Fußball-Landesliga Nordost Gnädiges Selb erspart Münchberg Debakel

Peter Perzl

Die Kickers gewinnen das Fußball-Landesliga-Derby gegen Münchberg mit 2:0, zielen aber oft am leeren Tor vorbei. Die Eintracht agiert harmlos und bleibt zum fünften Mal sieglos.

Selb/Münchberg - Zweiter Landesliga-Derby-Sieg hintereinander, da ließ sich nach Spielschluss auf dem Rasen des Thomas-Lang-Waldstadions gut feiern: Kickers Selb hat der Rückenwind aus dem Duell in Röslau gut getan und weiter beflügelt. Die Plätze vier und fünf, die möglicherweise sogar beide zur Aufstiegsrunde berechtigen, liegen wieder in Reichweite. Trotz der Freude über das Ergebnis war für Trainer Udo Schnurrer nicht alles eitel Sonnenschein. „Ich hätte einfach mehr Spielkontrolle erwartet“, sagt der Coach. „Bei unserer Güte muss das möglich sein.“ Den Seinen müsse es endlich gelingen, „das extrem hohe Niveau“ aus dem Training auch auf den Platz zu bringen. In der Tat boten beide Teams in einer weitgehend ausgeglichenen ersten Spielhälfte wenig Erbauendes.

Schnurrer spricht von einem „zerfahrenen Spiel“ und „Fehlpass-Festival“. Selten dass es beiden Teams gelang, den Ball mal über eine längere Distanz in den eigenen Reihen zu halten. Bis auf Winters Riesenchance, der von halbrechts auf Möschwitzer zusteuerte, jedoch verzog, blieb den Zuschauern fußballerischer Hochgenuss verwehrt. Die Frankenwäldler spielten gut und solide mit, hatten zeitweise sogar ein Übergewicht, agierten aber im letzten Drittel erschreckend harmlos und unpräzise und kamen über Halbchancen nicht hinaus.

Als gerade gar nichts darauf hindeutete, führte die beste Selber Szene zum psychologisch günstigsten Zeitpunkt kurz vor der Pause zum 1:0: Der starke Christl vernaschte seine Gegenspieler Söllner und Richter, bediente Kießling, der auf den blank stehenden Özkan querpasste, der zur Führung einschob. „Ein Rückschlag, der uns zwar nicht das Genick gebrochen hat, aber Wirkung gezeigt hat“, analysierte Eintracht-Coach Markus Bächer später. Um ein Haar wäre seinen Münchbergern, die kurzfristig auf Fleischer verzichten mussten, der sich beim Aufwärmen verletzte, postwendend der Ausgleich gelungen. Lucas Köhler vergab völlig freistehend zweimal kurz hintereinander. Selber Souveränität – weiter Fehlanzeige!

Nach anfänglich gutem Start der Münchberger in die zweite Hälfte machte Kickers-Stürmer Kießling auf der anderen Seite seinem Ruf als Torjäger alle Ehre. „Dann wurde es schwierig für uns“, meint Bächer, „wir haben uns aufgelöst und versucht vielleicht noch den Anschluss zu machen.“ Es blieb letztlich beim Versuch, zumal auch Jonas Lang – Eintracht-Keeper Möschwitzer stand in nichts nach – im Selber Tor zwei Mal klasse parierte. Was folgte, waren Selber Groß-Chancen fast im Minutentakt. „Ich habe mindestens fünf gesehen, die die Güte Hundertprozent hatten“, schüttelte Schnurrer nur verwundert den Kopf. Drei Mal davon war das Gehäuse gar völlig verwaist, der Keeper längst ausgespielt. Der eingewechselte Tom Zitterbart dürfte noch in der Nacht davon geträumt haben, versiebte zwei davon. Es hätte zu dem Zeitpunkt auch 5:0 oder 6:0 stehen können oder müssen.

Schnurrers Team hatte längst die Schlagzahl erhöht gegen überforderte Gäste. Die Kickers zeigten sich jedoch gnädig, gingen höchst fahrlässig mit ihren Chancen um und ließen den Gast damit irgendwie am Leben. Und hätte Bösel seinen Spagat in letzter Sekunde gegen den flinken Köhler nicht erfolgreich abgeschlossen, der Anschluss für die Gäste wäre durchaus noch möglich gewesen. Münchbergs Mannschaftsverantwortlicher Michael Buchta war sich eine Viertelstunde vor Ende sogar sicher: „Wir machen noch das 2:2, wer so viele Chancen vergibt, für den rächt sich das.“

Er sollte nicht Recht behalten. Obwohl Trainer Bächer „Einstellung und Wille vorhanden“ sah, sei sein Team „leider zu ungefährlich“ gewesen. Kollege Udo Schnurrer wirkte sichtlich erleichtert: „Das Ergebnis tut uns gut. Aber wir hatten auch Glück, dass deren letzte Pässe nicht ankamen.“ Extrem bitter für seine Truppe, die ohnehin schon auf drei Stammspieler verletzungs- und krankheitsbedingt verzichten musste: Der eingewechselte Caliskan soll nahe der Auswechselbank einen Kopfstoß gegen einen Gästespieler angedeutet haben. Der ansonsten hervorragend pfeifende Unparteiische bestrafte den Versuch und zückte sofort Rot. Damit wird er im von Schnurrer als „Endspiel“ apostrophierten Duell am Freitag in Neudrossenfeld fehlen, wo sein Team allerdings befreit aufspielen könne. Denn selbst wenn es nur zur Abstiegsrunde reichen sollte, habe seine Truppe schon genügend Punkte gesammelt, diese erfolgreich zu meistern. Und für die Münchberger bleibt das Prinzip Hoffnung, dass die Serie von nun fünf sieglosen Spielen in Serie bald ein Ende und das Team wieder in die Spur findet. Drauf hätten sie’s.

Kickers Selb: Lang, Peschek, Bösel, Özkan (69. Zitterbart), Winter, Kießling (90+1 Kuhl), Seidel, Root, Hamann, Christl (63. Caliskan), Rupprecht.

FC Eintracht Münchberg: Möschwitzer, Richter, Schuberth, Ott, J. Köhler (67. Kolb), L. Köhler, Th. Lang (67. Strößner), F. Lang (88. Nürnberger), Rietsch, Frank, Söllner (78. Schrepfer).

Schiedsrichter: Ehwald (FC Geldersheim). – Zuschauer: 250. – Tore: 44. Min. Özkan 1:0, 55. Min. Kießling 2:0. – Rote Karte: Caliskan (Selb/90+2).

 

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