Powerfußball und Strukturen
Von Einzelpersonalien abgesehen: Die überbordende Frage ist die nach dem Grundniveau des deutschen Fußballs. Viele neue Impulse wird Klopp kaum setzen können, mal abgesehen von Lennart Karl oder Said El Mala, die auch in Amerika bei besserem Fußball-Schicksal schon hätten glänzen können. Einige junge Spieler rücken nach. Doch Jugend allein wird es nicht richten. "Es wird nicht nur mit jungen Spielern klappen. Wir brauchen Erfahrung, wir brauchen Führungsqualität", sagte Rekordnationalspieler Matthäus.
Böse Kommentare gingen in die Richtung, dass kein Jamal Musiala, kein Florian Wirtz und auch kein Kai Havertz bei den Topteams aus Spanien und Frankreich in der Startelf stünde. Zu Argentiniens Fußball-Kneipenschlägern könnte vielleicht David Raum passen. Aber auch nur optisch mit seinen vielen Tattoos. Der Leipziger ist ein grundanständiger Kerl.
DFB-Stars zu soft?
Zu viel Anstand hat die DFB-Elf aber auch nicht weit gebracht. Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der beim WM-Sommermärchen 2006 mit markigen Sprüchen seine Spieler heiß machte, hatte die aktuelle Generation gerade für "zu weich" befunden.
Klopp kann genau diese Form der klaren Ansprache auch. Sein Energielevel ist immer hoch. Beim FC Liverpool hatte er Erfolg mit Powerfußball. Nonstop drauf. Es wird gerade auf seine Motivationskünste ankommen, denn so viele Trainingseinheiten wie im Club-Fußball hat er als Bundestrainer nicht.