Gedenkfeier in Kulmbach Für Demokratie und Freiheit

Stephan Stöckel

Der Bürgermeister von Kulmbachs Partnerstadt in Thüringen berichtet am Einheitstag von seinen Erfahrungen – und was ihn an vielen Demonstranten ärgert.

„Lassen sie uns gemeinsam Tag für Tag für Demokratie und Freiheit eintreten“, sagte Bürgermeister Dr. Steffen Kania aus Kulmbachs Partnerstadt Saalfeld. Foto: Stephan Stöckel

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss jeden Tag aufs Neue erkämpft werden. Diese Botschaft zog sich am Tag der Deutschen Einheit wie ein roter Faden durch die Reden bei der Gedenkfeier am Mahnmal „Deutschland unteilbar“ unweit der Berliner Brücke. Bürgermeister Dr. Steffen Kania aus Kulmbachs Partnerstadt Saalfeld erinnerte an die verstörenden Szenen im Thüringer Landtag, denen erst durch den dortigen Verfassungsgerichtshof Einhalt geboten wurden.

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„Für mich persönlich ist es schwer erträglich, wenn sich heute Menschen, die für welches Anliegen auch immer die Straße gehen, geschützt durch das Versammlungsrecht und ohne jedes persönliche Risiko, mit den Montagsdemonstranten von 1989 vergleichen und unsere heutige Gesellschaft mit der der DDR. Lassen sie uns deshalb gemeinsam Tag für Tag für Demokratie und Freiheit eintreten“, sagte der Redner unter dem Beifall der rund 50 Zuhörer. Sie waren der Einladung des Kreiskuratoriums Tag der Deutschen Einheit gefolgt.

Der Kulmbacher Stadtrat Thomas Nagel, Hauptredner der Veranstaltung, griff den Ball, den ihm der Gast aus Thüringen zugespielt hatte, gerne auf. In seiner Eigenschaft als Leiter der Akademie für Neue Medien ging er mit seinem Berufsstand ins Gericht. Anstatt den AfD-Landrat in Südthüringen zu hypen, sollten die Medien lieber verdiente Demokraten, wie den Landrat des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, Marko Wolfram, (SPD), den liberalen Oberbürgermeister von Jena, Thomas Nitsche, oder den Saalfelder CDU-Bürgermeister Dr. Steffen Kania, in den Vordergrund rücken.

Der Kulmbacher Freidemokrat sprach auch von einem „Gemütszustand der Unzufriedenheit“, der sich in Deutschland breitgemacht habe. Für ihn ist das ein Weckruf an die Politik. Den größten Handlungsbedarf sieht Nagel bei der irregulären Zuwanderung, dem Schutz der öffentlichen Ordnung, der Förderung des Wirtschaftswachstums und der Beschäftigung. Ein fränkisches „passd scho“ genüge nicht mehr, fügte der Redner hinzu. „In Zeiten, in denen jeder jeden denunzieren kann in den Sozialen Medien, braucht es das Rückgrat der Demokraten, positive Meldungen zu liken und zu teilen. Es braucht Mut zur Verantwortung für unsere Demokratie“, sagte Nagel.

Stadtrat Simon Moritz (SPD) hob in seiner Begrüßung hervor, dass die Einheit ein Sieg der Hoffnung über die Trennung gewesen sei. Ganz in diesem Sinne appellierte er an alle: „Dieser Geist muss auch heute unsere Handeln prägen. In einer Welt, die zunehmend durch Spaltungen und Gegensätze geprägt ist, liegt es an uns, Brücken zu bauen und den Zusammenhalt in Deutschland und Europa zu stärken.“

Wolfram Brehm, Vorsitzender des Kreiskutatioriums, sagte, dass man die Menschen immer wieder daran erinnern müsse, dass es sich bei der DDR um eine Diktatur gehandelt habe und dass die Freiheit nicht selbstverständlich sei. Die Saxophonistinnen Ilona Ramming und Amelie Nowak von der Musikschule Kulmbach spielten die National- und die Europahymne, in der die Teilnehmer freudig mit einstimmten. Oberbürgermeister Ingo Lehmann und Landrat Klaus Peter Söllner verneigten sich am Mahnmal vor den Opfern der DDR-Diktatur.