Gastschuljahr Sprache und Kultur kennenlernen

Feierliche Begrüßung in Marktredwitz: 13 Gastschüler aus Böhmen verbringen ein Jahr an bayerischen Gymnasien. Foto: /Sophia Goldner

Die Euregio Egrensis macht es möglich: 13 Jugendliche aus dem Nachbarland Tschechien verbringen ein Schuljahr in Bayern.

Marktredwitz/Wunsiedel - Ein ganzes Jahr im Ausland verbringen, andere Kulturen kennenlernen und sich persönlich weiterentwickeln: Diese Chancen gibt die Euregio Egrensis auch in diesem Jahr 13 Gastschülern aus Tschechien. Die Jugendlichen besuchen schon seit Beginn des neuen Schuljahres Gymnasien in den bayerischen Städten Amberg, Bayreuth, Weiden, Wiesentheid und Wunsiedel.

Obwohl es in den vergangenen zwei Schuljahren 2019/20 und 2020/21 aufgrund der Corona-Pandemie zu mehreren Unterbrechungen der Schüleraufenthalte kam, blickte Harald Ehm, Geschäftsführer der Euregio Egrensis, Arbeitsgemeinschaft Bayern, bei der Eröffnungsveranstaltung am Dienstag im Egerland-Kulturhaus in Marktredwitz dem Schuljahr hoffnungsvoll entgegen: „Ich bin zuversichtlich, dass die tschechischen Gastschüler dieses Schuljahr komplett bei uns bleiben können.“

Projekt soll Beziehung der Nachbarregionen stärken

Das seit 26 Jahren bestehende Gastschulprojekt, das von der bayerischen Staatskanzlei und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gesponsert wird, ist laut Ehm ein besonders wichtiges Projekt zwischen den Arbeitsgemeinschaften Bayern und Böhmen. Denn durch die grenzübergreifende Begegnung soll die Beziehung zu den tschechischen Nachbarregionen gestärkt werden. Nicht nur der Abbau der Sprachbarriere ist ein Ziel, auch die Überwindung von den Folgen der bisher trennenden Grenzen in der Mitte Europas soll angestrebt werden. Ehm findet es zudem wichtig, dass die Schüler die Kultur der Nachbarn kennenlernen: „Ihr werdet nicht nur Deutsch lernen, sondern gewiss auch kulturelle Unterschiede mitbekommen. Sei es im Alltag, in der Schule, bei Festen oder im persönlichen Umgang. Am Ende werdet ihr sogar Dialekt sprechen, da bin ich mir sicher!“

Landrat Peter Berek, Präsident der Euregio Egrensis, Arbeitsgemeinschaft Bayern, betonte, dass alle Teilnehmer an dem Projekt einen besonderen Beitrag zur grenzüberschreitenden Arbeit leisten und dafür Dank verdienen würden. Die Dolmetscherin Nová Květa erleichterte dabei die Kommunikation. In seiner Rede verglich Berek den Einsatz der Teilnehmer wie folgt: „Das Gastschulprojekt ist das Flaggschiff der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.“

František Čurka, Präsident der Euregio Egrensis, Arbeitsgemeinschaft Böhmen, gab den Gastschülern einen Rat mit auf den Weg: „Schätzt die Erfahrungen, die ihr in dem neuen System und durch die andere Kultur sammelt. Sie sind einzigartig und können nirgendwo sonst erlangt werden.“

Bei Gastfamilien oder im Internat

Magdalena Becher, Koordinatorin des Gastschulprojekts, hieß die Schüler ebenfalls willkommen und stellte das Projekt genauer vor: „Die Gastschüler kommen fast alle von Gymnasien im tschechischen Euregio-Gebiet und besuchen für ihr Gastschuljahr ein Gymnasium im bayerischen Teil der Euregio Egrensis.“ Dabei zeigte Becher auf eine Karte, die im tschechischen Teil von Karlovy Vary bis Tachov und im bayerischen Teil von Kronach bis Schwandorf reicht. „Fünf Gastschüler werden dieses Jahr in einer Gastfamilie verbringen. Die weiteren acht Gastschüler konnten ein Zimmer im jeweiligen Internat der Gymnasien erhalten“, informierte die Projektkoordinatorin weiter.

Exkursionen nach München und Berlin

Während des Schuljahrs sind auch einige Aktivitäten geplant. Außer einem Kennenlern-Treffen sollen laut Becher auch eine zweitägige Exkursion nach München und Berlin sowie eine eintägige Exkursion in der Region stattfinden.

Ein offizielles Zertifikat über ihre Deutschkenntnisse können die Gastschüler mit einer freiwilligen Prüfung am Ende des Schuljahres zudem noch erlangen. Dabei handelt es sich laut der Projektkoordinatorin um den international anerkannten TestDaF (Deutsch als Fremdsprache).

Die Stipendiaten erkennen die Chancen dieses Projekts und freuen sich auf das Schuljahr: Eva Frančová, die in diesem Schuljahr das Kepler-Gymnasium in Weiden besucht, erzählte der Frankenpost, dass sie vor allem neue Leute kennenlernen wolle. Auch die Kultur und das Schulsystem findet die Tschechin sehr interessant.

Ondřej Pavlas besucht das Luisenburg-Gymnasium in Wunsiedel und findet nicht nur seine neuen Klassenkameraden, sondern auch seine Gastfamilie sehr nett. Er hofft, dass er durch den Aufenthalt seine Deutschkenntnisse um einiges verbessern kann.

Zu einem Schüleraustausch gehört selbstverständlich auch ein Gegenbesuch. Deshalb haben auch bayerische Schüler die Möglichkeit zu einem Kurzaufenthalt in Tschechien.

 

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