Grüner Strom made in Landkreis Wunsiedel Meilenstein für den Klimaschutz

Das interkommunale Unternehmen Zenob will im Landkreis in großem Stil Photovoltaikanlagen bauen. Davon sollen auch die Landwirte und Bürger profitieren.

Landwirte können unter den Agri-Photovoltaikanlagen Hühner oder Schafe halten. Foto: dpa/Patrick Seeger

Wunsiedel - Ohne Afrika wird es kaum gehen. Das zumindest glaubt der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Wenn Deutschland tatsächlich auf grünen Wasserstoff als Energieträger der Zukunft setzen wolle, dann werde für dessen Produktion auch Sonnen- und Windstrom aus jenen Ländern notwendig sein, wo eben Wind blase und die Sonne scheine. Da komme Afrika ins Spiel. Dies sagte Aiwanger beim Spatenstich für die Wasserstoffproduktion in Wunsiedel Mitte Juli. Das mag vielleicht für andere Regionen gelten. Der Landkreis Wunsiedel hingegen will sich künftig komplett selbst mit CO2-neutralem Strom versorgen. Daher hat die interkommunale Gesellschaft Zenob (Zukunftsenergie Nordostbayern) nun mit dem Rugendorfer Unternehmen Münch eine Kooperation geschlossen.

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Das Unternehmen aus dem Kulmbacher Land ist einer der größten Hersteller dezentraler Kraftwerke in Deutschland. Vor allem auf Freiflächen-Photovoltaikanlagen legt Münch den Fokus.

An Solarparks scheiden sich die Geister

An Solarparks scheiden sich auch in der Region die Geister. In Arzberg zum Beispiel hat sich die Stadtratsopposition jüngst dafür ausgesprochen, dass im Stadtgebiet keine derartigen Anlagen mehr gebaut werden. Ähnlich ist die Tendenz in anderen Orten. Für den Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking – die Stadt ist Mitglied in der Zenob – eine unverständliche Einstellung. „Die Diskussion, ob Freiflächen-PV-Anlagen schön sind oder nicht, ist längst überholt. Es geht heute darum, wo wir sie bauen.“

Und vor allem darum, wo die Wertschöpfung bleibe, ergänzt Wunsiedels Bürgermeister und Zenob-Aufsichtsratsvorsitzender Nicolas Lahovnik. Daher gehe das interkommunale Unternehmen die Kooperation mit Münch ein. In der Praxis baut das Rugendorfer Unternehmen die Anlagen, während die Zenob sie betreibt. Das langfristige Ziel ist es, möglichst alle geeigneten Flächen in der Region für die Produktion von Sonnenstrom zu nutzen, um so den Anteil der regenerativen Energien weiter zu steigern. „Ohne Sonnenenergie wird es nicht genügend sauberen Wasserstoff geben. Und diesen benötigen wir für die Dekarbonisierung Nordostbayerns. Letztlich ist die klimaneutrale Energie ein Schlüssel zum Erfolg für die Wirtschaftsregion“, sagte Lahovnik.

Die Wertschöpfung bleibt hier

Wie alle an der Zenob beteiligten Bürgermeister bei einem Pressegespräch betonten, wollen sie den Ausbau der Sonnenenergie in der Region mit steuern, „damit letztlich die Wertschöpfung hier bleibt“, wie Thomas Schwarz, Stadtoberhaupt in Kirchenlamitz, sagte.

Am Bau der Freiflächen-Photovoltaikanlagen können sich die Bürger beteiligen. „Crowdinvesting“ nennt sich neudeutsch die Möglichkeit, schon kleine Beträge beizusteuern, die zudem verzinst werden. Die mit dem produzierten Strom erzielten Erträge blieben so bei den Kommunen in der Region, den Bürgern und den Landwirten.

Letztgenannte sind skeptisch, wenn Fremde Pläne für Agrarflächen schmieden. Der Geschäftsführer von Münch Energie, Mario Münch, entstammt selbst einer alteingesessenen Landwirtsfamilie. „Ich kann die Sorgen gut nachvollziehen. Wir haben sogenannte Agri-Photovoltaik-Anlagen konzipiert. Die Flächen bieten sich für das Halten von Hühnern, Bienen, Schafen oder auch Enten an“, erläutert der Geschäftsführer. Außerdem werde für die Flächen eine faire Pacht bezahlt, sodass Landwirte auch eine wirtschaftliche Perspektive hätten.

Wann die ersten Agri-Anlagen stehen, ist ungewiss. „Wir müssen zunächst geeignete Flächen finden“, sagt Projektleiter Frank Fugmann auf Nachfrage der Frankenpost. Er lege dazu einen Filter über den Landkreis, der von vornherein Landschaftsschutzgebiete und andere besonderes geschützte Areale ausschließe. Auch werde er mit den Landwirten sprechen. Die ersten Kontakte seien vielversprechend. „Klar ist auch ihnen Nachhaltigkeit ein riesiges Anliegen.“

Die idealen Partner

Für den Geschäftsführer der Zenob und der Wunsiedler Stadtwerke SWW, Marco Krasser, ist das Unternehmen Münch Energie der „ideale Partner“. „Bisher haben wir uns vorwiegend in der Windenergie engagiert. Auch hierfür haben wir uns Partner gesucht, die die Anlagen installieren. Nun wenden wir uns verstärkt der Sonnenenergie zu, und hier sind wir unweigerlich auf die Firma Münch gestoßen.“ Mario Münch gab das Kompliment zurück. Er habe gespürt, dass beide, die Zenob und sein Unternehmen, dieselbe DNA haben. „Wenn wir CO2–frei werden wollen, führt kein Weg an Wasserstoff vorbei. Uns geht die Entwicklung in Deutschland zu langsam, die Zeit drängt. Themen wie die Sektorenkopplung, also die Verbindung von Mobilität, Wärme und Stromerzeugung, müssen noch mehr Platz in der Diskussion um die Zukunft der Energieversorgung einnehmen. Ich komme europaweit viel herum und kenne Stadtwerke landauf, landab: Keines ist so innovativ und setzt derart intensiv auf Zukunftsthemen wie die SWW in Wunsiedel.“

Mario Münch und die an der Zenob beteiligten Bürgermeister sind der Überzeugung, dass schon bald die Versorgung mit CO2-neutralem Strom eines der wichtigsten Argumente bei der Ansiedlung von Unternehmen sein wird. „Mit der Kooperation haben wir die Chance, uns für Jahrzehnte in Sachen Photovoltaik sicher aufzustellen“, Lahovnik.

Aus der Praxis berichtete Mario Münch. „Kohlendioxidfreier Strom und langfristig konstante Energie- preise sind der Jobmotor der Zukunft. Wir arbeiten mit Unternehmen wie Adidas, Schäffler oder Ratiopharm zusammen. Deren Manager sagen mir, dass die meisten Investoren sich künftig nur noch an Unternehmen beteiligen werden, die auf grüne Energie setzen.“