Fußball Neun Jungs mit eingebautem Torriecher

Tore schießen ist Teamwork: Goalgetter Pascal Hager (Mitte) weiß das. Foto: Katharina Hübner

Schöne Tore, seltene Tore, wichtige Tore: Die Toptorjäger in den Kreisligen, Kreisklassen und A-Klassen der Region haben in der Hinrunde alles gegeben...

Hof/Tischreuth/Wunsiedel - Unsere Zeitung hat mit Stürmern mit „zwei linken Füßen“ und kaltschnäuzigen Routiniers gesprochen. Was sie eint? Richtig stehen, Tore „riechen“ und der Rückhalt durch die Mannschaft.

Kreisliga Süd:

Dominik Dotzauer (16 Tore)

Den berühmten Torriecher findet auch Torjäger Dominik Dotzauer vom TSV Waldershof wichtig. „Ich geh in jedes Spiel und will unbedingt ein Tor machen“, sagt er. Körperlich müsste ein Torjäger „dagegenhalten“ können – „die Verteidiger werden ja nicht kleiner“, sagt der 31-Jährige und lacht. Cristiano Ronaldo sieht er als Vorbild, wie er trainiere und arbeitete – „nicht wie er auftritt!“ Ab einem gewissen Alter müsse man halt etwas für die Fitness tun. Einen Vorteil hat das Alter aber: die Erfahrung. Im Team mitreden und sich austauschen sei dann möglich und nötig: „Die Erfahrung sollte man teilen und Tipps geben.“ Für den Stürmer ist der erste Platz auf der Torjägerliste ein Ansporn. Er gehe nicht in eine Saison und wolle die Tabelle anführen. „Aber wenn man mal oben steht, will man da bleiben.“ Sein persönliches Ziel: „Nochmal höherklassig spielen.“ Dazu braucht’s Tore wie sein Freistoßtor gegen Kirchenlamitz, das von „Anpfiff“ als Tor des Monats Oktober nominiert wurde.

Kreisliga Nord:

Pascal Hager (22 Tore)

„Ich nehme mir nicht vor dem Spiel vor, drei Kisten zu machen“, sagt Pascal Hager vom SV 05 Froschbachtal. „Ich nehme mir vor, das Spiel zu gewinnen.“ An welchem Platz in der Tabelle die Mannschaft stehe, sei wichtig. „Wo die einzelnen Spieler in der Torjägertabelle stehen, ist zweitrangig“, findet der 27-Jährige. Trotzdem ist er sich bewusst, dass „die Kisten machen“ sein Job als Stürmer ist. Und wie muss er sein, der perfekte Torjäger? „Stürmer müssen schnell sein, kopfball- und abschlussstark.“ Dass einer alle Attribute vereine, sei selten – „und dazu braucht er natürlich auch noch das Quäntchen Glück.“ Besonders bei der Schnelligkeit sehe er sich persönlich nicht so weit vorne. Auch sonst ist Hager eher selbstkritisch – in jedem Spiel gebe es Momente, mit denen er unzufrieden sei. „Selbst wenn ich in einem Spiel drei Tore schießen, denke ich, den einen hättest du auch noch machen können.“ Komplett zufrieden sei er demnach nach keinem Spiel. Und doch, mit einem Tor ist er glücklich: „Das schönste Tor hab’ ich wohl gegen Höllental geschossen, das war ein Fernschuss über den Keeper“, sagt Hager. Das komme bei ihm selten vor, und deshalb freue es ihn besonders.

Kreisklasse Fichtelgebirge:

Ergün Aydinli (22 Tore)

FC Marktleuthen - „Ein Torjäger muss im Training Gas geben. Das Glück muss man sich erarbeiten“ , sagt Ergün Aydinli. Für ihn beginnen Spieltage bereits am Vortag: „Man muss sich mental darauf vorbereiten – vor allem als Stürmer. Da bist du für die Tore verantwortlich.“ Sein Lupfer gegen Schönwald ist ihm in Erinnerung geblieben – vor allem, weil in dem Spiel zu dem Zeitpunkt noch kein Tor gefallen war. Im Training versuche er Lupfer oft, im Spiel setze er eher auf sichere Tore. „Mir ist die Torjägertabelle eigentlich egal,“ sagt der 36-Jährige. Er findet, dass das Team funktionieren solle. Wer die Tore mache, sei egal. Doch mit 22 „Kisten“ steht fest: „Ich stehe halt oft goldrichtig.“ Seine Mitspieler, machten ihm das aber einfach. Sonderstatus habe er in der Mannschaft keinen, und wolle das auch nicht. Die erfahrenen Spieler würden zwangsläufig „die Fahne tragen“. Selbstkritik übe er nach der Partie: „Im Spiel versuche ich, mit Fehlschüssen gleich abzuschließen.“ Als Torjäger müsse man sich immer die nächste Chance fokussieren – „und den Ball dann reinmachen!“

Kreisklasse Frankenwald:

Stefan Frisch (29 Tore)

ATSV Münchberg-Schlegel - „Ein guter Torjäger muss selbstbewusst sein und eine gute Übersicht vorm Tor haben“, findet Stefan Frisch. Den Torhüter ausgucken, kaltschnäuzig sein. Das ist ihm gegen Martinsreuth gelungen: „Bis kurz vor Schluss stand es Null zu Null, und durch mein Tor haben wir gewonnen.“ Merkt er, wie er drauf ist vor dem Spiel? „Ja, wenn ich das erste Mal beim Aufwärmen an den Ball kicke, dann merke ich, was es für ein Tag wird.“ Auch wenn für Frisch der Aufstieg seiner Mannschaft wichtiger sei: „Auf die Torjägerliste schaut man als Stürmer schon, klar.“ In der Mannschaft gebe es Schlüsselspieler wie ihn, doch: „Wir sind elf Kumpel auf dem Platz, deshalb nimmt sich keiner zu ernst.“ An nicht-gemachte Tore erinnert sich der 25-Jährige genau: „Gegen Leupoldsgrün war ich alleine vor der Kiste – und hab sie nicht gemacht.“ Ärgerlich. Nach dem Spiel spreche „die Truppe“ darüber, und dann sei alles wieder ok – zumal sie trotzdem gewonnen habe.

Kreisklasse Hof:

Ahmet Gezer (32 Tore)

FC Türk Hof - Ahmet Gezer merkt schon beim Warmmachen, ob es ein guter Spieltag für ihn wird – „das merkt man einfach!“ Dann haut der 26-Jährige auch mal Bretter wie seinen 40-Meter-Freistoß gegen Faßmannsreuth in den Kasten. Wie kommt’s zu solchen Toren? „Ich hab ein sehr starkes Team!“ So könne er sich voll auf die Offensive konzentrieren – „da hast du dann das Gefühl, dass du abgesichert bist.“ Die Torjägertabelle verfolge er genau wie seine Mannschaftskollegen. Sie sagten ihm dann: „Achtung Ahmet, der Zweit-Platzierte holt auf, du musst wieder ein paar Buden machen.“ Wenn es nach ihm geht, sei wichtiger, dass irgendjemand die Tore mache. „Von mir aus muss ich gar keines machen, wichtig ist, dass wir gewinnen“, sagt er und ergänzt lachend: „Wenn ich auch eins mache, ist es wie das Sahnehäubchen!“ Durch seine Torjägerqualitäten ergeben sich auch Vorteile für das gesamte Team: „Wenn die Gegner mich mehr decken, ergeben sich für andere Mitspieler Räume.“

A-Klasse Hof:

Tim Vogt (23 Tore)

ASGV Döhlau II - Vergangene Saison noch Torhüter – diese Saison Toptorjäger! Das ist Tim Vogt. Über seine 23 Treffer kann er lachen: „Ich bin froh, wenn ich überhaupt ein Tor schieße!“, sagt er. Der 27-Jährige hatte mit 16 Jahren eine Verletzung und wechselte daraufhin ins Tor, um sich zu schonen. „Aber das hat mich einfach nicht mehr erfüllt. Ich wollte mich mehr bewegen, auspowern.“ Vergangene Saison durfte er zurück auf das Feld. Die Mannschaftskollegen hätten seine Stürmerambitionen anfangs belächelt. „Das darf man dann nicht so ernst nehmen“, erklärt Vogt, der in einem Kindergarten arbeitet. Die Tabellenspitze gibt ihm Genugtuung. „Die Sprüche werden jetzt weniger“, sagt er und lacht. Ein Vorbild sei für ihn der Ex-Frankfurter Alexander Meier: „Dem hat man das Toreschießen auch nicht zugetraut.“ Für Vogt ist das Wichtigste beim Toreschießen der Wille.

A-Klasse Frankenwald 1:

Andreas Seuß (20 Tore)

1. FC Waldstein II - „Als Torjäger muss man halt wissen, wo der Kasten steht!“ witzelt Andreas Seuß und wird dann ernst: „Ich bin ja schon auf der Zielgeraden meiner Karriere, da geht es darum, gesund zu bleiben und Spaß mit den Kollegen zu haben.“ Für ihn sei die Torjägerliste nicht so wichtig – in der Hinrunde sei er ein paar Spiele verletzungsbedingt ausgefallen – das habe ihn dann doch geärgert. „In meinem Alter geht es darum, noch so viele Spiele wie möglich machen zu können“, sagt er und lacht. Auch in seiner Mannschaft sei der Altersdurchschnitt relativ hoch: „Bei uns geht es um die Kameradschaft.“ Wobei ein bisschen Ehrgeiz trotzdem da sei: „Wir wollen die beste zweite Mannschaft sein.“ Aufsteigen sei aber kein Ziel. Im Team gebe es zwar einen festen Stamm, aber es kämen auch jede Woche andere Spieler dazu, Studenten zum Beispiel. Vergangene Saison sei die Mannschaft freiwillig nicht aufgestiegen.

A-Klasse Frankenwald 2:

Johannes Umlauf (24 Tore)

SG1/TSV Lippertsgrün I - Marlesreuth I - Die Saison startete mit einer Ansage: „Nach 35 Toren spiele ich kein Spiel mehr mit“ – das sagte Johannes Umlauf zu seinem Trainer. Aus diesem „Späßchen“ könnte mit aktuell 24 Toren auf dem Konto bald Ernst werden. „Als Torjäger braucht man Mitspieler, die einem die Bälle zuspielen. Und dann muss man die Treffer halt auch machen wollen!“ Seit er Fünf ist, spielt Umlauf Fußball. Durch den Fußball lerne man viel: zum Beispiel, dass man nicht alles alleine machen muss. „Man hat eine ganze Mannschaft hinter sich.“ Gegen Döbra hat der 22-Jährige einen Elfmeter versenkt, der ihm noch in Erinnerung geblieben ist. „Das war im Derby, zum 2:1-Sieg. Das war wichtig.“ Nach der Winterpause steigt Umlauf vom zweiten zum ersten Kapitän auf – aber auch jetzt spricht er sich viel mit den Trainern ab. Und zwar nicht nur über die Höchstanzahl seiner Tore!

A-Klasse Fichtelgebirge:

Timo Schädlich (16 Tore)

SG1/FC Marktleuthen II-A.TV Höchstädt II - „Tore schießen macht mir Spaß – egal wie’s ausschaut. Tor ist Tor“, sagt Timo Schädlich. Dass sich die Torjägertabelle schnell ändern kann, weiß er – „ich will deshalb bescheiden sein.“ Hinter jedem Torschützen stehe eine ganze Mannschaft. Der 22-Jährige erzählt von seinen „zwei linken Füßen“ und lacht. Er brauche viele Chancen, um die Treffer zu versenken. Aber eine Stärke habe er, und die sei gerade in der A-Klasse Gold wert: Er ist schnell. Und deshalb kämen ihm lange Bälle seiner Mitspieler gelegen. Wenn die allerdings nicht kommen, ist er auch nicht böse – „ich kenne ja meine Vögel“. In der A-Klasse dürfe man die Sache auch nicht so verkrampft sehen. Schädlich spielt nebenher noch Handball. Erst seit dieser Saison spiele er wieder mehr Fußball. „Ich setzte meinen Fokus jetzt auf Fußball, weil es mit der Mannschaft so viel Spaß macht!“

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