Ein Lebensereignis
Für den Historiker lässt sich die "Völkerfreundschaft" deshalb nicht losgelöst von der Sozialpolitik der DDR betrachten. Viele Angebote hätten den Menschen zwar reale Vorteile gebracht. Gleichzeitig seien sie Teil eines Systems gewesen, das Zustimmung sichern sollte.
Zugleich schildern die erhaltenen Unterlagen und Reisetagebücher ehemaliger Passagiere die einzelne Überfahrten, den Aufbau des Schiffes und das Programm an Bord zum Teil bis ins Detail. Für Strohmeier-Wimmer zeigen sie, welchen Stellenwert die Fahrten für viele Reisende hatten. "Es war einfach ein Lebensereignis", sagt er.
Wie die Reisen ausgesehen haben könnten, lässt sich heute noch anhand von Prospekten und Speisekarten nachvollziehen. Obwohl die "Völkerfreundschaft" als Einklassen-Schiff fuhr, mangelte es nicht an Komfort. An Bord gab es ein Außen- und ein Innenschwimmbad, einen Frisiersalon, einen Rauchersalon, ein Veranda-Café mit großer Tanzfläche und einen Kinosaal für 180 Besucher. Auf den Speisekarten standen neben alltäglichen Gerichten auch Angebote wie Schildkrötensuppe.
Heute liegen die Erinnerungsstücke der "Völkerfreundschaft" zwischen Tausenden anderen Objekten im Depot. Sie zeugen von den unterschiedlichen Erfahrungen, die den DDR-Alltag ausmachten: von Urlaub, von politischen Ansprüchen und persönlichen Erlebnissen, von schönen Momenten ebenso wie von schwierigen.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann das Depot bei Führungen besuchen, die montags bis freitags sowie an jedem ersten Sonntag im Monat angeboten werden.