Ansonsten wölbt sich allenfalls noch die Erzählung von den Kakerlaken im DFB-Hotel in North Carolina über alle Ereignisse. An den unangenehmen Schädlingen hat das sportliche Scheitern am wenigsten gelegen. Klopp und Kakerlaken, auf diese verkürzende Alliteration lässt sich der Zustand des deutschen Fußballs dieser Tage dennoch sinnbildlich reduzieren. Von Messi ist man viel weiter entfernt als der Mittelkreis vom Spielfeldrand.
Klopp selbst hatte früh den Auftrag beschrieben. "Es geht um viel. Wer es auch immer machen wird, hat einen Haufen zu tun", sagte er kurz nach dem Scheitern in Foxborough. Da war schon klar, dass alles auf ihn zulaufen würde. So hört sich jene Formulierung wie eine Absicherung an. Der Erfolgscoach weiß natürlich, welches Wagnis er eingeht. Am Sonntag merkte er an, dass es nur rund 60 Tage bis zum nächsten Länderspiel in den Niederlanden seien. Dann mit ihm auf der Trainerbank.
Experten mit harten Worten
Zur Vergewisserung des Status quo gibt es auch genügend prominente Aussagen. Jürgen Klinsmann, der Macher des Sommermärchens 2006, und Philipp Lahm, der letzte siegreiche deutsche WM-Kapitän von 2014, sind da gewichtige Stimmen in der Kakophonie der Experten.
"Wir sind jetzt absolut im Mittelmaß, ganz verloren irgendwo angekommen", sagte Klinsmann bei Sport1. "Schämen" müsse man sich mittlerweile. Sein Urteil über die DFB-Stars: "Sie waren zu weich, sie waren nicht fähig, zu leiden oder auch mal die Ellbogen auszufahren und sich Respekt zu verschaffen", sagte Klinsmann dem TV-Sender Sky.
Als Vorbild in dieser Hinsicht nannte der 61-Jährige den Messi-Clan. "Was die Argentinier der ganzen Welt vorgemacht haben bei diesem Turnier, ist einfach: Vielleicht sind wir nicht die beste Mannschaft, aber wir sind bereit, bis an die Grenzen und darüber hinauszugehen und Spiele in den letzten Minuten zu entscheiden", sagte Klinsmann.
Dies konnte in der Vergangenheit auch die DFB-Auswahl. Den Weg dorthin zurück wird Klopp gehen müssen. "Ich wünsche es mir sehr, weil er ein Typ ist, der so einen Neuanfang starten kann, weil er die Energie hat, die positive Art, andere Leute mit ins Boot zu bringen", erklärte Klinsmann.
Lahm will keine "Sonderwege" mehr
Lahms Auftrag an Klopp ist auch klar. "Für mich zählen Klarheit und Ordnung", schrieb er im Gastbeitrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Nagelsmann habe zu viele Experimente gemacht, zu viele Spieler auf falschen Positionen eingesetzt. Statt "Sonderwege" zu beschreiten, müsse man den Weltfußball im Blick haben. Das hatte Klopp bei seinem WM-Job immerhin schon.