Oft wirkt die Arbeit der Ärzte eher unspektakulär. Ein großer Teil bestehe aus telefonischer Beratung, sagt Ellwanger Berry. Sehr häufig sei für ihre Einschätzung schon ausschlaggebend, wo sich die erkrankte Person aufgehalten habe - um schon am Telefon Entwarnung geben zu können.
"Fälle, die immer mal wieder zu tatsächlichen Einsätzen vor Ort führen, sind besonders die, wo jemand verstorben ist", erklärt die Ärztin. "In diesen Fällen können wir keine Anamnese mehr erheben. Wir können also nicht mehr klären, was die Person im Ausland gemacht hat oder ob sie sich beispielsweise in einer Fledermaushöhle aufgehalten hat." Dann müsse im Zweifel eine Blutprobe genommen werden.
"Man muss sich einfach richtig schützen"
Sie haben es regelmäßig mit sogenannten High-consequence infectious diseases (HCID) zu tun. So bezeichnen die Experten Krankheiten, die durch hochpathogene Erreger ausgelöst werden, eine hohe Sterblichkeitsrate bei sonst gesunden Menschen haben, nicht durch Impfungen verhindert werden können, gegen die es keine spezifischen Medikamente gibt und die von Mensch zu Mensch übertragbar sind. Glücklicherweise seien es aber sehr seltene Ereignisse, sagt Ellwanger Berry. "Die aber, wenn sie auftreten, massive Auswirkungen haben."
"Bei den meisten HCID handelt es sich um Zoonosen, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden", erklärt die Ärztin. Das Risiko solcher Übertragungen, sogenannte Spillover, nehme unter anderem zu, weil der Mensch zunehmend in den Lebensraum von Tieren vordringe - etwa infolge prekärer Lebensverhältnisse.
Am Kompetenzzentrum haben sie es mit "einigen seltenen Erregern, von denen manche noch nie gehört haben", zu tun, sagt Kleine. "Man muss sich ja einfach richtig schützen vor dem Erreger. Welcher Erreger es am Ende ist, das interessiert natürlich die Kliniker, die den Fall behandeln und dann Medikamente geben. Aber für uns geht es eher um den Übertragungsweg eines Erregers."
Und Angst ist bei der Arbeit fehl am Platz. "Wir haben zwar Respekt vor dem Erreger, aber wir wissen uns zu schützen und auch gut damit umzugehen", sagt er.