Fußball-Landesliga Nordost Schnurrers deutliche Worte

Der Trainer von Kickers Selb wirft seinem Team nach der 0:3-Heimniederlage gegen die SpVgg Jahn Forchheim mangelnden Einsatz vor. Er vermisst vor allem den Teamgeist.

Selb - Die SpVgg Jahn Forchheim bleibt in der Fußball-Landesliga Nordost weiter der Angstgegner der Kickers Selb. Auch im vierten Duell zogen die Selber den Kürzeren, diesmal wie schon im Hinspiel (1:4) klar mit drei Toren Unterschied (0:3). „Die Vorzeichen waren vor dem Spiel nicht ideal, weil viel über den angekündigten Rückzug von Teammanager Jakob Schleicher diskutiert worden ist, und das wiederum nicht spurlos an den Spielern vorbeigegangen ist“, suchte Trainer Udo Schnurrer nach einer plausiblen Erklärung. Dennoch übte er auch deutliche Kritik an seinen Schützlingen: „Wenn man über 90 Minuten nicht hundert Prozent Einsatz und Willen zeigt, kann man gegen eine Mannschaft wie Forchheim leider nicht gewinnen.“ Die Teilnahme an der Aufstiegsrunde ist damit für die Kickers um einen nächsten Schritt in weitere Ferne gerückt.

Ursache für Schnurrers Unzufriedenheit war die zweite Halbzeit. „Was die Mannschaft hier geboten hat, ist nicht akzeptabel“, ließ er seinem Unmut freien Lauf. „Hier gilt es, den Hebel anzusetzen, sonst können wir gegen keinen Gegner dieser Liga bestehen. Zu wenig Einsatz und Laufbereitschaft, keine Körperspannung und vor allem kein Teamgeist – dann verlierst du natürlich verdient.“ Bis auf eine gefährliche Torannäherung, bei der Marco Kießling den Ball an Torhüter Axel Hofmann, aber auch um einen Meter am Tor vorbeistocherte, war von den Platzherren im Spiel nach vorne herzlich wenig zu sehen. Zündende Ideen und Durchschlagskraft waren nicht vorhanden. Was allerdings auch an einer starken Forchheimer Hintermannschaft lag. „Mir war klar, dass der Gegner über starke Offensivspieler verfügt, und deshalb habe ich meine Mannschaft mit zwei Sechsern bewusst defensiv eingestellt. Das hat sich letztlich ausgezahlt“, freute sich Gästecoach Christian Springer über das gelungene Umsetzen seiner Taktik.

Schon zu Beginn des zweiten Durchgangs sah es eher nach einem Ausbau der Forchheimer 1:0-Pausenführung aus, als nach einem ernsthaftem Selber Aufbäumen gegen die drohende Niederlage. Großes Glück hatten die Kickers bei einem Pfostenschuss von Christian Städtler (57.). Die wiederum agierten bei ihren Offensivbemühungen viel zu statisch und machten es der Gästeabwehr oft leicht. Deutlich mehr Gefahr entstand bei den gegnerischen Nadelstichen, die zu den beiden spielentscheidenden Elfmetern führten. Eine knappe viertel Stunde vor dem Ende wurde bei einem Überzahlspiel Philipp Nagengast völlig freistehend bedient und er wurde beim Versuch, Torhüter Jonas Lang zu umspielen, von den Beinen geholt. Den fälligen Strafstoß verwandelte Kapitän Timo Noppenberger. Den Schlusspunkt setzte Fabian Hofmann, der in der Nachspielzeit einen weiteren Elfmeter nach etwas zu ungestümem Einsteigen von Petr Rehak gegen Noppenberger versenkte.

„Wir haben unsere Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht und freuen uns über die drei Punkte nach einem erwartet schwerem Spiel“, umschrieb Jahn-Coach Springer die spielentscheidenden Momente.

Vor der Halbzeitpause waren die Verhältnisse hingegen nicht so klar. Eine viertel Stunde lang tat sich herzlich wenig, da sich beide Seiten schon sehr weit vor dem eigenen Strafraum aggressiv attackierten und dadurch keinerlei Spielfluss und kontrollierter Spielaufbau aufkam. Dann bekamen zunächst die Gäste Oberwasser. Einen Flachschuss von Noppenberger lenkte Lang mit den Fingerspitzen um den Pfosten und bei einem Kopfball von Nagengast hatte der Kickers-Keeper Glück, als er im Luftkampf zu spät kam. Die dritte Forchheimer Torchance brachte schließlich Mitte der ersten Halbzeit die Führung. Flanke von links, Kopfballabwehr vor die Füße von Nagengast und der traf volley ins Netz. Kurz darauf lag sogar das 0:2 in der Luft.

Das schien ein Wachrüttler für die Selber zu sein. Plötzlich gelang es ihnen, mehr Druck im Angriffsspiel auszuüben. Nach schöner Vorarbeit von Ege Özkan verlängerte Marco Kießling aus fünf Metern Richtung Tor, doch Gästekeeper Hofmann parierte mit einem tollen Reflex. Nur wenige Sekunden später hatte Eduard Root, sonst taktisch umformiert eigentlich in der Innenverteidigung aufgeboten, nach einem Doppelpass freie Bahn und zog am kurzen Eck vorbei. Auch Daniel Sedlacek verfehlte das Ziel mit einem Distanzschuss. „Wir hatten durchaus Chancen, um mit einem Unentschieden oder sogar einer Führung in die Pause zu gehen, es war keineswegs eine schlechte Leistung meiner Mannschaft gegen einen durchaus auch schlagbaren Gegner“, bilanzierte Kickers-Trainer Schnurrer die ersten 45 Minuten. Nur eine akzeptable Halbzeit mit Abschlusspech reicht eben nicht aus, um etwas Zählbares mitzunehmen. Sp

Kickers Selb: J. Lang – Rehak, A. Seidel, Root, Hamann, Rupprecht, Winter, Özkan (65. Peschek), Sedlacek (46. Bösel), Kießling, Tonka.

SpVgg Jahn Forchheim: A. Hofmann – Städtler, Rupp, N. Schwab, T. Hofmann, Noppenberger, Kupfer (70. Reinhardt), Nagengast (78. F. Schwab), Mönius (78. Moumouni), Lee (13. F. Hofmann), Dütsch (70. Goldammer).

Schiedsrichter: Röhrer (TuS Rosenberg). – Zuschauer: 180. – Tore: 23. Min. Nagengast 0:1, 78. Min. Noppenberger 0:2 (Foulelfmeter), 95. Min. F. Hofmann 0:3 (Foulelfmeter).

 

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