"Man bekommt nicht die immer gleichen Antworten, sondern individuelle und somit passendere Antworten - das Spielerlebnis ist authentischer und attraktiver, nicht mehr so gleichförmig wie früher", sagt Gaming-Expertin Fröhlich.
Auch in Rollenspielen und Sportgames lenke KI die Figuren, was besonders für Multiplayer-Online-Spiele interessant sei. "Wenn ein Fantasy-Actionspiel 100 Spielfiguren braucht, so wurde bislang gewartet, bis sich 100 Menschen online angemeldet haben." Nun könne es schon mit weniger Spielern losgehen, da die anderen Figuren von der KI übernommen werden, ohne dass menschliche Spieler das merkten. Dadurch verkürze sich die Wartezeit bis zum Spielstart.
Die KI-Verbesserungen kommen bei den Spielern gut an, wie die Bitkom-Umfrage belegt. In der Befragung gaben 65 Prozent an, dass sie Spielwelten und Charaktere durch KI realistischer empfänden. Gut die Hälfte sagt, dass ihre Spielerfahrung mit KI individueller werde und sie lieber gegen KI-gesteuerte Gegner spielten als gegen Menschen.
Eine KI, die das eigene Spielverhalten auswertet, mache ein Game unberechenbarer und spannender: "Der Gaming-Anreiz steigt dadurch, und die Gamer bleiben länger bei der Stange", sagt Expertin Fröhlich von der "Gameswirtschaft". Für Single-Player-Games bewertet sie es zudem positiv, dass die KI das Niveau des menschlichen Spielers erkenne und das Niveau des Gegners daran annähere - es werde also vermieden, dass der menschliche Spieler viel zu gut oder viel zu schlecht sei und dadurch schnell aussteige, entweder, weil er gelangweilt oder frustriert ist.
Privatleute entwickeln eigene Spiele
Bei einem anderen Trend beim Gaming hat die KI ebenfalls ihre Finger mit im Spiel: Beim "User Generated Content" (UGC) erschaffen Gamer ihre eigenen Spielwelten - etwa Extra-Kapitel auf der Plattform Roblox oder im Fortnite-Universum - oder sie entwickeln ganz eigene Spiele. "Man kann leicht prompten und seiner Fantasie freien Lauf lassen", sagt Fröhlich.
Momentan seien diese von Privatleuten erstellten Games noch recht simpel, sie würden aber komplexer. Perspektivisch bekämen kommerzielle Anbieter von simplen Handygames diese Entwicklung zu spüren, etwa Puzzle-, Tetris- oder Memory-Games. "Der Markt wird geflutet mit den Gratis-Games - das dürfte das Geschäft von bestimmten Studios erschweren."