Garmisch-Partenkirchen Fluglärm und Großdemo: Countdown zu G7-Gipfel

Von Sabine Dobel und Angelika Warmuth,
Ein Flugzeug setzt zum Landeanflug an. Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Es war klar, dass es für die Region kein Spaß wird: Erneut kommt der G7-Gipfel ins Werdenfelser Land - mit massiven Sicherheitsmaßnahmen. Fluglärm, Zäune - die Polizei wirbt um Verständnis. Unter den Anwohnern gibt es Unmut. Auch München bekommt den Gipfel zu spüren.

Garmisch-Partenkirchen - Für die Menschen im Raum Garmisch-Partenkirchen, aber auch in München kommt mit dem G7-Gipfel in den nächsten Tagen einiges Ungemach zu. In der Landeshauptstadt werden am Samstag mindestens 20 000 Demonstranten erwartet - die Polizei rechnet auch mit einem schwarzen Block. Auch während der Anreise und Abreise der Staatsgäste könnte es Staus geben. Im Raum Garmisch-Partenkirchen stehen seit Wochen Zäune, Parkplätze sind abgesperrt, Hubschrauber kreisen, die Gegend ist voll Polizei.

Von Sonntag bis Mittwoch treffen sich auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen die Staats- und Regierungschefs von sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächten. Rund 18 000 Polizeibeamte sind rund um den Gipfel im Einsatz, zudem Hilfsorganisationen, Feuerwehr und Rettungsdienste.

In der Nacht zum Mittwoch waren in München acht Polizeiwagen ausgebrannt. Man könne noch nicht sagen, ob die Täter aus dem linksextremen Spektrum kämen - es spreche aber vieles dafür, sagte Münchens Polizeivizepräsident Michael Dibowski am Donnerstag. In den sozialen Medien feiere die linke Szene den mutmaßlichen Anschlag. Er rechnet bei der großen Demonstration gegen den G7-Gipfel am Samstag in München mit einem schwarzen Block mit bis zu einigen Hundert Personen. Rund 3000 Polizisten sollen die Demo schützen.

Seit Donnerstag knattern im Raum Garmisch-Partenkirchen verstärkt Helikopter. Die Hubschrauberstaffeln der Polizei bereiten sich vor. Es geht auch um eine Luftraumschutzübung. Die Beamten baten die Bevölkerung um Verständnis.

Mancher in Garmisch-Partenkirchen ist allerdings zunehmend genervt von dem Großeinsatz vor ihrer Haustüre. Scheiß G7, danke für nix", ist im Schaufenster eines Geschäfts zu lesen. Man wisse nicht mehr, wo man parken solle, klagen Einwohner. Auch an den Badeseen Richtung Krün hat die Polizei fast alle Parkplätze in Beschlag. Der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) erwartet dennoch keine größeren Probleme. Die Krüner führen meist mit dem Fahrrad zu den Seen. Und: "Ich denke, die schwere bis fast unmögliche Erreichbarkeit an den Gipfeltagen hat sich in der Region schon rumgesprochen."

Von Freitag an gehen viele Schülerinnen und Schüler im gesamten Landkreis für drei Schultage in den Distanzunterricht - Grund sind laut Kultusministerium vor allem die Verkehrsbeeinträchtigungen. Bayernweite Abschlussprüfungen finden aber in Präsenz statt, rund 560 Schüler müssen dazu teils in andere Schulen.

Mitten im Sommer ist das Alpspitz-Wellenbad geschlossen, ebenso die Boulderhalle. Nicht gut kommt bei den Garmischern auch eine Absperrung im Kurpark an. Dort sind sonst im Sommer oft Konzerte.

Die berühmte Partnachklamm ist von Freitag bis zum Ende des Gipfels für Besucher zu - auch wenn dies keine Vorgabe der Polizei ist.
Die Eckbauerbahn hat die Polizei komplett gemietet. Das Eissport-Zentrum hatte im Winter vorzeitig zu gemacht, Schluss mit Schlittschuhfahren: Die Polizei musste sich dort einrichten.

Er habe grundsätzlich nichts gegen den Gipfel, aber diese Einschränkungen, teils seit Mitte Februar, seien untragbar, sagt Oliver Deby, Inhaber eines Eishockey-Ladens. Seinem Laden sei quasi die Geschäftsgrundlage entzogen. Das Kongresshaus eingezäunt, Stadien zu - das Bild für Touristen und Einwohner sei ein Desaster.

Unverständnis gibt es etwa über eine martialisch wirkende Sicherung mit einer Art Stacheldraht am Parkplatz des Kongresshauses, wo die Bundespolizei einquartiert ist. Es gehe hier um Eigensicherung, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. "Das macht nicht so den gemütlichen Eindruck", findet die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum, Michaela Nelhiebel. Wenn sich die Polizei so schütze, frage sich mancher, ob es wirklich friedlich bleiben werde.

Der Gastwirt Andreas Fischer bleibt eher gelassen. Seine Grundhaltung sei positiv. Der Gipfel schränke ihn persönlich minimal ein, die Gäste seien schon eher beeinträchtigt. Als Folge des Gipfels werde die Infrastruktur gestärkt, es seien viele Mittel geflossen. Er werde aber nun bis Dienstag schließen. Es gebe nur sehr wenige Gäste - Polizisten und Journalisten werden zentral versorgt.

Der Leiter des polizeilichen G7-Planungstabes, Manfred Hauser, warb bei den Einheimischen erneut um Unterstützung für die Maßnahmen. Die Weltlage habe sich seit dem letzten Gipfel auf Schloss Elmau 2015 verändert. "Unsere Gastländer, die hier auf Elmau sind, erwarten von uns die höchsten Sicherheitsstandards", sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. "Es ist Krieg in Europa, das hatten wir 2015 nicht." Er bedanke sich "ganz herzlich" bei der Bevölkerung. "Es geht auch wieder vorbei." Am Dienstag reisen die Gipfelgäste ab - und teils direkt weiter zum Nato-Gipfel nach Madrid. Dann beginnt in Garmisch-Partenkirchen das große Abbauen - es wird Wochen dauern.

Während in wenigen Tagen die Chefs der führenden Wirtschaftsmächte auf Schloss Elmau über die größten politischen Herausforderungen der Welt beraten, können ihre Partnerinnen und Partner die Schönheit der Berge genießen und etwas über Kultur und Natur erfahren. Sie werden am Sonntag und Montag Skistars wie Christian Neureuther, dessen Sohn Felix und Schwiegertochter Miriam treffen, auf eine Nordic-Walking-Tour gehen, mit Umweltforschenden sprechen und etwas über Geigenbau lernen.

Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Autor

 

Bilder