Gefährlicher Schulweg Landratsamt schmettert Widerspruch ab

Nadine und Reiner Drotleff mit Töchterchen Josephine, die über den von vielen Lkw befahrenen Edeka-Parkplatz laufen müsste, um zur Bushaltestelle an der Lorenzreuther Straße zu gelangen. Das Landratsamt Wunsiedel hat den Widerspruch abgeschmettert. Foto: Peggy Biczysko

Josephine Drotleff kann nach Ansicht der Behörde den Fußweg problemlos gehen. Sollten die Eltern das nicht hinnehmen, könnte es teuer werden. Dann entscheidet letztlich die Regierung.

Starker Lkw-Betrieb

Das Landratsamt hatte nach einer Begehung durch den Verkehrssicherheitsbeauftragten der Polizei dessen Entscheidung zugrunde gelegt, dass Josephine den Weg durchaus auf sich nehmen könne. Dieser Weg würde das Mädchen über das Edeka-Gelände in Lorenzreuth führen, wo permanent Lkw beladen werden und wo es ebenfalls keinen Fußweg gibt. Aus diesem Grund hatten die Eltern Nadine und Reiner Drotleff Widerspruch eingelegt. „Bei den meisten Laderampen herrscht besonders in den Morgen- und Mittagsstunden reger Betrieb“, führen die Eltern ins Feld. Im Falle eines Unfalls mit einem 40-Tonnen-Lkw seien die Überlebenschancen sehr gering.

Kein Gehweg

Die Drotleffs begründen ihren Widerspruch in dem Schreiben an das Landratsamt Wunsiedel wie folgt: „Es befindet sich auf dem Weg zur Bushaltestelle teilweise kein befestigter Gehweg, keine Straßenbeleuchtung, und der öffentliche Verkehrsgrund, auf dem sich unsere Tochter bewegen soll, weist immer wieder starke Verschmutzungen durch Müll, Scherben oder leere Flaschen auf.“ Die Wiese am Straßenrand, die ihre Tochter passieren müsse, sei im Frühjahr und Sommer oft hüfthoch und im Herbst und Winter bei Regen und Schnee nicht mehr begehbar. „Dies bedeutet, dass unsere Tochter gezwungen ist, immer wieder auf den Straßenrand auszuweichen.“

Angst vor sexuellen Übergriffen

Entlang der Klepperstraße befinde sich ein schlecht beleuchteter Lkw-Parkstreifen, der auch nur schwer einsehbar sei. „Somit ist nicht auszuschließen, dass aufgrund der vielen Fernfahrer, die oftmals wochenlang unterwegs sind, sexuelle Übergriffe möglich wären. Deshalb sehen wir immer noch eine große Kindeswohlgefährdung für unsere Tochter.“ Nadine und Reiner Drotleff baten um eine erneute Prüfung der Angelegenheit.

„Können nicht abhelfen“

Das Landratsamt Wunsiedel – unterzeichnet ist das Schreiben von Kreiskämmerer Stefan Pommerenke – teilte der Familie nun mit, „dass wir dem Widerspruch nicht abhelfen können“. Der Weg über die Klepper- und die Lorenzreuther Straße werde von dem Verkehrssicherheitsbeauftragten „weiterhin ausdrücklich als nicht besonders gefährlich bewertet“. Problemlos ist nach Auffassung des Landratsamts auch der Weg über eine Treppe auf dem Edeka-Gelände, die von einer Seite nur per Code zu erreichen ist.

Taxi Entgegenkommen der Stadt

Derzeit fährt Josephine mit ihren beiden Geschwistern jeden Morgen im Taxi bis zur Fichtelgebirgsrealschule, wo sie abgesetzt wird. Ihre jüngeren Geschwister besuchen die Grundschule, wie dies Josephine bis zu den Sommerferien auch getan hatte. Deshalb konnte sie mit dem Taxi zur Schule fahren. Die Kosten übernahm der Schulaufwandsträger, nämlich die Stadt Marktredwitz. Der Träger für die Fichtelgebirgsrealschule ist jetzt der Landkreis. Dass Josephine morgens mit im Taxi fahren kann, ist möglich, weil gerade noch Platz im Mietauto ist und keine Zusatzkosten entstehen. Mittags allerdings müsste Josephine mit dem Bus nach Lorenzreuth fahren. Dafür müsste das Mädchen laut Landratsamt nach Überqueren des Edeka-Geländes etwa 50 Meter auf dem Grünstreifen zurücklegen.

„Ausreichend beleuchtet“

„Der Gehweg in der Klepperstraße liegt auf der Gegenseite der Lkw-Parkplätze und ist ausreichend beleuchtet“, urteilt das Landratsamt weiter bezüglich der Angst der Eltern, dort parkende Fernfahrer könnten möglicherweise auch zu einer Gefahr werden. „Alle Schüler haben auf ihren Schulwegen abgestellte Fahrzeuge am Straßenrand – auch größere wie Busse oder Lkw – zu passieren. Die bloße Anwesenheit von geparkten Lkw stellt keine Gefahr dar.“

„Steuergelder nicht für unsere Kinder“

In die nächste Instanz – das wäre die Regierung von Oberfranken – zu gehen, wäre eine Möglichkeit, doch für Nadine und Reiner Drotleff wohl nicht machbar. „Wenn wir den Widerspruch aufrechterhalten,kann es eine teure Sache werden. Das können wir uns einfach nicht leisten. Dass es letztlich am Geld scheitert, ist wirklich traurig“, beklagt die Mutter von Josephine. Nach ihrem Widerspruch habe nicht einmal eine neu-trale Person diesen Schulweg, den ihre Tochter gehen müsste, begutachtet. Zugrunde lägen einzig und allein die Aussagen des Verkehrspolizisten. Und der ist mittlerweile im Ruhestand (Anm. d. Red.).

Weil die Drotleffs ihrer Josephine den Weg am Grünstreifen entlang nicht zumuten wollen und vor allem im Winter Angst haben, dass sie auf der Straße laufen müsste, müssen sie jetzt wohl in den sauren Apfel beißen und das Taxi für Josephine mittags von der Schule nach Hause selbst zahlen. „Armes Deutschland! Unsere Steuergelder werden für jeden Scheiß hergenommen, nur nicht für die Kinder dieses Landes!“

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