Gefrees Vorbesitzer von "Joseph" wehren sich

Der Spendenaufruf von Tierschützern für den Labrador schlägt Wellen. Im Internet werden Vorwürfe gegen die früheren Besitzer laut.

Gefrees - Der Facebook-Post des Tierschutzvereins Casa Animale mit Spendenaufruf für den Labrador "Joseph" (die Frankenpost berichtete) hat für einige Aufregung gesorgt. Der junge Rüde ist in einer Pflegestelle des Vereins untergebracht und wartet auf eine dringende Hüftoperation. Die Vorbesitzer hatten einer Abgabe an den Tierschutz zugestimmt; sie konnten das Geld für die aufwendige Behandlung selbst nicht aufbringen. Auf der Facebook-Seite der Casa Animale wurde den einstigen Besitzern nun Hartherzigkeit vorgeworfen; sie wollten den Hund "wegspritzen lassen" und seinem Leben gewaltsam durch Einschläfern ein Ende bereiten, statt ihn behandeln zu lassen.

Nach der Werbung weiterlesen

Corinna Müller, Vorbesitzerin des jungen Labradors , will diese Vorwürfe nicht stehen lassen. "Wir sind keine hartherzigen Tiermörder", stellt sie klar. Die Familie habe nach der Diagnose aus ihrer Sicht alles getan, um Joseph zu helfen, aber nach einem Telefongespräch mit einer Tierklinik in Ismaning habe man sich schweren Herzens entschlossen, den Hund zu erlösen, statt ihm die Hüftprothesen-OP zuzumuten. Und zwar nicht nur wegen der hohen Kosten, sondern auch, um dem Hund die schwere Operation und deren Folgen zu ersparen. Von alternativen Behandlungsmöglichkeiten, wie sie Joseph nun bekommen soll, habe ihnen die Tierärztin aus der Klinik dringend abgeraten, erzählt Corinna Müller. Weitere tierärztliche Meinungen wollte sich die Familie nicht mehr einholen, sie seien überfordert gewesen. "Also haben wir das mit dem Einschläfern beschlossen."

Doch nachdem die behandelnde Tierärztin vor Ort, Dr. Susanne von Sobbe von der Tierarztpraxis Kanzler in Konradsreuth, ihnen angeboten hat, über den Tierschutz zu helfen, habe man der Abgabe zugestimmt. "Wir wussten irgendwann gar nicht mehr, was richtig ist. Aber so hat Joseph nun doch noch eine Chance." Und Von Sobbe betont: "Mir ging es um das Wohl des Hundes, niemand sollte hier an den Pranger gestellt werden."

Bei der Casa Animale kann man die Aufregung der Familie Müller nicht nachvollziehen. Immerhin sei es eine Tatsache, dass sie ihren Hund einschläfern lassen wollten, sagt Vorsitzende Sabine Seitz. Doch den umstrittenen Facebook-Post wolle man nun herausnehmen.

Immerhin: Das Engagement aller Beteiligten hat sich bisher gelohnt, der weiteren Behandlung des Hundes steht finanziell nichts mehr im Wege. Joseph wird noch in diesem Monat operiert, und zwar mit einer alternativen Methode, auf die sich nach dem Einholen mehrerer Meinungen alle geeinigt haben. "Und wir können allen versichern: Joseph geht es momentan sehr gut, er hat keine Schmerzen und quält sich nicht. Im Gegenteil: Er ist voller Lebensfreude", betont Erika Reichert, die den Hund auf ihrer Pflegestelle betreut. Sie sei froh und dankbar, dass die Vorbesitzer damit einverstanden waren, den Hund abzugeben. "Jetzt bekommt er noch eine Chance und wir hoffen alle, dass es gut geht." D. Hartbauer