Gewerkschaft: Hotels im Hofer Land suchen dringend Personal

red
Viele Menschen machen nach fast zweieinhalb Jahren endlich wieder richtig Urlaub. Foto: NGG

Zum Start der Urlaubssaison ist die Hotellerie am Limit. Die Zahl der offenen Stellen hat sich in der Corona-Zeit mehr als verdoppelt. Ähnlich sieht es in Wirtshäusern aus.

Zu Beginn der Hauptreisezeit fehlt in vielen Hotels und Wirtshäusern im Landkreis Hof das nötige Personal. „Rezeptionistinnen, Köche, Barkeeper, Service- und Reinigungskräfte werden händeringend gesucht. Ohne sie kann die Branche in der wichtigsten Saison des Jahres nicht durchstarten“, sagt Michael Grundl von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die NGG verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach zählte das Beherbergungsgewerbe im Landkreis Hof Ende Juni 29 offene Stellen – 123 Prozent mehr als vor genau einem Jahr und sogar 142 Prozent mehr als Mitte 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie. In der Stadt Hof sind es 20 offene Stellen – 25 Prozent mehr als vor einem Jahr.

„Für viele Hoteliers ist es aktuell einfacher, Gäste zu finden als Mitarbeiter. Denn etliche Beschäftigte haben während Corona ihre Branche verlassen“, erklärt Grundl. „Es kommt jetzt darauf an, Fachleute mit guten Konditionen zu locken.“

Ein entscheidender Punkt sei die Bezahlung. Hier habe sich bereits einiges getan: Mit dem neuen Tarifvertrag, den die Gewerkschaft mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ausgehandelt hat, steigen die Einkommen in Bayern in diesem und nächstem Jahr um insgesamt bis zu 27 Prozent. Eine gelernte Köchin mit drei Jahren Berufserfahrung kommt aktuell auf einen Stundenlohn von 15,68 Euro. „Wichtig ist, dass sich die Unternehmen an den Tarifvertrag halten. Beschäftigte, die in einem tarifgebundenen Betrieb arbeiten, haben nicht nur beim Lohn die besseren Karten. Auch in puncto Arbeitsbedingungen sind sie im Vorteil“, betont Grundl. Gleichwohl sei hier „viel Luft nach oben“. Hotelangestellte arbeiteten oft dann, wenn andere frei haben – nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. „Arbeitszeiten müssen im Sinne der Beschäftigten organisiert werden“, fordert Grundl. Flexibilität dürfe keine Einbahnstraße nur für Unternehmen sein.

Der Gewerkschafter mahnt die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes an: „Auf die Kräfte kommt eine hohe Mehrbelastung zu. Aber die Vorschriften, die die Mitarbeitenden schützen, dürfen nicht unterlaufen werden.“ Diese ließen genügend Spielräume zu, um Auftragsspitzen abzufedern. „Ein Herumexperimentieren am Arbeitszeitgesetz, wie es die FDP in den Berliner Koalitionsvertrag hineinverhandelt hat, ist nicht der richtige Weg.“ Darüber hinaus ermögliche der in Bayern geltende Manteltarifvertrag ein hohes Maß an Flexibilität.

Für die Beherbergungsbranche im Raum Hof rechnet Grundl mit einer hohen Auslastung für die kommenden Monate: „Nach fast zweieinhalb Jahren Corona machen viele Menschen zum ersten Mal wieder richtig Urlaub. Hinzu kommen die Geschäftsreisenden. Und auch manche verschobene Feier wird nachgeholt.“

Damit die Pläne der Gäste nicht an fehlendem Personal scheitern, müsse die Branche für die Beschäftigten attraktiver werden, ist Grundl überzeugt. Das gelinge nur, indem sich Löhne und Arbeitsbedingungen verbesserten. „Zwar ist klar, dass damit gerade für kleinere Betriebe die Personalkosten steigen“, räumt der Gewerkschafter ein. Aber anders seien keine Menschen mehr für den Job im Gastgewerbe zu gewinnen. Es komme darauf an, dass jetzt auch die Kunden Verständnis zeigten. „Für einen guten Service sollte man bereit sein, etwas mehr auszugeben. Das gilt auch im Restaurant. Ein Schnitzel für neun Euro ist heute nicht mehr machbar“, betont Grundl. red

 

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