"Es ist nicht immer nur toll, hier zu wohnen"
Auch die Winter ließen sich größtenteils gut überstehen, sagt Dittert - warm eingepackt in einen dicken, rosa-violett gestreiften Wollpulli und mit einer dampfenden Tasse Tee in den Händen. Ihr Boot sei stark isoliert, mit typisch deutschen, doppelt verglasten Fensterscheiben. Ein gemütlicher, fast nestartiger Raum, in dem sie dank Heizofen, Luftentfeuchter und einer eingespielten Routine auch feucht-kalten Zuständen trotze. Benachbarte Bootsbewohner nennen Emilia laut Dittert auch "The German Palace".
Dennoch könne es nachts teilweise bitterkalt an Bord werden. "Es ist nicht immer nur toll, hier zu wohnen", gibt Dittert zu. Kürzlich habe sie mit Schrecken in der Zeitung gelesen, dass die vergleichsweise milden Londoner Winter bei einem klimabedingten Abebben des Golfstroms um dramatische zehn Grad kälter werden und die Stadt in eine Eis-Metropole verwandeln könnten.
Auch sonst sieht es in Großbritannien nicht gerade rosig aus. Das Gesundheitssystem ist marode, auf dem Immobilienmarkt herrschen feudalistische Zustände und die Rechtspopulisten sind auf bestem Weg, demnächst die Macht zu übernehmen. Warum will man in diesem Land alt werden?
Selbst Rechtspopulisten seien hier charmanter als woanders
"Weil ich hier zu Hause bin, mit all den guten und den schlechten Seiten, und weil es woanders auch nicht besser ist", sagt Dittert mit Blick auf die politische Lage. "Wenn wirklich die Rechtspopulisten die Macht übernehmen sollten, glaube ich, wird das hier immer noch angenehmer bleiben, als wenn das in anderen Ländern passiert." In Großbritannien seien eben selbst Rechtspopulisten noch eine Prise charmanter.