Handball-Bundesliga Ein Mutmacher für den HSC

Die Abwehr der Rhein-Neckar Löwen hatte über die gesamte Spielzeit Probleme, die Coburger unter Kontrolle zu bekommen. Hier wird der dreifache Torschütze Pouya Norouzi Nezhad (Nummer 7) attackiert Foto: Frank Wunderatsch

Die Coburger Handballer liefern den hochfavorisierten Rhein-Neckar Löwen einen Kampf auf Biegen und Brechen. Am Ende ziehen sie mit 28:31 (13:14) nur knapp den Kürzeren.

Coburg - Die erwartete Lehrstunde für den HSC 2000 Coburg ist ausgeblieben. Die Mannschaft von Trainer Alois Mraz musste sich am Sonntag in der 1. Handball-Bundesliga den Rhein-Neckar Löwen nach einer sehr starken Leistung nur knapp mit 28:31 (13:14) geschlagen geben. Die einsatzfreudigen und kampfstarken Vestestädter schnupperten lange Zeit sogar an einer Sensation. Erst in den Schlussminuten konnten die hochfavorisierten Gäste den Sack endgültig zumachen.

„Wir haben momentan große Terminhatz und einige angeschlagene Spieler. Daher sind wir froh, dass wir das Spiel gewonnen haben“, sagte Löwen-Dompteur Martin Schwalb nach dem schwer erkämpften Sieg. „Wir haben bei 8:12 und 21:23 zwei Mal die Chance gehabt, uns abzusetzen, haben das aber zu schnell wieder hergegeben. Dass Coburg immer wieder herangekommen ist, zeigt, dass die Mannschaft intakt ist. Wir nehmen den Sieg gerne mit und wünschen dem HSC viel Glück.“

Mraz sehr zufrieden

Sein Coburger Pendant Alois Mraz war sehr zufrieden, auch wenn die Punkte an den Gegner gingen. „Wir haben wesentlich besser gespielt als zuletzt. Dass wir uns nach dem 8:12-Rückstand wieder herangekämpft haben und beim 13:13 wieder ausgleichen konnten, war stark. Leider haben wir am Schluss ein paar Chancen zu viel liegen lassen“, sagte der 42-Jährige.

Löwen-Trainer Martin Schwalb musste neben den Langzeitverletzten Mikael Appelgren (Schulter) und Ilija Abutovic (Finger) auch auf den in dieser Woche am Meniskus operierten Uwe Gensheimer verzichten. Schwalb sprach schon im Vorfeld von einer nicht einfachen Aufgabe, zumal die Belastung für sein Team aktuell sehr hoch ist. Am Donnerstag hatten die Löwen noch einen 30:26-Heimerfolg gegen Nordhorn-Lingen gefeiert, nach dem Gastspiel in Coburg geht es am Dienstag bereits in der European League mit dem Viertelfinal-Hinspiel in Moskau weiter. Auf Coburger Seite fehlte erneut Torhüter Konstantin Poltrum mit Hüftproblemen, hinzu kam Dominic Kelm, der an einer Leistenzerrung laboriert. Die angeschlagenen Pontus Zetterman, Christoph Neuhold und Drasko Nenadic, die unter der Woche nicht jede Trainingseinheit hatten mitmachen können, standen alle auf dem Spielformular des HSC.

„Wir müssen eine gute Abwehr stellen, unser Tempospiel verbessern und vor allem vorne druckvoller und mit mehr Mut agieren“, hatte HSC-Kapitän Andreas Schröder vor der Partie als Marschroute gegen das Topteam aus der Metropolregion Rhein-Neckar ausgegeben.

Absolut auf Augenhöhe

Das, was sich die Coburger vorgenommen hatten, konnten sie schon in der ersten Halbzeit hervorragend umsetzen. Beweglich und körperlich präsent in der Defensive, selbstbewusst und mit schönen Kombinationen im Angriff hielten sie das Spiel gegen den hohen Favoriten absolut offen. 8:8 stand es nach 16 Minuten. Mit einem 4:0-Lauf zogen die Löwen auf 12:8 davon. Aber mit einem sich nun steigernden Torhüter Jan Kulhanek im Rücken und viel Kampfgeist kam der HSC wieder heran. Vier Minuten vor der Pause und nach vier Treffern in Folge durch Jakob Knauer, Tobias Varvne (2) und Milos Grozdanic hieß es 12:12.

Kuriose Situation in Minute 28: Die Rhein-Neckar Löwen standen während einer Zeitstrafe mit einem Spieler zu viel auf der Platte, Tollbring kassierte zusätzlich zwei Minuten. Coburg nutzte dies zum 13:13 durch Pontus Zetterman, vergab danach sogar die Chance, mit einer Führung in die Kabine zu gehen. Niclas Kirkelokke machte es besser und traf zum 13:14-Halbzeitstand.

Der überraschend enge Spielverlauf veranlasste RNL-Coach Schwalb, nun doch Andy Schmid und den angeschlagenen Jannik Kohlbacher (Rückenprobleme) zu bringen, die er zunächst geschont hatte. Nach einer Parade des HSC-Torwarts gelang Andreas Schröder das 14:14. Nun nahm die Partie Fahrt auf. Die beiden Torhüter rückten in den Blickpunkt. Andreas Palicka entschärfte zwei Riesenchancen des HSC, Kulhanek stand seinem Gegenüber aber in nichts nach. Am Ende hatte Palicka 15 Paraden zu verzeichnen und Kulhanek elf.

Pech beim Abschluss

Dennoch lagen die weiterhin furchtlos auftretenden Coburger nach 41 Minuten mit 18:21 hinten, weil sie gleich drei Mal an Pfosten und Latte scheiterten. Einfach Pech! Der Kampfgeist des HSC war unbändig. Nach zwei tollen Toren von Jakob Knauer hieß es 21:22 und die Sensation lag plötzlich im Bereich des Möglichen. Schwalb nahm eine Auszeit und forderte seine Spieler höflich auf, doch „endlich die Tore reinzumachen“.

Coburg blieb bis zum 22:23 dran, dann konnten Tollbring und Nilsson auf 22:25 stellen. Aber auch jetzt gab der HSC nicht auf, sodass das Spiel auf Augenhöhe weiterging. Nach Kohlbachers 23:27 zehn Minuten vor Ende schien es, dass die Hausherren langsam, aber sicher ihrem großen Kampf Tribut zollen müssten. Die Löwen bissen nun gnadenlos zu und ruckzuck stand es 23:29. Doch Pustekuchen – der HSC gab sich noch lange nicht geschlagen. Pouya, Grozdanic und zwei Mal Schröder verkürzten auf 27:29 (57.).

Der Favorit wackelte gewaltig. Nun parierte Kulhanek gegen Lagergren, aber im Gegenzug auch Palicka gegen Knauer. Das folgende Gegenstoßtor von Patrick Groetzki zum 27:30 rund 70 Sekunden vor der Schlusssirene sorgte schließlich für die Entscheidung zugunsten der unterm Strich enttäuschenden Löwen, die am Ende froh sein durften, dass sie die Partie nach Hause schaukeln konnten.

Kulhanek in Topform

Für den HSC 2000 hingegen ist die gezeigte Leistung ein echter Mutmacher für die kommenden Wochen. Eines zeigte sich am Sonntag deutlich: Die Coburger Handballer haben sich im Abstiegskampf keinesfalls aufgegeben. „Wir werden weiterhin Gas geben und sehen dann am Ende, was rauskommt“, versprach Torhüter Jan Kulhanek, der großen Anteil daran hatte, dass die sehenswerte Begegnung bis zum Schluss offen blieb.

Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (11 Paraden), Paul Dreyer (n.e.) – Pouya Norouzi Nezhad (3), Felix Sproß (n.e.), Drasko Nenadic (n.e.), Florian Billek (1), Dino Mustafic (n.e.), Jakob Knauer (3), Pontus Zetterman (3), Tobias Varvne (6), Paul Schikora, Justin Kurch, Stepan Zeman (3), Milos Grozdanic (6; 2 7-Meter/2 Versuche), Andreas Schröder (3), Christoph Neuhold (n.e.). – Trainer: Alois Mraz.

Rhein-Neckar Löwen: Andreas Palicka 15), David Späth (n.e.), Nikolas Katsigiannis (n.e.) – Andy Schmid (1), Kaspar Veigel, Niclas Kirkelokke (3), Romain Lagarde, Mait Patrail (1), Jerry Tollbring (8), Philipp Ahouansu, Albin Lagergren (2), Patrick Groetzki (5), Ymir Örn Gislason, Jesper Nielsen, Lukas Nilsson (6), Jannik Kohlbacher (5). – Trainer: Martin Schwalb.

SR: Julian Fedtke (Berlin)/Nils Wienrich (Berlin).

Zeitstrafen: 3 (Varvne, Zeman 2) – 4 (Patrail 2, Tollbring, Nilsson). – Siebenmeter: 2/2 – 0/1.

Spielfilm: 1:0, 1:1, 2:1, 2:2 (4.), 2:3, 3:3, (6.), 4:3, 4:4, 5:4 (9.), 5:5, 5:6, 6:6, 6:7 (13.), 6:8, 7:8 (15.), 8:8, 8:9(18.), 8:10, Auszeit HSC 2000 Coburg; 8:11, 8:12 (21.), 9:12, 10:12 (24.); Auszeit Rhein-Neckar Löwen; 11:12, 12:12 (26.), 12:13, 13:13 (28.), 13:14 (30.); Halbzeit; 14:14, 14:15, 15:15 (33.), 15:16, 16:16 (35.), 17:16 (36.), 17:19 (39.), 17:20 (40.), 18:20, 18:21 (41.), 19:21, 20:21, 20:22 (44.), 21:22; Auszeit RNL; 21:23, 22:23 (46.), 22:25, 23:25, 23:26 (49.), 23:29 (53.); Auszeit HSC 2000 Coburg; 24:29, 25:29 (55.), 26:29 (57), 27:29; Auszeit RNL; 27:30 (59.); Auszeit HSC; 27:31, 28:30, 28:31 (Spielende).

 

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