licht im Dunkel der Existenznot

Düstere Zeiten für Friseure: Seit über fünf Wochen haben ihre Betriebe geschlossen. Hilfsprogramm greifen nicht. Nun haben sie mit der Aktion „Wir lassen das Licht an“ ihren Protest zum Ausdruck gebracht.

Hof/Rehau - Mit einer leisen, aber eindrucksvollen Aktion haben die Friseure in Bayern von Freitag, 8 Uhr, bis Samstag, 8 Uhr, auf ihr Schicksal hingewiesen: „Wir lassen das Licht an“. Petra Zander, Vorstandsmitglied im Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, erklärt: „Wir wollen sichtbar bleiben und geben nicht auf.“

Seit dem 16. Dezember 2020 müssen Friseure im zweiten Lockdown ihre Salons geschlossen lassen – und dies, obwohl Arbeitsschutz- und Hygienekonzepte vorliegen. Die Schließung bedroht vielerorts die Existenz der Unternehmen und ihrer Angestellten sowie Auszubildenden. Besonders inhabergeführte Familienbetriebe sind hiervon betroffen. Sie kämpfen um ihre Existenz und wollen arbeiten. Denn seit über fünf Wochen sind die Salons geschlossen und man habe noch keinen Cent Corona-Hilfe erhalten.

So arbeiten die Friseure in Bayern auf eine Öffnung ihrer Salons bis spätestens 15. Februar hin. Die Hilfsprogramme des Bundes greifen oftmals für Friseure nicht. Die Rücklagen sind nach dem sechswöchigen Lockdown im Frühjahr 2020 bei vielen Friseuren aufgebraucht. „Für Unternehmer im Friseurhandwerk sehen die aktuellen Programme letztlich keine Hilfe für ein würdiges Überleben in der Krise vor. Die Förderkriterien sind nicht passgenau und unsere Betriebe fallen oftmals durchs Raster. Den Friseurunternehmen bleibt als bisher erfolgreiche Macher nur die Grundsicherung als letzter Rettungsanker“, so beschreibt Petra Zander die Situation. „Es muss endlich eine finanzielle Unterstützung für die seit über fünf Wochen geschlossenen Betriebe geben. Sonst macht Corona unseren Betrieben das Licht aus“

Dabei waren die Friseure die erste Branche innerhalb der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, die einen ausgeklügelten Arbeitsschutzstandard für Pandemie-Bedingungen vorweisen konnte. Dass mit diesem Konzept sicher gearbeitet werden kann, zeigen unter anderem die Zahlen der Berufsgenossenschaft. Dort waren bis Ende Dezember im Friseurhandwerk sechs Covid-19-Fälle für das Jahr 2020 bei 80 000 Friseurbetrieben in ganz Deutschland gemeldet. Die Friseursalons spielen im Infektionsgeschehen also keine Rolle.

Auch Bernd und Andrea Wolfrum vom Friseur Buheitel in Rehau würden gerne arbeiten, müssen ihren Salon aber geschlossen lassen. „Wir verharmlosen das Ganze nicht, aber wir haben alle Hygienevorschriften erfüllt – und es hat ja auch funktioniert. Die Friseure sind keine Superspreader für das Virus“, betonen sie.

Jeder habe sich darauf verlassen, was Gesundheitsminister Jens Spahn Anfang September gesagt hat: Dass man – mit heutigem Wissen – keine Friseure mehr schließen würde. „Man entwickelt ja sein Geschäft auch weiter“, sagen die Wolfrums. „Und bei uns herrscht nun mal Notstand an Personal. Wenn du jemanden bekommen konntest, dann hast du auch zugegriffen. Das geht ja bei den Auszubildenden schon an: Man kann nicht planen. Du kannst niemanden einstellen, da durch die momentanen Abstandsvorgaben die Plätze schon belegt sind.“

Nach dem ersten Lockdown begann man im Salon Buheitel, in einem Schichtsystem zu arbeiten, „damit wir unsere Mitarbeiter auch mit allen Stunden beschäftigen konnten“. Dann kam die Urlaubszeit und danach die Kurzarbeit. „Und jetzt haben wir halt wieder zu.“ Die Mitarbeiterinnen seien durch das Kurzarbeitergeld einigermaßen abgesichert, als Inhaber gehe man mit der aktuellen Regelung aber leer aus. „Es ist hart, wenn man innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal ausgebremst wird, denn man ist auch Stolz darauf, was man sich in 24 Jahren aufgebaut hat. Für das ganze Team ist es nicht einfach. Aber wir haben ein tolles Team, das hinter uns steht.

„Klar bekommt man auch jetzt Anfragen, ob man nicht doch die Haare machen kann, aber es geht halt nicht.“ Es sei schön, dass Kunden anrufen, obwohl sie eigentlich noch kein Shampoo oder keine Spülung brauchen und die Produkte dann abholen. „Man wird in dieser Zeit auch schon unterstützt.“

 
 

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