Güterverkehrszentrum Hof Umschlagplatz für 120.000 Lkw pro Jahr

20 Jahre Arbeit, 32 Millionen Euro Investitionskosten, drei Akteure: Der erste Bauabschnitt des Hofer Güterverkehrszentrum ist eingeweiht. Es läuft schon auf Halblast – im nächsten Jahr soll viel passieren.

Hof - Klimaschutz durch Verkehrsverlagerung auf die Schiene, Neue Seidenstraße und Handelsbeziehungen in Richtung China, Rohstoff-Versorgung und Logistik-Umbruch: Diese drei Themen gehören zu den wichtigsten, die derzeit debattiert werden in Wirtschaft und Co. Am Montagvormittag sind sie alle zusammengeführt worden bei einer hochkarätig besetzten Feierstunde am Hofer Güterverkehrszentrum (GVZ). Vor gut 50 geladenen Gästen haben die bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bauen, und Verkehr, Kerstin Schreyer, Oberbürgermeisterin Eva Döhla und Contargo-Geschäftsführer Thomas Löffler das GVZ offiziell in Betrieb genommen. Und sie haben einen Mann gewürdigt, der das Ganze maßgeblich vorangetrieben hat – wie vieles andere auch im Hofer Land: Bernd Hering.

Der verstorbene Landrat hat nun endlich auch offiziell seine eigene Straße bekommen: 300 Meter lang, vom Luftsteg zum beinahe noch nebenbei umgebauten Zollgebäude. Wer hier ein Jahr lang nicht gewesen ist, wird das Areal nicht wiedererkennen: Aus der alten Buckelpiste mit groben Pflastersteinen ist eine breit ausgebaute Straße geworden. Und wer die Container sieht, die sich die ganze Strecke entlang übereinander stapeln, weiß um die Dimensionen, um die es hier geht.

Bis zu 37 000 Container pro Jahr haben die Container-Stapler am alten Güterbahnhof früher umgeladen. Mit dem Umbau soll sich das Volumen verdreifachen: „Im Endausbau nächstes Jahr möchten wir hier bis zu 120 000 Container umladen“, sagte Thomas Löffler, Geschäftsführer des Betriebsunternehmens Contargo, zur Einweihung. Contargo ist das Unternehmen, das die bislang umgebauten 50 Hektar Güterverkehrsfläche betreibt, der Firma stehen die Stadt Hof und der Freistaat in Form der GVZ Entwicklungs GmbH zur Seite: In einem nächsten Bauabschnitt sollen weitere 50 Hektar zur Güterverkehrsfläche werden.

Momentan ist man etwa mit halbem Volumen unterwegs: „Wir bekommen heute jährlich 57 000 Einheiten auf die Schiene. Würde man alle Lkw hintereinander reihen, wäre das die Strecke Hof-Hamburg und zurück.“ Jede Woche belade man hier in Hof bereits acht komplette Güterzüge. Und mit Blick auf die Neue Seidenstraße, sprich: den Warenaustausch mit China, verspreche man sich noch einiges mehr: „Wir können hier in Zukunft einiges für die Region tun“, sagte Löffler. Und: „In den nächsten beiden Jahren sollen hier die ersten E-Lkw für die letzten Kilometer unterwegs sein.“ Das Unternehmen schlägt jährlich mehr als zwei Millionen Container an 22 derartigen Umschlagplätzen in Mitteleuropa um. In Hof hat Contargo für den Ausbau des alten Güterbahnhofs zum heutigen GVZ sechs Millionen Euro Eigenkapital in die Hand genommen; zehn weitere Millionen kamen vom Freistaat (auch im Rahmen der Plan-B-Mittel, die dereinst für den Ausbau des Flughafens gedacht gewesen waren), fast 16 vom Bund.

„Ich bin vor ein paar Monaten schon einmal hier gewesen – und ich hätte nicht gedacht, dass hier alles so schnell geht, dass wir jetzt wieder hier sind“, sagte am Montag die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer. Damals schon hatte sie die beiden weithin sichtbaren Zeichen des neuen GVZ gesehen: die zwei blauen Portalkräne, die seit dem vergangenen Sommer in Betrieb sind. Heute lobt sie den Umbau des Areals an sich: „Für das, was hier errichtet wurde, hat man sehr wenig Fläche verbraucht“, sagte sie. Flächen sparen sei schließlich eine der Maxime. Ebenso wie CO2-Einsparungen durch eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene: „Wir werden immer mehr Güter auf Schiffe und Züge verlagern müssen, um den Verkehr von der Straße zu bekommen“, sagte Schreyer. Dabei wird in und um Hof ja mehr los sein in Sachen Schwerlastverkehr.

Ob auf der Achse Ostsee-Adria oder auf derjenigen Nordsee-Tschechien: Hof sei bereits eines der wichtigen Drehkreuze, und die Bedeutung werde noch zunehmen, prophezeite Kerstin Schreyer: „Der Logistikverband sagt ein Wachstum des Güterverkehrs um 93 Prozent bis 2030 voraus.“ Das sagt die Ministerin, auch im Hinblick auf alle Ambitionen in puncto CO2-Einsparungen – und vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungskrise. „Ich spreche mit Bauunternehmen, die mir sagen, dass ein einfacher Fenstergriff gerade 14 Monate Lieferzeit hat. Mit Umschlagplätzen wie diesem hier bringen wir dieses Thema voran.“

Einer derer, die das Thema vor mehr als 20 Jahren entwickelt haben, war der damalige Landrat Bernd Hering. Zusammen mit Claus Pöhland – dem Chef der gleichnamigen Logistikfirma in Döhlau, die 2012 von Contargo gekauft wurde –, hatte er die Idee zum Güterverkehrszentrum entwickelt. 2007 entwickelten die beteiligten Logistiker – unter anderem jene des Logistik Kompetenzzentrums Prien am Chiemsee – einen Masterplan für ein GVZ Hof, 2008 kamen zum ersten Mal Stadt- und Kreisräte aus dem Hofer Land zusammen. 2010 kaufte die Stadt Hof die ersten zehn Hektar Fläche und lud zu einem ersten Spatenstich, 2011 gründete sich die GVZ Entwicklungs GmbH, die Jahre danach verbrachten die Beteiligten hauptsächlich mit Förderanträgen und -verhandlungen. Und mit den Gelände-Vorbereitungen, unter anderem der Umsiedlung einer Kolonie Zauneidechsen 2018 schließlich fand – mit Schreyers Vorgängerin Ilse Aigner – der Spatenstich für die Erweiterung des Terminals statt, die am Montag ihren Abschluss gefunden hat. Und Bernd Hering, gestorben 2015, hat nun auch ganz offiziell seine Würdigung erhalten.

Mit seinem Wirken und mit seiner Vita selbst habe er das von ihm kreierte Motto „Stadt und Land, Hand in Hand“ vorgelebt, sagte OB Eva Döhla. Was er in seinen vielen Positionen für Stadt und Landkreis getan habe, sei ein großes Vermächtnis, und eine Keimzelle für künftige Entwicklungen, betonte sie. „Bernd Hering war nicht nur ein großer Mobilitätsfan, er war auch für seine Weltoffenheit bekannt. Das hier ist ein Tor zur Welt für uns“, sagte Döhla. Zusammen mit der Ministerin und der Familie Bernd Herings – Witwe Elisabeth, Tochter Andrea und Enkel David – enthüllte sie das Straßenschild.

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