Mit grimmiger Miene war Völler am Freitag auf der Tribüne im Stade de Luxembourg zu sehen. Der 65-Jährige schaltete in den Krisenmodus. Ohne Spieler ging er zu einem lange verabredeten Charity-Termin bei der Leipziger Bahnhofsmission.
Nagelsmann wählte trotz des schwierigen Szenarios die sanfte Tour. "Am Ende habe ich schon das Gefühl, dass die Mannschaft das gerade nicht verträgt, wenn man jetzt super draufhaut, ehrlich gesagt, sondern wir wollen auch alle gemeinsam erfolgreich sein", sagte der 38-Jährige.
Zu viele Softies im Team? Nein, versicherte er nun. Es ging bei seiner Aussage nur um die Halbzeitansprache in Luxemburg. "Natürlich kann man bei der Mannschaft auch mal draufhauen. Es gab auch schon lautere Besprechungen."
Die Nationalmannschaft ist sieben Monate vor dem WM-Anpfiff aber ein fragiles Gebilde, ohne verlässliche Automatismen oder Erfolgsgarantien. Die Frage ist: Trotz oder wegen der Arbeit des Bundestrainers? Geht es gegen die Slowakei schief, wie geht es dann weiter?
Sané statt Adeyemi
Rückkehrer Leroy Sané, unter der Woche vom Bundestrainer öffentlich unter Druck gesetzt, reichten ein paar gute Szenen, um nun die Ansprüche zu befriedigen. "Auf Bewährung war er nicht da, sondern er ist da, um das Spiel zu entscheiden, mitzuentscheiden, das hat er gemacht", sagte Nagelsmann. Der Münchner wird gegen die Slowaken noch einmal ran dürfen. Für Karim Adeyemi ist kein Platz in der Startelf.
Zu einer WM-Versicherung für Nagelsmann ist Torjäger Nick Woltemade geworden. Die letzten drei Treffer beim 1:0 in Nordirland und dem 2:0 in Luxemburg gingen auf das Konto des Angreifers. "Ich freue mich. Er hat ähnliche Chancen gehabt in der Nations League, die er auch zu seinem Leidwesen noch nicht genutzt hat. Jetzt ist er halt super drin, auch in Newcastle, daher ist er wichtig für uns", lobte der Bundestrainer.
Keine Remis-DNA
Auf Remis will Nagelsmann nicht spielen lassen. "Generell haben wir schon irgendwie eine gewisse DNA in der Mannschaft und es kommen die meisten von Clubs, wo sie Favorit sind", erwartet er eine Siegermentalität. Aber: "Wir haben keine Phase, wo wir den Gegner aus dem Stadion schießen, sondern wir müssen uns Dinge erarbeiten."