Große Ziele ASV Wunsiedel investiert in die Zukunft

Landtagsabgeordneter Martin Schöffel (hinten) gratulierte (von links) Michael Koller, Karlheinz Thomys, Horst Köstler, Erwin Bleiner und Michael Pfauntsch zu ihren Ämtern. Foto: /Christian Schilling

Die Fußballer bauen ein Multifunktionsgebäude mit Physiopraxis. Nun soll auch der dazugehörige Grund von der Kirche gekauft werden.

Wunsiedel - 55 Jahre Funktionär, davon 44 an der Vereinsspitze und von Amtsmüdigkeit keine Spur: Horst Köstler wird den ASV Wunsiedel auch in den kommenden drei Jahren als einer von vier Vorsitzenden anführen. Und die Wunsiedler Fußballer haben mit dem Bau eines Multifunktionshauses und dem Kauf des eines Teils des Grundstücks am Schönlinder Weg in Zukunft viel vor.

Am Donnerstag hatte der ASV grünes Licht für eine Präsenz-Jahreshauptversammlung erhalten. Dass die Mitglieder hungrig auf ein Wiedersehen nach den Kontaktbeschränkungen waren, bewiesen mehr als 60 Besucher, darunter auch Bürgermeister Nicolas Lahovnik und Landtagsabgeordneter Martin Schöffel. Auch sichtlich gut gelaunt moderierte Vorsitzender Köstler die Versammlung; den wichtigsten Tagesordnungspunkt erläuterten allerdings seine Vorstandskollegen Erwin Bleiner und Michael Pfauntsch.

Einstimmiger Beschluss

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Mitglieder einstimmig beschlossen, dass der Verein ein Darlehen von 175 000 Euro zum Neubau des neuen Multifunktionsgebäudes aufnahmen darf, blickte Pfauntsch zurück. In der Zwischenzeit habe sich einiges getan. So nahm man bei den Planungen Abstand von der vorgesehenen Containerbauweise, da die „Stahlpreise durch die Decke gegangen sind“. Nun habe man sich für eine Holzständerbauweise entschieden. Das Projekt werde damit teurer und koste über eine Million Euro, dafür hätten sich neue Fördermöglichkeiten wegen der Nachhaltigkeit des Vorhabens aufgetan.

So werde das Projekt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit 22,5 Prozent gefördert. Nicht förderfähig sei hingegen die in das Gebäude integrierte Praxis für Physiotherapie. Mit Michael Koller habe man hier auch schon einen Betreiber und Mieter gefunden. „Wir als Verein bieten damit einem Existenzgründer aus unserer Fußballerfamilie eine Chance“, betonte Pfauntsch.

Begegnungsstätte

Firmieren soll das Gebäude als Begegnungsstätte für Inklusion, Integration und Jugend. Mit offenen Armen werde man auch Flüchtlinge aufnehmen, nachdem sich der Verein bereits vor vier Jahren gegen Rassismus ausgesprochen habe. „Unsere Nationalität heißt Mensch“, sagte Pfauntsch. Im vergangenen Jahr habe der Vereins sich die Inklusion von behinderten Menschen in die Statuten geschrieben. Deshalb sei man bereits einen Schritt auf die Lebenshilfe Marktredwitz für eine Zusammenarbeit zugegangen.

Den Finanzierungsplan stellte Erwin Bleiner vor. Die Holzständerbauweise sei zwar doppelt so teuer wie im Plan des vergangenen Jahres vorgesehen. Neben dem Tilgungszuschuss der KfW von bis zu 200 000 Euro fördere aber der BLSV das Modell mit 45 bis 50 Prozent. Auch die Regierung in München habe ihr Okay für 350 000 Euro der förderfähigen Kosten gegeben. Positive Signale für eine finanzielle Unterstützung habe der Verein von der Oberfrankenstiftung, vom Bezirk, dem Landkreis und der Stadt erhalten. Das Gedankenspiel, das Vereinsheim an die griechischen Pächter zu verkaufen, habe man allerdings wieder verworfen.

Dafür habe sich nun die große Gelegenheit ergeben, das Grundstück, auf dem das Vereinsheim steht, mitsamt dem Parkplatz von der evangelischen Pfründestiftung zu kaufen, von der man den Grund bisher nur nach Erbbaurecht gepachtet habe. „Mit dem Grundstückskauf wären wir autark“, sagte Bleiner. Zudem hätte man im Falle weiterer Kreditaufnahmen eine Sicherheit zu bieten.

„Ein guter Preis“

Bisher habe der Verein einen Erbbauzins von 1100 Euro gezahlt. Die Kirche verlange 30 Euro pro Quadratmeter: „Das ist für Wunsiedel ein guter Preis.“ Da der Verein aber kein Geld mehr auf der hohen Kante habe, müsse der Kauf wiederum durch eine Kreditaufnahme von 60 000 Euro finanziert werden. Bleiner erinnerte zudem daran, dass die Bodenpreise in Zukunft nicht günstiger werden. „Es ist ein guter Zeitpunkt, das Grundstück zu kaufen, da es die Kirche abstoßen will.“ Auch Vorstand Horst Köstler gab sein „Ja“ für die Kreditaufnahme. Dementsprechend stimmten auch die Mitglieder für den Kredit.

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