Tiefster Ort der Welt Im Mariannengraben leben große Kolonien von Tieren

Markus Brauer/AFP

Die Tiefsee ist kaum erforscht. Im Marianengrabens im Pazifischen Ozean haben Forscher in mehreren Kilometern Tiefe Sensationelles entdeckt.

Mit einem speziellen Tauchboot haben Forschende den Grund von zwei Tiefseegräben im Pazifik erkundet – und dort eine überraschend reiche Lebenswelt entdeckt. Foto: © Institute of Deep-sea Science and Engineering, CAS (IDSSE, CAS)

Forscher haben im Marianengraben im Pazifik in fast 10.000 Metern Tiefe zahlreiche Würmer und Muscheln entdeckt. Es handle sich um die in der größten Tiefe gelegenen Kolonien von Lebewesen auf der Erde, die jemals in solcher Zahl beobachtet worden seien, schreiben die Forscher in einer im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten Studie.

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23-Mal hinabgetaucht

Die Wissenschaftler waren im vergangenen Jahr an Bord des chinesischen U-Boots „Fendouzhe“ 23-Mal in den Marianengraben im westlichen Pazifischen Ozean getaucht, den tiefsten Meeresgraben der Erde. In einer Tiefe von bis zu 9533 Metern fanden sie dabei Tausende Würmer, Muscheln und weitere Lebewesen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, dass die Würmer bis zu 30 Zentimeter lang sind.

Das chinesische Forschungs-U-Boot „Fendouzhe“ bei einer Tauchfahrt in den Mariannengraben im November 2020. Foto: Imago/Xinhua
Die Fotokombo zeigt Bewohner des Mariannenrabens. Foto: Nature
Lage des Mariannengrabens: Kurilen mit Kamtschatka und den Aleuten. Foto: Nature
Korallen am Grund des Mariannengrabens Foto: Imago/Xinhua

Das meiste Leben auf der Erde ist abhängig von Sonnenlicht. Trotzdem können auch in der totalen Dunkelheit in den Tiefen der Ozeane Tiere leben. Über einen als Chemosynthese bezeichneten Prozess gewinnen sie Energie aus chemischen Stoffen wie Methan, das durch Risse aus dem Meeresboden sickert.

Die jetzt veröffentlichte Studie bringt neue Erkenntnisse über das Ausmaß an Leben auf dem Grund der Ozeane. Die Forscher entdeckten nach eigenen Angaben die „am tiefsten gelegenen und größten auf Chemosynthese basierenden Gemeinschaften“, die bislang bekannt sind.

Bislang nur Einzeller entdeckt

Die unwirtliche Gegend ist nur wenig erforscht. Forscher hatten bisher zwar Kolonien von Einzellern auf dem Boden der Ozeane entdeckt, aber nur wenige größere Tiere. Die Forscher vermuten jetzt auf Grundlage ihrer Entdeckung, dass auf dem Meeresgrund viel mehr Tiere leben könnten als bislang vermutet.

Fisch im Mariannengraben Foto: Imago/Xinhua/Liu Shiping

Die Studie erscheint inmitten der Debatte über einen möglichen Abbau von Rohstoffen am Meeresboden. Bergbaukonzerne drängen seit Langem darauf, wertvolle Mineralien am Meeresgrund abzubauen. Wissenschaftler und Umweltgruppen befürchten jedoch, dass der Tiefseebergbau unberührte Unterwasser-Ökosysteme dauerhaft zerstören könnte.

Die unwirtliche Gegend ist nur wenig erforscht. Forscher hatten bisher zwar Kolonien von Einzellern auf dem Boden der Ozeane entdeckt, aber nur wenige größere Tiere. Foto: Imago/Xinhua

Im bis zu 11.000 Meter tiefen und 2400 Kilometer langen Marianengraben herrscht permanente Dunkelheit. Bisher sind nur sehr wenige Menschen zum tiefsten Punkt der Erde getaucht.