Einen Bericht, wonach man den Boykott von FIFA-Wettbewerben erwäge, wollte die UEFA am Morgen nicht kommentieren. Es steht im Raum, dass es noch diese Woche eine Dringlichkeitssitzung der europäischen Verbände geben soll. "Auf Grundlage der begrenzten Informationen sind wir zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens und einer angemessenen Governance", teilte der englische Fußball-Verband mit. Man habe keine Kenntnis gehabt.
Was sagen die deutschen Vertreter?
Bemerkenswert: Ihr Statement veröffentlichte die UEFA bereits auf Basis eines Berichts der "Times" und noch bevor die FIFA offiziell die Pläne mitteilte. Als UEFA-Vizepräsident betonte Hans-Joachim Watzke die große Macht der Europäer. "Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht", sagte Watzke auf Anfrage.
Bayerns Sportvorstand Max Eberl zeigte sich schockiert. "Ich finde es beschämend. Ich schäme mich dafür, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden. Der Fußball - das haben die Fans auch schon gesagt - gehört uns nicht", sagte Eberl im Trainingslager in Rottach-Egern. Er stellte offen einen Boykott Europas in Aussicht, um der FIFA Contra zu geben.
Was ist die Rolle der UEFA?
Die UEFA präsentiert sich nicht zum ersten Mal als Bollwerk des gegenwärtigen Zustands im Weltfußball. Auch bei Infantinos Milliarden-Plänen 2018 ging der europäische Dachverband mit Präsident Aleksander Ceferin in Frontalopposition zum Weltverband - und setzte sich am Ende durch.
Ceferin war auch bei den Super-League-Plänen europäischer Clubs im Jahr 2021 einer der lautesten und prominentesten Gegner. Er kündigte unter anderem an, Profis könnten nicht mehr bei WM und EM spielen, wenn sie Teil dieser Super League würden. Diesmal wird sich die Opposition komplizierter gestalten, denn Infantinos FIFA will die Fußball-Welt und vor allem die kleinen Verbände mit zusätzlichem Geld überschütten.
Ist der geplante Deal mehrheitsfähig?
Davon ist auszugehen. Denn abseits der Ablehnung aus Europa dürfte es gerade bei kleineren Mitgliedsstaaten eine Zustimmung für die Idee geben, weil sie schlicht für einen deutlichen Anstieg der Einnahmen sorgen. "Hier geht es um die Demokratisierung des Fußballs weltweit", sagte Infantino.
"Wir beabsichtigen, auch in die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußball-Welt, die zu oft übersehen werden, massiv zu investieren", fügte Infantino an. Nach FIFA-Angaben könnten sich die Einnahmen pro Jahr für die Mitgliedsstaaten mehr als verdreifachen - auf im Schnitt bis zu mehr als sieben Millionen US-Dollar pro Jahr bis 2038. Das ist vor allem für kleine Verbände ein riesiges Geschäft. Infantino ließ wissen, jeder FIFA-Mitgliedsverband solle einen fairen Anteil an dem Deal erhalten, um seine eigene Zukunft zu gestalten.
In Kürze werde ein Vorschlag, der derzeit geprüft werde, den 211 Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat vorgelegt, die die Entscheidungsträger in dieser Angelegenheit seien, sagte ein FIFA-Sprecher auf Anfrage.
Der Verband Concacaf, der die Nationen in Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik vertritt, zeigte sich von dem Prozedere enttäuscht. "Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens", hieß es in einem Statement, über das Sky News berichtete. Man habe erst über die Medien davon erfahren. So ähnlich äußerte sich auch Asiens Kontinentalverband.
Welche Rolle könnte Infantino spielen?
Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte Infantino das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Es sei über dieses Szenario aber noch nie konkret gesprochen worden, betonte ein FIFA-Sprecher. Der Präsident und die Verwaltung müssten jedoch - sofern es genehmigt wird - führende Rollen in dieser Einrichtung einnehmen, um gemäß der FIFA-Statuten die Kontrolle über jede Tochtergesellschaft zu behalten.
Die Kritik daran ist enorm. "Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen", schrieb der ehemalige FIFA-Boss Joseph Blatter bei X.
Auch Großbritanniens Premier Andy Burnham ("Der Fußball gehört nicht den Investoren") und die britischen Medien ("WM zum Verkauf" und "Rote Karte für FIFA-Plan, die WM zu verkaufen") übten klare Kritik.