Frohe Botschaft Selb: Investor hält an Outlet-Planung fest

Seit Mitte November sind die Bagger wieder im Einsatz auf dem Gelände des Outlet-Centers. Mittlerweile ist das Gelände zur Heinestraße hin aufgeschüttet und eingeebnet. Foto: /Florian Miedl

Patrick Müller lässt in der Stadtratssitzung keinen Zweifel daran, dass er den Bau vorantreiben will – inklusive des Kaufhauses Storg. Er erntet aber nicht nur Beifall.

Selb - Eine „frohe Botschaft“ hat Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch – passend zum Termin zwei Tage vor Heiligabend – am Mittwoch im Selber Stadtrat verkündet: „Patrick Müller hält trotz widriger Umstände mit ungebrochenem Elan und großer Überzeugung an der Entwicklung des Outlet-Centers fest.“ Und der Geschäftsführer der Munitor-Gruppe, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Uwe Schlote und Center-Managerin Petra Dierck in die öffentliche Sitzung gekommen war, ließ daran auch keinen Zweifel. Einen genauen Zeitplan nannte Müller allerdings nicht.

Nach einem kurzen Abriss der Bau- und Planungsgeschichte machte Müller deutlich, dass vor allem die Corona-Pandemie das Projekt behindert habe. „Nach dem Abriss der Gebäude des Factory In wollten wir gleich weiterbauen – dann kam Corona ins Spiel.“

Nichtsdestotrotz wolle und könne man das Outlet-Center Selb weiter voranbringen. Im Gegensatz zum klassischen Einzelhandel verzeichneten Outlets mit lokalem Bezug Umsatzzuwächse von bis zu 20 Prozent, argumentierte Müller. Outlets als Tagesziele seien weiterhin sehr gefragt und im Moment die Gewinner. Grundsätzlich sei er frohen Mutes, dass man im Jahr 2022 mit der Entwicklung ein gutes Stück weiterkomme. „Wie weit und wie schnell werden wir sehen müssen“, schränkte Müller ein.

Keine Zeitpläne

Der Geschäftsführer kündigte an, dass das Gelände zeitnah geräumt werden soll. Genaue Zeitpläne wolle er zurzeit nicht nach außen tragen.

Müller zeigte sich auch kämpferisch: „Wir haben verdammt viel Geld in den Standort investiert. Und nur wenn wir fertig werden, können wir auch Geld verdienen.“ Deswegen hätten er und seine Partner das größte Interesse an einer Fertigstellung, immerhin „ist das alles unser Geld“.

Sehr gut seien Mietnachfragen, das Projekt finde bei den Partnern großen Anklang. Namen wollte Müller zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen, nur so viel: „Es ist ein Querschnitt durch die deutsche Einzelhandelslandschaft.“ Unterstützen könne der Stadtrat das Outlet vor allem damit, dass er hinter dem Projekt stehe und es nach außen auch positiv darstelle.

Zweite Bauabschnitt

Für die Aktiven Bürger dankte Klaus von Stetten für Müllers Besuch. Es sei klar, dass ein solches Riesenprojekt mit Schwierigkeiten und Verzögerungen verbunden sei. „Wir sind aber an Ihrer Seite und absolut überzeugt, dass Sie ihre Pläne vollenden werden.“ Von Stetten zeigte auch Verständnis dafür, dass Müller zum jetzigen Zeitpunkt keine Termine nennen wolle. Auf die Frage, wie man Munitor weiter unterstützen könne, sagte Müller, dass eine Entscheidung zum zweiten Bauabschnitt, dem Kaufhaus Storg, im Frühjahr wichtig wäre.

Um einiges kritischer als von Stetten zeigte sich Wolfgang Kreil, Fraktionsvorsitzender der CSU. Zwar dankte auch er Müller für seinen Besuch, allerdings hätte sich seine Fraktion mehr Substanz, vor allem im Hinblick auf die weiteren Pläne und den zeitlichen Ablauf erwartet. Immerhin habe man schon einige Überraschungen hinter sich. Natürlich sei auch die CSU dafür, dass es weitergeht. Kreil brachte erneut seinen Vorschlag ins Spiel, dass die Stadt einen Teil des Kaufhauses Storg übernimmt und eine kompatible Zwischennutzung etabliert. Nur zu schauen, was das nächste Jahr bringt, war Kreil zu wenig.

Nur zusammen

Dem hielt Müller entgegen, dass die Entwicklung am Kaufhaus Storg vom Erfolg des ersten Bauabschnitts, dem Outlet, abhänge. Je erfolgreicher der erste Bauabschnitt sei, desto schneller könne man sich dem zweiten widmen. Es bringe jetzt nichts, über einzelne Gebäude zu reden, immerhin reiche das Gesamtprojekt vom Rathaus bis zum Outlet.

SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Wejmelka bemühte Goethes Faust: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten seh'n.“ Den jüngsten Baufortschritt nehme man wohlwollend zur Kenntnis, allerdings in der Hoffnung, nicht wieder enttäuscht zu werden. Wejmelka sicherte die Unterstützung der SPD zu, um das Projekt voranzubringen. Eine Zustimmung zum zweiten Bauabschnitt sei aber abhängig von zwei Faktoren. Erstens einem signifikanten Fortschritt in Bauabschnitt 1. Und zweitens mahnte der SPD-Sprecher an, dass bei den geplanten Eingriffen in den öffentlichen Raum, nämlich in der Marienstraße und dem Sparkassenplatz, Sicherheitsleistungen vertraglich festgelegt und auch hinterlegt werden.

Planung Marienstraße

Zudem wollte Wejmelka wissen, ob Müller inzwischen alle Häuser in der Marienstraße gehörten, wie viele Wohnungen im Bürgerpark verkauft seien und welche Lärmschutzmaßnahmen auf dem Outlet-Parkplatz in Richtung Brunnenstraße vorgesehen seien. Müller antwortete, dass in der Marienstraße für alle wesentlichen Gebäude Verträge abgeschlossen seien. Sollten nicht alle Besitzer verkaufen wollen, „dann bauen wir drumrum“. Im Bürgerpark seien bis auf vier Wohnungen alle verkauft oder zugesagt. Zum Parkplatz an der Brunnenstraße sagte der Investor, dass die jetzige Planung zusammen mit dem Bund Naturschutz entwickelt worden sei und jetzt bei 40 Parkplätzen weniger mehr Grün vorsehe. Er könne die Bedenken der Anwohner verstehen, sie seien aber nicht begründet.

Für die Freien Wähler Selb stellte Roland Schneider klar, dass sich seine Fraktion mit dem zweiten Bauabschnitt schwer tue, zumal die Stadt Selb bis zu den Bayerisch-tschechischen Freundschaftswochen 2023 genügend eigene Baustellen habe. Immerhin wolle sich die Stadt zu den Freundschaftswochen von ihrer besten Seite zeigen. Dies wünschte sich Schneider auch von der Munitor-Gruppe. Auch die FWS würden alles tun, um Müller zu unterstützen, allerdings bat Schneider um einen besseren Informationsfluss.

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch sprach das Rosenthal-Outlet an: Stadtrat und Bürger wünschten sich eine Outlet-Stadt Selb mit zwei starken Standbeinen. Zudem wolle die Stadt alle gleich behandeln. Müller sagte, man investiere, weil Selb als Porzellanstadt sehr bekannt sei „Dazu gehört auch Rosenthal.“ Er sehe den Porzellanhersteller als Ergänzung und begrüße die Entwicklung dort ausdrücklich. Dennoch habe er Voraussetzungen erfüllen müssen, die anderen nicht gestellt worden seien. Langfristig werde die ganze Stadt vom fertigen Outlet-Center profitieren. Müller prophezeite, dass es weiteren Flächenbedarf geben werde. Und zwar für Nutzungen in der Innenstadt oder auch bei Rosenthal.

Thema Bürgerpark
„Wir bauen jetzt selbst.“ Mit diesem Satz fasste Patrick Müller die Geschichte des geplanten Wohnhauses, in das auch die Stadtbücherei einziehen soll, zusammen. Nachdem man sich sowohl vom ersten als auch dem zweiten Generalunternehmer getrennt habe, wolle man die Sache nun selbst in die Hand nehmen. Die Verpflichtung eines dritten Generalunternehmers mache keinen Sinn. Der Investor verhehlte nicht, dass gerade die Trennung vom zweiten Generalunternehmer eher unschön gewesen sei und möglicherweise noch ein gerichtliches Nachspiel haben werde. Natürlich sei auch der Baufortschritt alles andere als zufriedenstellend. Müller geht davon aus, dass die überarbeitete Planung bis Januar oder Februar fertig sein wird und dann ein Rohbau-Unternehmen gefunden werden kann. „Wir haben schon viele Projekte so erstellt. Das Beispiel Ofenhalle zeigt, dass wir das können.“ Der Bau soll so schnell wie möglich vorangehen. Natürlich werde man die Verträge mit den Partnern, etwa der Stadt Selb, einhalten: „Unseren Partnern entsteht kein Schaden“, versprach der Investor, immerhin sei man schadensersatzpflichtig. Dass man zwei Jahre „verplempert“ habe, sei ärgerlich. Vor allem weil auch „die Preissteigerung im Bausektor auf unser Konto geht“. Erst kürzlich sei man aus dem Vertrag mit dem zweiten Generalunternehmer herausgekommen, jetzt werde man das Haus so schnell wie möglich fertigbauen.

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