Die Ergebnisse deuten nach Studienangaben darauf hin, dass diese Impfungen vor der Förderung der betrachteten Lungentumore schützen, indem sie schwere virusinduzierte Erkrankungen verhindern.
Infektionen programmieren Immunzellen um
Schwere Virusinfektionen der Lunge verursachen nach Angaben der Forscher anhaltende Schäden in deren Auskleidung (Epithel). Diese und andere Schädigungen durch Viren könnten das Krebsrisiko noch Monate bis Jahre nach einer scheinbaren Genesung beeinflussen.
Zudem könnten die Infektionen Immunzellen in der Lunge so umprogrammieren, dass sie das Wachstum von Krebstumoren begünstigen, anstatt Krebszellen zu bekämpfen. Dabei werden laut Studie gewisse Schalter umgelegt, die das Ablesen der Gene bestimmen – eine Änderung der epigenetischen Markierungen. Mit gezielter Therapie konnte in Mäusen das Tumorwachstum jedoch gehemmt werden.
Zusammenhang erstmals experimentell gezeigt
Es sei bekannt, dass eine schwere virale Lungenentzündung auch weit über das Ende der Erkrankung hinaus nachhaltige Effekte auf Immunzellen in der Lunge haben könne, erläutert Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Hier wird nun aber erstmals schön experimentell gezeigt, dass diese immunologischen Veränderungen eine direkte Auswirkung auf die immunologische Kontrolle von Krebszellen haben.“
Eine Erklärung für die leichte Verringerung der Lungenkrebsfälle durch milde Covid-19-Erkrankungen könne sein, dass das Immunsystem auch durch diese Infektionen nachhaltig beeinflusst werde. Allerdings eher hin zu einer stärkeren Aktivierbarkeit, was sich dann positiv bei künftigen Infektionen aber eben auch auf die Krebskontrolle auswirke.
Dieses Konzept sei allgemein als „trained immunity“ (trainierte Immunität) beschrieben und umfasse weit mehr als Krebs. Die Studienautoren hatten keine Erklärung für die verringerten Lungenkrebsfälle gegeben.
Kein kausaler, nur statistischer Zusammenhang
Das Forscherteam verweist zwar darauf, dass es beim Menschen nur einen statistischen Zusammenhang zwischen schweren Covid-19-Erkrankungen und Lungenkrebs und keinen kausalen gefunden hat. So könnte es auch sein, dass bestimmte Faktoren in einem Menschen sowohl schwere Covid-Erkrankungen fördern als auch Lungenkrebs. Durch die Mäuseuntersuchungen ergebe sich jedoch ein komplettes Bild.
„Zusammen belegen diese Ergebnisse einen kausalen Zusammenhang zwischen früherer viraler Pneumonie und der Entstehung von Lungentumoren“, schließt das Team. Dies unterstreiche die Notwendigkeit einer verbesserten Überwachung sowie gezielter Interventionen, um das Krebsrisiko nach schweren Covid-19-Erkrankungen zu reduzieren.